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Robin Hood in 3D?


Regisseur Ridley Scott hat jüngst seine 200 Millionen Dollar Adaption von ROBIN HOOD mit Russel Crowe angekündigt. Vor einigen Wochen tauchte auch schon ein [→Trailer] im Internet auf, der zugegebenermassen solide aber für solch eine gigantische Produktion sehr belanglos und im Vergleich zu Kevin Reynolds 90er Version auch recht unnötig wirkt. Heute wurde allerdings bekannt, dass Scott mit Universal verhandelt um weitere 8 Mio. für die Investition in eine 3D Version zu erhalten. Nach dem bahnbrechenden Erfolg vom 3D-Kracher [→AVATAR] liegt es nahe, dass es einige Zuschauer durch dieses 3D-Gimmik zusätzliche zu verbuchen gäbe. Ob das den GLADIATOR-Verschnitt rettet ist eine andere Sache, aber Ridley Scott scheint schon einmal kräftig zu üben um sein nächstes Projekt ALIEN unter der Produktion vom 3D-Experten James Cameron zu realisieren.

WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN


Regie: Spike Jonze
Darsteller: Max Records, Catherine Keener, Mark Ruffalo
Produzent: Tom Hanks
Buch: Spice Jonze basierend auf Buch von Dave Eggers

Ein kleiner Junge fühlt sich von der Welt missverstanden und flüchtet sich mit einem Ruderboot auf eine fremde Insel. Ob diese Insel seiner Fantasie entpringt oder nicht, darf der Zuschauer beurteilen. Entscheidend an diesem Ort sind seine Einwohner: Große, pelzige Monster, welche wie der kleine Junge selbst, eine schwere Identitätsfindungskrise erleiden. Der Junge behauptet er sei der König der Insel und freundet sich langsam mit den riesigen Kreaturen an.

Von einem Jungen, der König sein wollte

Seit einiger Zeit wurde im Internet angekündigt, dass Spike Jonze, der kreative Kopf hinter BEING JOHN MALKOVICH und dem Oscar prämierten ADAPTATION den besonders in den USA berühmten Kinderbuchlassiker Wo DIE WILDEN KERLE WOHNEN [→Trailer] verfilmen will. Dieser Film lief mitte Dezember, fast vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Die einzigen Vorstellungen im hiesigen Kino in Freiburg zeigten den Film zu einem Termin um 17.00 Uhr, was auf einen reinen Kinderfilm schliessen lässt. Falsch gedacht. Spike Jonzes Film ist sehr düster und voller Problemstellungen mit welchen ein Kind sicher nicht zurecht kommt. Jeder Charakter in dem Film kaut an seinen eigenen Problemen und diese sind auch oft einer komplexen Natur, welche tief in den vielschichtigen Persönlichkeiten der Monster verankert sind. Gleich vorweg: Der Film ist wunderschön! angefangen beim melancholischen Soundtrack von Karen O and the Kids und auch das unglaublich detailverliebte Kostümdesign der Kreaturen welches nicht unerwähnt bleiben darf. Spike Jonze erschuf wundervolle Bilder und transportiert den Stoff auf seine eigene aber gelungene Art und Weise auf die Leinwand. WHERE THE WILD THINGS ARE, so der Originaltitel, ist ein sehr schöner Film für Erwachsene geworden, aber für Kinder definitiv zu düster und zu anspruchsvoll in der Problemstellung. Scheinbar wusste der Verleih Warner den Film nicht richtig zu Vermarkten. Schade, denn dieser Film ist wirklich ein Highlight der Saison.


9/10 Monsterfratzen
Gelungene und sehr eigenständige Adaption eines Kinderbuchklassikers

Review: AVATAR


Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Sigrouney Weaver, Cch Punder, Giovanni Ribisi
Studio: 20th Century Fox

In einer fernen Zukunft beutet der Mensch nicht nur seinen eigenen Planeten aus, sondern auch "Pandora", eine ferne Welt, die von fremden Kreaturen besiedelt wird. Um an die wertvollen Rohstoffe zu gelangen, wird Jake [Sam Worthington aus Terminator: Salvation] unter das Volk der Na'vi, den humanoiden Bewohnern des Planeten, gesendet, um diese zur Evakuierung ihres Lebensraumes zu bewegen. Das besondere an diesem menschlichen "Spion" ist die Tatsache, dass er den Körper eines echten Na'vi steuern kann und somit das Vertrauen des gesamten Volkes erwirbt. Jake freundet sich zunehmends mit der Welt der Na'vi an und kämpft immer mehr mit dem Zweifel, ob der Zweck seiner Mission tatsächlich gerechtfertigt ist.

Geblendet von plastischen Bildern und perfekt gestalteten Kreaturen

James Cameron kündigte AVATAR [→Trailer] schon vor einigen Jahren an und prophezeite zugleich die Revolution im Science-Fiction Genre. Diesen Anspruch kann er nicht ganz erfüllen, was nicht heissen soll dass AVATAR misslungen ist, es handelt sich lediglich um einen soliden Vertreter seines Genres. Zugegeben: Die Optik des Filmes ist atemberaubend und bis ins kleinste Detail akribisch gestaltet. Es sind nicht nur die großen Monster und Raumschiffe, welche die Welt von Pandora lebendig machen sondern vielmehr die kleinen Funken und Käfer, die die feucht-schwüle Atmosphäre des Planeten spürbar in den Kinosaal transportieren. Das Setting des heiligen Baumes erinnert unweigerlich an Hayao Miyazakis PRINCESS MONONOKE, was nicht verwunderlich ist, da Cameron bekennender Fan der asiatischen Animationskunst ist. Die hochgelobte 3D-Technik erfüllt ihren Zweck, fordert aber vom Zuschauer besonders beim hektischen Finale erhöhte Aufmerksamkeit, denn man muss wirklich am Ball bleiben um dem bunten Treiben auf der Leinwand folgen zu können. Das Design der Kreaturen und der futuristischen Vehikel überzeugt auf ganzer Linie und bereitet dem geneigten Genrefreund sehr viel Freude. Sam Worthington passt sehr gut in die Rolle des zwiegespaltenen Jake, wird allerdings nicht sonderlich gefordert, da seinem digitalen alter Ego die meiste Screentime gewährt wird. Sehr erfreulich ist die Besetzung der überzeugenden Sigourney Weaver, dies kann man fast schon als Hommage an Camerons ALIENS verstehen.

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse

Der erste negative Punkt der schon recht früh auffällt, ist der penetrant recyclete Titanic-Score von Camerons Stammkomponisten James Horner. Die uninspirierten Ethnoklänge stoßen während einigen pathetischen Sequenzen sehr sauer auf, umso verwunderlicher dass solch banale Töne mit einer Golden Globe Nominierung bedacht wurden. Der größte Kritikpunkt ist allerdings die sehr vorhersehbare und gänzlich überraschungsfreie Story, was man von einem James Cameron eigentlich nicht erwartet. Ohne den Hauch einer erzählerischen Finesse wird der Zuschauer von den großartigen Bildern gelähmt und schonunglos über die Oberfläche der schlichten Geschichte katapulitert. Schade, dass ein Film dieser Größe lediglich solch eine banale Geschichte erzählt. Trotzdem: Es ist beachtlich wie gut die menschlichen Charaktere mit den digitalen Figuren und Kulissen harmonieren, dort sieht man dem Film seine geschätzten 700 Mio. Dollar Produktionskosten zu jeder Sekunde an. AVATAR ist ein atemberaubender visueller Overkill, der die Grenzen seines Mediums auslotet, aber stark an seinem brüchigen Handlungsgerüst leidet.


6/10 ins Bild hüpfenden Blattläusen
Nicht der erwartete Hit, aber trotzdem ein bunter Trip in eine glaubwürdig gestaltete Welt.

Review: HARRY BROWN


Regie: Daniel Barber
Darsteller: Michael Caine, Emily Watson
Buch: Gary Young

Der frische Witwer Harry Brown [Michael Caine] muss mitansehen, wie Jugendliche vor seiner Haustür randalieren und das gesamte Viertel unsicher machen. Nachdem sein bester Freund [David Bradley] kaltblütig von dieser Bande ermordet wird, nimmt der Ex-Mariniesoldat das Gesetz selbst in die Hand und räumt auf den Strassen Englands auf.

Diese Rache ist nicht süß!

Man könnte vermuten HARRY BROWN [→Trailer] bewege sich im Fahrtwasser der aktuellen Rachefilm-Welle, dem ist aber nicht so. Gegenüber Filmen wie TAKEN, LAW ABIDDING CITIZEN oder DEATH SENTENCE überzeugt er durch eine sehr unhektische und subtile Machart. Getragen von Michael Caines genialem Schauspiel dreht der Film seine Spannungsschraube langsam aber effektiv an. Was im kleinen Konflikt beginnt, endet in einer großen infernalen Schlacht. Interessant ist besonders die soziale Komponente auf die der Film eingeht. Wie auch schon in EDEN LAKE handeln hier jungendliche Täter mit einer unfassbaren Skrupellosigkeit, welche als Zuschauer kaum zu ertragen ist. Emotional ist HARRY BROWN sehr mitreissend und durch seinen gut gezeichneten Hauptcharakter auch stets authentisch und nachvollziehbar. Szenen wie der Konflikt bei den Waffenhändlern verhelfen dem Film zu wahrer Größe und machen ihn durch die detailiert dargestellte Atmosphäre auch sehr glaubwürdig.

Sehr hart, aber trotzdem stets subtil und glaubwürdig.

Als eine Art britisches Pendant zu GRAN TORINO, aber stets eigenständig, darf HARRY BROWN zur Oberklasse seines Genres gerechnet werden. Filmisch hervorragend umgesetzt und schauspielerisch ebenfalls sehr überzeugend, erwartet einem mit HARRY BROWN das gelungene Portrait eines gebrochnenen Mannes der Rache nimmt.


9/10 gerächten Schandtaten
Unheimlich spannendes Kino von der grünen Insel

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Review THE BOX


Regie: Richard Kelly
Darsteller: Cameron Diaz, James Marsden
Buch: Richard Kelly, Richard Matheson

Die Türklingel reisst ein junges Pärchen aus dem Bett und plötzlich steht ein Paket vor der Tür: die titelgebende "Box". In dieser Box befindet sich eine kleine Apparatur, ausgestattet mit einem großen, roten Knopf. Schon bald erfahren die Beiden, dass ihnen durch das Drücken des Knopfes eine Million Dollar übergeben wird, aber irgendwo auf der Welt ein Mensch durch diesen Mechanismus zu Tode kommt. Der moralischen Zwiespalt hinterlässt die Zwei sehr unsicher aber auch skeptisch, niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass hinter diesem mysteriösen Prozedere eine weitgehendere Verschwörung mit ungeahnten Drahtziehern steht.

Die Konsequenzen einer Handlung

Richard Kelly fesselte 2001 mit dem mysteriösen Film DONNIE DARKO ein großes Publikum, nach seinem gelungenen aber wesentlich weniger erfolgreichen SOUTHLAND TALES überzeugt er nun erneut mit einem Film, der wieder einige große Fragezeichen erzeugt. THE BOX [→Trailer] ist Ende der 70er angesiedelt und dies wurde auch filmisch verdeutlicht, etwa durch den subtilen Einsatz typischer Musik, wie sie in B-Movies dieser Zeit eingesetzt wurde oder durch die Verwendung von Farbfiltern und Weichzeichnern. THE BOX lebt davon, dass er den Zuschauer durch ständig neue Rätsel am Ball hält und ihn miträtseln lässt. Dies hat zur Folge, dass man das Schicksal des Pärchens am eigenen Leib nachvollziehen kann und den "Horror" des Unbewussten sehr unvermittlet miterlebt. Die Aufklärung dieses Mysteriums findet zwischen den Zeilen statt und man sollte dem Geschehen schon sehr aufmerksam folgen um alles zu erfassen.

Wer denkt sich solch ein perfides Spiel aus?

Man darf nicht zuviel verraten, mit welchen seelischen Torturen Cameron Diaz und James Marsden konfrontiert werden, denn das würde den Spass an diesem wirklich fesselnden und atmosphörischen Film verderben. THE BOX ist ein sehr gelungener Genrefilm, der irgendwo zwischen dem naiven Charme eine B-Movies und der Vielschichtigkeit eines modernen Thrillers steckt. Kellys Film entstand frei nach der Kurzgeschichte "Button, Button" von Richard Matheson, der unter anderem die Vorlage für I AM LEGEND [bzw. OMEGA MAN respektive THE LAST MAN ON EARTH] geliefert hat. Übrigens wurde diese Geschichte schon einmal in einer TWILIGHT ZONE Episode umgesetzt.


8/10 gedrückten Knöpfen
Mysteriös, spannend und voller kleinen Details, die man beim ersten Sehen gar nicht komplett erfassen kann.

WHATEVER WORKS


Regie: Woody Allen
Darsteler: Larry David, Evan Rachel Wood
Buch: Woody Allen
Studio: Sony Classics

Ein höchstgradig verbittertes Genie der Quantenphysik lebt alleine in New York und hat der Welt nicht viel mitzuteilen ausser dem Gemecker über New Yorker, Nicht-New Yorker und eigentlich allen Menschen auf der Welt. Eines Tages tritt ein junges Mädchen in sein Leben, dessen Gegenwart er zunächst ablehnt, nach einigen nervenaufreibenden Dialogen aber doch soweit in sein Herz schliesst, dass selbige Dame schon bald einen Ehering an ihrem Finger vorfindet. Als die Mutter aus den Südstaaten vor der Tür steht und mit dem 40 Jahre älteren Ehemann ihrer kleinen behüteten Tocher so gar nicht klar kommt, ist das Chaos natürlich vorprogrammiert.

Ihm wurde der Tod durch Kulturschock prophezeit [Zitat]

Woody Allen ist wieder zurück in New York, zwar nur hinter der Kamera, aber es scheint als ob ihm die bissige englische Art seiner vorigen in den UK gedrehten Filme [Matchpoint, Scoop und Cassandras Traum] stark beinflusst haben. WHATEVER WORKS [→Trailer] ist eine noch bissigere Version des STADTNEUROTIKERS und glänzt mit einem brilliant verschrobenen Larry David in der Hauptrolle. Die Chemie zwischen Melody [Evan Rachel Wood], dem kleinen Dummchen aus den Südstaaten und dem Mißantrophen par excellence ist so umwerfend komisch, dass die 90 Minuten Laufzeit einer gefühlten Viertelstunde entsprechen. Allen macht sich über die bigotten Südstaatler ebenso lustig wie über die extrovertierten New Yorker, wodurch man ihm zumindest keine Einseitigkeit vorwerfen kann. Die Dialoge zünden, die Story ist großartig und obwohl der Film einen sehr kühlen und realistischen Blick auf die Liebe wirft, gehört er dennoch zum romantischsten was Allen in seiner ganzen Laufbahn geschaffen hat.
Nichts hält ewig, aber hauptsache es funktioniert, WHATEVER WORKS.


9/10 Mißlungenen Suiziden
Umwerfend komisch, tiefsinnig und teilweise unfassbar böse.

Review: 2012


Regie: Roland Emmerich
Darsteller: John Cusack, Amanda Peet, Thandy Newton
Buch: Harald Kloser
Studio: Sony Pictures

Nachdem ein indischer Wissenschaftler entdeckt, dass sich die Erdkruste rasant erhitzt und die Erde somit dem Untergang geweiht ist, werden von staatlicher Seite alle Hebel in Betrieb gesetzt um zu retten, was noch zu retten ist. Im Jahr 2012 ist es soweit, die Erdkruste löst sich von ihrem Kern und die Welt versinkt im Chaos. Inmitten dieser Apokalypse befindet sich der Schriftsteller Jackson Curtis [John Cusack] der seine Familie in Sicherheit bringen will.

Nichts neues im Westen

Der Export-Schwabe Roland Emmerich liefert mit 2012 [→Trailer] einen kalkulierten, finanziell völlig risikofreien Katrastrophenfilm, der in der ersten Hälfte durchaus zu gefallen weiss. Der Plot wird dem Zuschauer sehr spannend offeriert und die kleinen konspirativen Anspielungen von der Regierungsseite lassen auf einen gelungenen Film hoffen. Bereits nach einer halben Stunde beginnt dann Emmerich sein Feuerwerk zu zünden und man muss wirklich zugeben, dass einem die gezeigten Bilder den Atem rauben. In den Spezialeffekten steckt sehr viel Detailarbeit und sie wirken nicht leblos, da immer noch kleine persönliche Schicksale in besagten Szenen integriert sind.

John Cusack saves the day

Im Prinzip ist es aber Cusack zu verdanken, dass die erste Hälfte von 2012 so gut funktioniert, seine Symphatie trägt den Film über den routinierten Prolog. Woody Harrelson, Danny Glover und Oliver Platt sind nur einige von vielen bekannten Stars die eine kleine Rolle in 2012 besetzen, aber man fragt sich, wieso sich der sonst so großartige Zlatko Buric [Pusher] herablassen muss und solch ein klischeebeladenes Bild eines russischen Millionärs abgeben muss. Genau da sind wir nämlich beim Problem des Filmes angelangt. In der zweiten Hälfte verpufft das Interesse des Zuschauers völlig, die einzelnen Schicksale werden gänzlich aus dem Fokus verloren und es häufen sich viele Stereotypen über eine Regierung die über Leichen geht. Voller Klischees und durch lieblos aneinandergreihte "Wir-spielen-Titanic-Untergangsszenen" versinkt auch der Film im Einheitsbrei und schippert einem maßlos enttschäuschenden und an das US-Publklikum angepassten Konfektions-Happy-End zu.


4/10 verpufften Gasblaßen
Das einzige was in 2012 untergeht ist leider die Story

GESETZ DER RACHE


Regie: F. Gary Gray
Darsteller: Gerald Butler, Jamie Foxx
Buch: Kurt Wimmer

Hilflos muss ein Mann [Gerald Butler] zusehen, wie Einbrecher seine Frau vergewaltigen und diese dann zusammen mit ihrer Tocher auf grausame Art und Weise töten. Aufgrund mangelnder Beweise erhalten die Täter mildernde Umstände und werden nicht für ihre Taten bestraft. Von der abstrusen Rechtsprechung völlig entäuscht, nimmt der Vater das Recht selbst in die Hand und fügt jeder Figur in dieser Geschichte die gerechte [?] Bestrafung zu.

Ein Vater sieht Rot

Nein, es handelt sich nicht um einen Film mit Charles Bronson, auch wenn sich die Story verdächtig danach anhört. Regisseur F.Gary Gray [Verhandlungssache, Extreme Rage] hat einen Art Sampler von dem erstellt, was im Kino gerade gut ankommt: einen schonungslosen Rachefilm mit Foltersequenzen und grausamen Morden als Beilage. Leider geht er dabei sehr wirr vor: Einerseits wird der Vater als Identifikationsfigur eingeführt, was sich aber nachdem er seine Opfer mit Sägen und Zangen bearbeitet schnell wieder zerschlägt.

Eine sehr fragwürdige Moral

Drebuchautor Kurt Wimmer [Ultraviolet] kann unmöglich ernst meinen, was er dem Publikum da verzapft. Die sinnfreie und unlogische Handlungsweise des Vaters und die völlig unangebrachten Foltersequenzen machen LAW ABBIDING CITIZEN [→Trailer] zu einem der schwachsinnigsten und moralisch fragwürdigsten Filme seit THE PUNISHER mit Dolph Lundgren. Butler und Foxx spielen ihren Part jeweils überzeugend, können aber auch nicht verhindern, dass der Film besonders zum Ende hin zu einer unausgegorenen Mischung aus Moral- und Rachefilm wird. GESETZ DER RACHE ist unerträglich reaktionärer Schwachsinnn den man tunlichst meiden sollte.


2/10 enttäuschten Charles Bronsons
Lachhafter Rachefilm, der sich nach einem Publikum sehnt, dass nach jedem Mord gröhlen und klatschen sollte.

Review: MOTHER

Regie: Bong Joon-Ho
Darsteller: Kim Hye Ja, Won Bin, Jin Gu
Studio: CJ Entertainment

Ein leicht zurückgebliebener Mann wird in der südkorenischen Provinz des Mordes an einem jungen Mädchen beschuldigt. Zunächst scheint es als ob die Polizei lediglich einen Sündenbock sucht und den Fall möglichst schnell abschliessen will. Die Mutter des jungen Mannes glaubt an die Unschuld ihres Sohnes und versucht selbst den Tathergang zu rekapitulieren und den Mörder des Schulmädchens zu finden.

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam.


Nach den beiden Publikums- und Kritikererfolgen MEMORIES OF MURDER und THE HOST bringt Bong Joon-Ho mit MOTHER [→Trailer] einen weiteren ambitionierten Kinohit auf die Leinwand, dabei greift er Themen auf, die aus seinen früheren Filmen bekannt sein dürften. Einerseits wird auf die Unfähigkeit des staatlichen Justizapparates eingegangen, andererseits beschreibt er einen Ausnahmezustand in einer kleinen Familie und zeigt, wie weit eine Mutter die für ihr Kind kämpfen will, gehen kann. MOTHER ist im Prinzip eine sehr traurige Weiterführung von MEMOIRES OF MURDER, wieder ist es die Faulheit und die Ignoranz von Beamten, die für eine sehr oberflächliche Ermittlung verantortlich sind. Eine Geschichte zwischen spannendem Krimi und stillem Familiendrama, unheimlich intensiv erzählt und voller inszenatorischen Höhepunkten [z.B. die Flucht aus dem Schrank oder die Geniale Aufklärung am Ende]

Große internationale Ambitionen


Die Hauptdarstellerin Kim gewann für ihre glaubwürdige Darstellung der Mutter, den Preis der Korean Film Critis Association, ausserdem tritt MOTHER im Kampf um die Oscars für Korea in den Wettbewerb [Kategorie: best foreign movie] MOTHER ist großartig inszeniert, sehr gut gespielt und erzählt eine mitreissende Geschichte, die bis ins kleinste Detail berührt. Wir in Deutschland bekommen den Film leider erst im Oktober 2010 zu sehen, gerade deswegen lohnt sich ein Import der kürzlich erschienen DVD aus Korea.


9/10 übersehenen Beweisen
Ein faszinierender Thriller, dessen Charaktere sehr viele Tiefe haben.

DAS HAUS DER DÄMONEN


Regie: Peter Cornwell
Darsteller: Kyle Gallner, Virginia Madsen, Elias Koteas
Buch: Tim Metacalfe

Unheilvolle Visionen plagen einen todkranken Jungen, nachdem er mit seiner Familie in ein neues Haus eingezogen ist. Sind die düsteren Gestalten nur ein Fiebertraum verursacht durch starke Medikamente, oder bewohnen tatsächlich Dämonen das Haus in Connetitcut?

Ein kleiner Ausflug nach Italien.

"Fulci Light", so könnte man das Genre nennen, das THE HAUNTING OF CONNECTICUT [→Trailer] hier beschreitet. Vordergründig handelt es sich bei dem Regiedebüt von Peter Cronwell um einen relativ überraschungsfreien und vorhersehbaren Horrorfilm mit sehr [!] effektiven, wenn auch kalkulierten, Schoksequenzen. Unter der Oberfläche ist HAUS DER DÄMONEN [dt. Titel] aber sichtbar von der Italo-Horrorwelle beinflusst. So lässt sich die Handlung wie ein exaktes Crossover aus Lucio Fulcis THE BEYOND und HOUSE BY THE CEMETARY verstehen und ist auch optisch vom italienischen Großemeister inspiriert. Dennoch wirkt der Film recht eingenständig, ohne dabei Ambitionen auf ein Meisterwerk zu entwickeln. Das Makeup der erscheinenden Gestalten ist sehr gut gelungen und auch die Soundkulisse kann als effektiv und stimmungsvoll bezeichnet werden.

Solide Spannung für den Horrorliebhaber

Es kommt nicht mehr oft vor, dass einem ein amerikanischer Horrorfilm in den Kinosessel drückt und tatsächlichen Grusel erzeugt. THE HAUNTING OF CONNECTICUT schafft dies zumindest teilweise und kann qualitativ im Oberen Mittelfeld eingeordnet werden. Seien wir mal ehrlich - im Prinzip sind die alten Fulcis auch nichts weiter als stimmungsvolle B-Movies, aber dennoch habe sie ihren Thron auf dem Horrorthron verdient. HAUS DER DÄMONEN ist eine gelungene Hommage an diese Ära - kein Klassiker, aber effektives Genrekino.


6/10 spukenden Hausgeistern
Wesentlich gelungener als der völlig überschätze Amateur-Wackelgrusler PARANORMAL ACTIVITY, der gerade das hiesige Mainstreampublikum in den Schlaf wiegt.

Review GAMER


Regie: Mark Neveldine Brian Taylor
Darsteller: Gerald Butler, Amber Valetta, Alison Lohmann

In einer nahen Zukunft sind Computerspiele real geworden, sogenannte GAMER [→Trailer] können die Identität einer Spielfigur annehmen und diese via Gedankenkontrolle steuern. Der neueste Hit ist das Spiel SLAYERS, eine Art COUNTERSTRIKE mit realen Menschen. Eine Hackergruppe geht gegen King Castle [!] den Gründer dieser Spielwelt vor und versucht dem unmoralischen Treiben ein Ende zu setzen.

Krach, Bumm, Fizz

Das sind ungefähr die ersten Eindrücke die man von GAMER mit Gerald Butler in der Hauptrolle mitnimmt. Mark Neveldine und Brian Taylor haben schon mit CRANK einen sehr adrenalingeladenen Film abgeliefert, aber nach GAMER wirkt ihr Erstlingswerk wie ein dröger Arthausfilm der nicht in die Gänge kommt. Ein Alptraum für Epileptiker, selten hat man solch hektische Schnitte, wuchtigen Sound und extreme Bildverfremdungen auf der Leinwand gesehen. Im Prinzip ist diese Technik sehr effektiv um den thematisch in die Handlung eingebundene Bildersturm zu visualisieren, aber es scheint als sei man meilenweit am Ziel vorbeigeschossen und alle Fäden aus der Hand verloren.

Weniger ist mehr!

Schon nach zwanzig Minuten hat man starke Probleme dem Treiben weiter folgen, denn man ist als Zuschauer einfach überfordert. Auch die übertrieben Charaktere [hauptsächlich die Darstellung der GAMER] wirkt zu überzogen um sich in Handlung einzufügen und eine Einheit zu bilden. So wirkt GAMER wie ein hektisch zusammengeschustertes Machwerk mit Ambitionen zu einem modernen RUNNING MAN, erfüllt diesen Anspruch nicht, da einfach alles viel zu überfrachtet, im Detail aber zu lieblos umgesetzt ist. GERALD BUTLER ist hoffnungslos unterfordert und man fragt sich was der einminütige Auftritt der großartigen Alison Lohmann [DRAG ME TO HELL] soll.
Unterm Strich ist GAMER eine Actiongranate, die leider auch das Publikum in Stücke reisst und selbiges beim Erscheinen der Abspanns aufatmen lässt.


3/10 epileptischen Anfällen
Eine Actiongranate, die an starken inszenatorischen Mängeln krankt

Review DER SOLIST


Regie: Joe Wright
Darsteller: Jamie Foxx, Robert Downey Jr, Catherine Keener
Buch: Susannah Grant nach dem Buch von Steve Lopez
Studio: Universal

Der Reporter Steve Lopez von der L.A. Times trifft nach einem Unfall auf den schizophrenen Musiker Anthony Ayers. Anthony lebt auf der Straße und zieht den Kolumnisten mit seinem Geigenspiel sofort in seinen Bann. Wissend etwas besonderes in ihm gefunden zu haben, stellt Steve Nachforschungen über Anthony an und findet heraus, dass es sich um ein ehemaliges Wunderkind handelt. Mit viel Geduld und Einfühlsamkeit versucht der Kolumnist den in sich gekehrten Musiker wieder die richtige Perspektive zu geben und findet dabei sogar zu sich selbst.

"Ich habe gerade etwas Pech". "Pech? Schau mich erstmal an!" [Zitat]


Joe Wright hat mit ATONEMENT vor zwei Jahren ein erzählerisches Glanzstück abgeliefert und sehr hohe Erwartungen auf seinen nächsten Film aufgebaut. Gleich vorweg: Diese erfüllt er mit DER SOLIST [→Trailer] voll und ganz. Die zwei Charaktere werden sehr gut eingeführt und der Zuschauer kann sich mit beiden sofort identifizerien: Der Reporter auf der Suche nach seiner Geschichte und der gebrochene Mann der ebenfalls auf der Suche nach etwas ist. Oft bricht der Regisseur die Kluft zwischen Bild und Ton und schafft es dem Zuschauer die audiovisuelle Wahrnehmung Anthonys zu vermitteln, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Die Kamera ist nebenbei bemerkt vorzüglich und kann durchaus mit dem ästhetischen Bilderbogen aus ATONEMENT konkurrieren. Zu den Schauspielern: Robert Downey Jr. [IRON MAN] vermittelt das perfekte Bild des unnachgiebigen Journalisten, während Jamie Foxx [RAY, COLLATERAL] als schizophrenes Genie zu überzeugen weiss. Das gekonnte Schauspiel der beiden Akteure würde reichen um den kompletten Film zu tragen, aber THE SOLOIST geht viel weiter, denn zahlreiche inszenatorische Finessen tragen zum Gelingen des Filmes bei. Während Anthony spielt, sehen wir atemberaubende Bilder der Stadt Los Angeles und erleben ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Musik und Bildern, ein Erlebnis, welches man auf der großen Leinwand nicht verpassen sollte.

Beethoven ist hier in der Wohnung [Zitat]


Die Welt ist voller unentdeckter Genies und gescheiterten Existenzen, THE SOLOIST erzählt von der wahren Geschichte des Kolumnisten Steve Lopez, der durch Anthony zu sich selbst gefunden hat. Das Ende des Filmes ist einerseits ernüchternd, aber im genauen Detail auch wieder positiv zu verstehen. Ob es eine Heilung gibt, kann niemand sagen, aber eine Freundschaft ist entstanden und das ist oft das wertvollste was einer verlorenen Seele passieren kann und nicht nur Anthony war zu Begin des Filmes verloren. Sehr stark gespielt, ergreifend inszeniert, aber dennoch ohne falsche Rührselikeiten ist DER SOLIST ein kleines Meisterwerk, das auf einer großen Leinwand erlebt werden sollte!


9/10 unentdeckten Genies
Nach KÖNIG DER FISCHER und RAIN MAN eine weiterere filmische Perle, die Einblick in die Seele eines hoffnungslosen aber zugleich genialen Verstandes gewährt.

BRITISH CINEMA COLLECTION


Am 21.1.2010 veröffentlich das Kinoweltlabel ARTHAUS eine Box unter dem Motto BRITISH CINEMA. Die schöne Box enstpricht dem Design der »Klassiker-«, »Literatur-«, »Asiatisches Kino-« und »Dokumentarfilm-« Box und beinhaltet zehn Film in einer schönen buchähnlichen Verpackung mit einem Artikel über den jeweilligen Film. Das Set enthält folgende Filme:

KLEINE MORDE UNTER FREUNDEN
LANG LEBE NED DIVINE
MEIN WUNDERBARER WASCHSALON
THE WAR ZONE
LADYBIRD, LADYBIRD
BRASSED OFF
VERSCHWÖRUNG DER FRAUEN
NACKT
DER GENERAL
DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL

Insbesondere der letzte Titel ist schon längst überfälltig. Nicolas Roegs Parabel mit David Bowies über die Welt und wie die Menschen damit umgehen, hat schon längt Kultstatus erreicht. Nun stellt sich die Frage, warum KINOWELT jetzt nur auf eine DVD-Box setzt und nicht endlich gezielter in den BluRay- Markt einsteigt. ARTHAUS hat sehr schöne Titel im Programm und erfreut den Käufer auch immer wieder mit tollen Digipacks [HOMO FABER, ROOM WITH A VIEW etc.], aber auch die Arthausfans wollen die schönen Klassiker endlich hochauflösend erleben. Preis der Box: 99€

Review THIRST


Regie: Park Chan-Wook
Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-bin
Buch: Park Chan-Wook
Studio: Focus Features

Der katholische Priester Sang-Hyun [Song Kang-ho aus THE HOST und THE GOOG THE BAD THE WEIRD] nimmt freiwillig an einem riskanten Experiment Teil um einen Impfstoff gegen eine tödliche Krankheit zu entwickeln. Bei einer Bluttransfusion erhält er Blut dessen Herkunft unbekannt ist. Diese rote Flüssigkeit ist jedoch nicht nur lebensspendend, sondern verwandelt ihn in einen Vampir. Als Untoter fühlt er sich plötzlich einsam und alleine, hat aber dennoch Skrupel, seine Geliebte [!] zur Blutsaugerin zu machen. Nun steht der rechtschaffende Priester vor einem moralischen Abgrund: Wie kann er überleben ohne einer einzigen Seele Schaden zuzufügen.

Siegt die Moral oder versinkt die Welt im Chaos?

Regisseur Park Chan-Wook [JOINT SECURITY AREA] hat mit seinem neuesten Film THIRST [→Trailer] dem Genre des Vampirfilms einige interessante Aspekte abgewonnen. Ein gläubiger Mensch wird mit der unmoralischen [Über-] Lebensweise eines Vampirs konfrontiert, findet dabei aber den Weg zwischen philosophischer Hinterfragung der Handlungsweise seiner Protagonisten und einem [genre-imanenten] gesunden Maß an krankem Nihilismus. Visuell überzeugt er dabei auf ganzer Linie und schafft eine sehr dichte Atmosphäre mit starken und symbolträchtigen Bildern. Für einen koreanischen Film enthält Park Chan-Wooks neuester Film äusserst viele Sex- und Nacktszenen, was in seinem Heimatland sicher mit einer großen Kontroverse aufgenommen wurde. Das Ende von BAKJIWI [Originaltitel] könnte vermutlich in die Filmgeschichte eingehen, denn der Film verabschiedet sich geradezu poetisch von seinen Figuren und lässt die Geschichte sehr nachdenklich ausklingen.

Ein Film auf dem große Erwartungen lasten!

Regisseur Park Chan-Wook schuf mit OLDBOY oder SYMPATHY FOR MR.VENGEANCE soganannte INSTANT CLASSICS [O-Ton der US-Presse], diesen Anspruch erfüllt er auch in seiner ersten US-Koreanischen Ko-Produktion und setzt sogar noch Einen drauf. Zwischen provokanten Seitenhieben auf die koreanische Gesellschaft und blankem Horror, schafft es THIRST sein Publikum von der ersten Sekunde an in den Bann zu ziehen. Auch auf der technischen Ebene ist Chan-Wooks Werk absolut brilliant, Bild und Ton werden durch den hervorragenden Schnitt zu einem einmaligen Kunstwerk verwoben und fusionieren zum Hochgenuss für alle Sinne.

Korea und Schweden übertrumpfen Hollywood!

THIRST wirkt wie der ernstzunehmende Vater der blassen und viel zu keuschen Vampirsoap TWILIGHT, wird aber dennoch nie dessen große Aufmerksamkeit erfahren können. Neben LET THE RIGHT ONE IN einer der besten Vampirfilme des modernen Kinos.


9/10 garstigen Blutsaugern am Fenster
Ein wunderschöner aber auch sehr kranker Albtraum, der seine Zuschauer nicht mehr los lässt.

Nachtrag [BD/DVD Erscheinung]
In Korea erscheint der Film im Januar auf einer leider nicht ländercodefreien Bluray. In den USA hat sich FOCUS FEATURES die Rechte an dem Film gesichert, wird ihn aber leider nur auf einer klassischen DVD herausbringen. So bleibt nur die Hoffnung, dass der Film über die UK auf BluRay zu beziehen ist oder sich ein deutscher Verleih erbarmt diesem großartigen Film durch die Abtastung auf ein hochauflösendendes Format zu huldigen.

Sonderausgabe: VIDEO NASTIES


Sie ist nahezu in Vergessenheit geraten: Die Ära der VIDEO NASTIES. Diese kleine Sonderausgabe beschäftigt sich mit dem Kuriosum der Zensur in Großbritannien um 1980 und reflektiert über den Zusammenhang mit den heutigen Umständen der [nicht vorhandenen?] Zensur. Hier gehts zum [→Artikel]
Viel Spass beim Lesen!

Trailer zu CLASH OF THE TITANS


Nun tauchte der erste Trailer zum Blockbuster-Epos CLASH OF THE TITANS in Netz auf. Es handelt sich um eine Remake des gleichnamigen Films von Ray Harryhausen. Sam Worthington [TERMINATOR 4] spielt den griechischen Helden Perseus und HULK Regisseur Louis Leterrier zeichnet sich für das Geschehen hinter der Kamera verantwortlich. Der Rest der Besetzung klingt ebenfalls recht vielversprechend, denn Liam Neeson und Ralph Fiennes schlagen sich auch noch durch den Krieg zwischen den Göttern und Titanen. Hier ein kleiner Eindruck aus dem kultigen Original:


Erste Prognose: Wenn 300 auf HERR DER RINGE trifft ist ein Effektgewitter vorprogrammiert! Sollte man sich nun auch noch im richtigen Maße auf den B-Charme des Originals zurückbesinnen, könnten uns zwei sehr unterhaltsame Stunden im Kino erwarten. Viel Spass bei dem opulenten [→Trailer] zu CLASH OF THE TITANS.

Kein Oldboy Remake!


Schon seit einiger Zeit kursieren die wildesten Gerüchte über die geplante Hollywood-Neuaflage des koreanischen Blockbusters OLDBOY. Als das ganze dann offiziell wurde hat sich Steven Spielberg als Regisseur und Will Smith als Hauptdarsteller gefunden. An sich nicht die schlechteste Kombination, aber mal ehrlich: Muss das wirklich sein? Heute wurde bekannt gegeben, dass sich das koreanische Studio Mandate und das US-Studio Dreamworks nach einem längeren Disput über die Rechte, nicht einig werden konnten und Dreamworks das Interesse an dem Projekt verloren hat.
Das ist ja nochmal gut gegangen! Hier der [→Trailer] zum vorzüglichen Original von Park Chan-Wook, der gerade mit THIRST ein weiteres Meisterwerk abgeliefert hat [Review folgt bald!].

Review PANDORUM


Regie: Christian Alvart
Darsteller: Dennis Quaid, Ben Foster
Buch: Christian Alvart und Paul Anderson
Produktion: Paul Anderson und Jeremy Bolt

Zwei Menschen erwachen völlig orientierungslos auf einem Raumschiff und suchen nach dem Grund ihres Aufenthaltes auf dem Schiff. Recht schnell wird klar, dass die Amnesie ihr kleinstes Problem darstellt, denn der Captain und sein Offizier sind nicht alleine auf dem Schiff.

Im Weltall hört dich niemand schreien

Die Spannungskurve von PANDORUM [→Trailer] hebt sich sehr schnell, ohne große Einführung wird der Zuschauer direkt ins Geschehen geschmissen und mit den düsteren Bildern des augenscheinlich verlassenen Schiffes "Elysium" konfrontiert. Die Sets wirken dem themenverwandten Film EVENT HORZION entliehen und auch die darin hausierenden Wesen scheinen eine Kreuzung aus den garstigen Höhlenbewohner aus THE DESCENT und den Kannibalen aus DOOMSDAY zu sein. Die Handlung wirkt wie ein Sampler, bestehend aus Elementen der klassischen und modernen Sci-Fi- Horror- Crossover der Filmgeschichte [ALIEN, EVENT HORIZON, und 2010 stellen nur die Auswahl einer großen Liste dar]. Interressant, dass sich ausgerechnet EVENT HORIZON Regisseur Paul Anderson für die Produktion von PANDORUM verantwortlich zeichnet. EVENT HORIZON war einst eine gelungene Zitatensammlung aus HELLRAISER und ALIEN, schaffte es aber dennoch etwas völlig eigenes zu schaffen. Dies gelingt dem deutschen Regisseur Christian Alvart leider nicht ganz. Die vielen Ideen sind etwas zu offensichtlich zusammengeklaut und auch das Setting ist eher uninspiriert, dafür aber sehr düster und opulent. Mit Dennis Quaid und Ben Foster ist PANDORUM gut besetzt und wird unter anderem auch von deren starken Schauspielleistung getragen. Lobend hervorheben muss auch man den Schlusstwist, damit hätte man wirklich nicht gerechnet.

Der Weltram, unendliche Weiten... oder auch nicht!

Bei all den Kritikpunkten bezüglich der mangelnden Kreativität gibt es aber auch einiges was den Film über den Durchschnitt heben kann. Die Atmosphäre ist wirklich sehr beklemmend und kann teilweise mit der unerträglich klautrophobischen Enge aus THE DESCENT mithalten. Fast ungewöhnlich ist der sparsame Einsatz von Computereffekten, was dem Film aber sehr viel Flair verleiht und eine sehr handgemachte Note schafft.
In der zweiten Hälfte scheint der Regisseur etwas die Fäden zu verlieren und stiftet mit den beiden parallel laufenden und leicht überfrachteten Handlungsträngen etwas Verwirrung [Captain in der Steuerzentrale, Offizier im Schiff]. Einige Schnitte wirken etwas konfus, als hätte man den Film nachträglich etwas gestrafft, wodurch sicher einige Logiklöcher zu erklären sind.

Trotz einiger Abstriche ein sehr unterhaltsamer Trip ins All


Insgesamt läst sich PANDORUM als überdurchschnittlichen Sci-Fi-Horror beurteilen. Sehr viel Atmosphäre, hervorragende Technik und eine gelungene Spannungkurve zeichnen diesen Genrefilm aus und machen ihn besonders auf der großen Leinwand sehenswert.


6/10 evakuierten Planeten
Kein Film für schwache Nerven!

Review: FLASH OF GENIUS


Regie: Marc Abraham
Darsteller: Greg Kinnear, Lauren Graham, Jake Abel
Drehbuch: Philip Railsback
Basierend auf einem Artikel von: John Seabrook

David gegen Goliath. Ein einzelner Mann kämpft gegen einen großen Konzern, eine Geschichte die auf einem realen Fall basiert - nicht ganz unähnlich zu Michael Manns INSIDER. Russell Crowe klagte gegen die Tabakindurstrie, hier ist es Greg Kinnear der gegen den großen Automobilhersteller FORD vorgeht. Ein Fall der auf dem Papier wirklich nicht so spannend klingt wie er in diesem Film umgesetzt wurde. Der Erfinder des "Wimpernschlag"- Scheibenwischers verklagt Ford auf Urherberechtsverletzung [bzw. Patentrechtsverletzung] und lässt sich dabei nicht unterkriegen.

Das Leben schreibt die besten Geschichten

Greg Kinnear ist spätestens seit Paul Schraders großartigen AUTOFOCUS bekannt für kleine Filme mit großer Liebe zur Qualität. So verhält es sich auch mit FLASH OF GENIUS [→Trailer]. Ein hervorragend gespielter und mit vielen schönen Details angereicherter Film der sein Publikum bewegt und das authentische Bild eines niemals aufgebenden Menschen vermittelt.


8/10 quietschenden Scheibenwischern
Großes Kino mit einem hervorragendem Hauptdarsteller.

Review ZOMBIELAND


Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Abigail Breslin
Studio: Sony Pictures

In einer nahen Zukunft haben die Untoten Besitz von unserem Planeten ergriffen und eine kleine Gruppe von Menschen kämpft sich ihren Weg durch das Chaos. So ist auch der zartbesaite Columbus [Jesse Eisenberg aus ADVENTURELAND] damit beschäftigt keinem Untoten zum Opfer zu fallen und sich mit dem knallharten Tallahassee [Woody Harrelson] zu arrangieren.

the first time I let a girl into my life and she tries to eat me [Zitat]

Als Zombiefilm wandelt ZOMBIELAND natürlich auf den heiligen Pfaden von Großmeister George A. Romero oder dem italienischen Kunst- Trashfilmer Lucio Fulci. Sicherlich ist von Anfang an klar, dass er es niemals mit seinen Vorbilder aufnehmen kann [bzw. will], aber spätestens seit dem gelungenen SHAUN OF THE DEAD wissen wir, dass man auch Horrfilme erfolgreich mit einer Komödie kreuzen kann und trotzdem Spannung erzeugen kann ohne dabei albern zu werden. ZOMBIELAND meistert diesen Anspruch leider nicht sonderlich erfolgreich und kleine gesellschaftskritische Anspielungen retten die Welt dann auch nicht mehr vor dem Untergang.

Eine Komödie mit Horrortouch

Man muss ZOMBIELAND einen gewissen Unterhaltungswert zugestehen, so überzeugt Woody Harrelson als tougher Cowboy der sich auf die Suche nach dem letzten Twinky der Welt begibt und auch die Darstellung eines Art "Survivalguides" in der post-apoklyptischen Welt weiss stellenweise zu gefallen, doch gerade als Horror-KOMÖDIE kann der Film nicht zu überzeugen. Man sieht dem Film zu sehr an, dass er auf Teufel komm raus witzig sein will [was ihm leider nicht gelingt]. Selbst der Cameoauftritt eines Komikers [genauer gesagt einer der besten [Comedy]-Schauspieler seiner Generation] vermag dem Film nicht zu helfen. Man fragt sich eher warum besagter Schauspieler [dessen Name absichtlich nicht genannt wird um das letzte Quentchen Überaschung zu bewahren] in solch einem Film tummelt - an Geld kann es ihm doch wahrlich nicht fehlen. So kann man sagen, dass ZOMBIELAND weder Fisch noch Fleisch ist. Als Horrorfilm ist er viel zu episodisch und mainstramlastig inszeniert und für eine Komödie fehlen im einfach die überzeugenden Gags.

Nicht alles was glänzt ist Gold

ZOMBIELAND war einer der teuersten Komödien [?] die je gedreht wurden, so wurden viele Szenen mit perfekten CGI-Effekten inszeniert und auch in den Settings steckt sichtlich viel Arbeit. Dem Intro kann man eine gewisse Originalität nicht Absprechen, schade für den Gestalter dieses Vorspanns - er hätte einen besseren Film verdient gehabt! Der Film war gleich nach seinem Start auf Platz 1 der US-Kinocharts und spielte seine Produktionskosten mehrfach wieder ein. Sehr ungerecht, wenn man bedenkt wie es anderen [wesentlich gelungeneren] Genrebeiträgen im großen Wettbewerb ergeht. Leider ist ZOMBIELAND nichts weiter als bemüht wirkende 0815-Hollywoodstandardkost, bei deren Verzehr es sich wie mit dem Genuss von Fast-Food verhält. Gesehen - Vergessen!


3 von 10 viel zu albernen Zombies

Review ANTICHRIST


Regie: Lars von Trier
Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Buch: Lars von Trier

Der Film beginnt in Schwarz-Weiss und in quälend-langsamer Slowmotion. Während ein Pärchen mit ihrem animalischen Geschlechtsakt beschäftigt ist, stürzt sich ihr kleiner Sohn aus dem Fenster und kommt dabei zu Tode. Die Frau erleidet eine schwere Depression und wird von ihrem Mann, einem Psychiater, in mehreren Stufen therapiert. Zur Intensivierung der Behandlug fahren die beiden in den Wald, ihren "Garten Eden", wo der grausame Verlauf der Geschichte ihren Lauf nimmt.

Der Weg durch den Nebel

Der Prolog von ANTICHRIST [→Trailer] eröffnet dem Zuschauer durch sein bewusst gebremstes Tempo die Auswegslosigkeit seiner Protagonisten und lässt den großen Abgrund erahnen auf den sie sich zubewegen. Lars von Triers Film ist ein pures Kammerspiel, welches auch im Theater funktionieren würde. Willam Dafoe und Charlotte Gainsbourg [großartig!] sind die einzigen beiden Protagonisten seiner Geschichte, was für eine unheimliche Intimität sorgt. Die Rollen sind klar verteilt: "Er" [Dafoe] steht für den anonymen Mann und "Sie" [Gainsbourg] verkörpert die Frau ohne Namen. ANTICHRIST versucht für sich die Frage zu beantwortet wo der Arsprung und das Zuhause des Bösen zu finden ist. Liegt es in der Natur des Menschen oder gar in der Natur selbst? Der Film ist in mehrere Akte mit klaren Bezeichnungen unterteilt, so wir der Zuschauer an der Hand genommen und durch den dichten Nebel Edens geführt ohne sich komplett zu verirren.

Eine alptraumhafte Parabel

ANTICHRIST strotz nur so vor symbolbehangenen Sequenzen, wie zum Beispiel eine Traumsequenz in welcher der Kindstot aufgegriffen und durch eine Metapher in der Tierwelt [bzw. der Natur] verarbeitet wird. Die dabei verwendeten Bilder sind von bestechender Schönheit, so wirkt "der Garten Eden" oft einem alptraumhaften Märchen entliehen.

Die Befreiung als Lösung

Im Letzten Drittel könnte man Lars von Trier zwar vorwerfen einige bewusst schockierende Ekel-Klischees in seine Handlung eingebaut zu haben, allerdings haben diese geschlechtsbetonten Szenen, genauer gesagt eine ganz bestimmte Szene, eine sehr wichtige Funktion: Es ist eine Art Befreiungsschlag, so ist "Sie" der Überzeugung, dass das "Böse" "Frau" ist und sie sich von ihrem "Bösen" befreien muss. Es scheint als ob der Film [der Regisseur] während dem Film selbst dem Prozess des Bösen erliegt und auf der Suche danach ist. Die daraus resultierende Ungewissheit spielt mit den Urängsten der Zuschauer, dem Unbekannten und Unerklärlichen. Eine wertvolle Tugend die im modernen Horrorkino schon oft verloren gegangen ist.

Vom Suchen und Finden des Bösen

Der Fuchs prophezeit: "Das Chaos regiert", Menschenteile ragen aus dem Dickicht, Kinderschreie erfüllen den Wald und keiner kann mehr Zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. ANTICHRIST ist gewissermaßen ein Endzeitfilm, er handelt vom Prozess der Verzweiflung, der Entdeckung des Bösen und mündet in einer Art Apokalypse. ANTICHRIST scheint wie die Fusion aus Ingmar Bergmanns SZENEN EINER EHE und Sam Raimis EVIL DEAD. Neben MARTYRS vielleicht der wichtigste [Horror?]film der letzten Jahre.


10/10 Ausflügen in die Hölle

Sowohl handwerklich als auch erzähltechnisch genialer Film der mit seiner Fragestellung tief in das Bewusstsein seiner Zuschauer eindringt.

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Review: MOON


Regie: Duncan Jones
Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey
Buch: Nathan Parker
Verleih: Koch Media

In einer sehr nahen Zukunft dient der Mond den Menschen als Energiespender. Sam Bell [Sam Rockwell] befindet sich nun schon seit zwei Jahren alleine auf dem Mond und überwacht die Energiestation zusammen mit seinem allwissenden und ihm zur Hand gehenden Computer Gerty [gesprochen von Kevin Spacey] Nun hat Sam nur noch zwei Wochen auf dem Mond zu verbringen, doch während er sich schon auf seine Abreise zu seiner Frau und seiner Tochter freut häufen sich einige sehr rätselhafte Ereignisse. Gerty verweigert ihm den Dienst, er bekommt mysteriöse Halluzinationen und es kommt immer mehr der Verdacht auf, dass Sam den wahren Grund für seinen Aufenthalt auf dem Mond nicht kennt...

Ein Mann und sein Computer

Gleich zu Beginn wird man vom gelungenen Setdesign und der suggestiven Kameraführung überzeugt. Der Vorspann gibt dem Zuschauer einen kleinen Einstieg in die Handlung und lässt den Film sofort mitten im Geschehen beginnen. Clint Mansells gelungener Soundtrack tut seinen Rest und schafft einie einzigartige Atmosphäre. Sam Rockwell legt eine wahre Meisterleisung bis zur Grenze des Method Actings hin. Im Prinzip trägt er den Film alleine, er öffnet dem Zuschauer durch sein sehr glaubwürdiges Spiel eine komplette Welt und lässt einem die Enge und gleichzeitige Hilflosigkeit in der Leere des Weltalls spüren.

Im Weltall hört dich Niemand Schreien [Zitat aus Alien]

In vielen Sequenzen lassen sich Anspielungen auf Kubricks 2001 finden, so lässt der Computer zum Beispiel nicht zu dass Sam Rockwell die Station zu einem bestimmten Zeitpunkt verlässt [was Erinnerungen an den störrischen HAL aufkommen lässt].
MOON [→Trailer] wurde von Duncan Jones inszeniert und stellt gleichzeitig das Regiedebüt vom Sohn der Poplegende David Bowie dar. Es handelt sich um ein sehr kraftvolles, innovatives Werk, welches den Eindruck erweckt, als sei er von einem sehr erfahrenen Regisseur gedreht worden. Sehr viele kleine Details bezüglich des Lebens in der zukunft, einige sehr gelungene Storyfinessen und viele große Momente die Rockwell mit seinem Können ausfüllen kann, fügen MOON zu einem kaleidoskopartigen, kleinen Meisterwerk zusammen. Das Tolle an dem Film ist, dass keine Aliens und abschweifende Fantasterein notwenig sind um pulsierende Spannung zu erzeugen, der Film fühlt sich an als könne er in 5 Jahren Realität werden, was ihn viel interessanter und authentischer macht als manch eine abstruse Effektogie wie sie zur Zeit sehr en vogue sind.
Kurzum: MOON ist ein hervorragender Science-Fictionfilm im Stile eines LAUTLOS IM WELTALL, SILENT RUNNING oder 2001 [bzw. 2010]


9/10 rauschhafte Trips zum Mond
David Bowie schrieb von Kubricks 2001 inspiriert seinen Hit "Space Oddity", seinem Sohn gab Kubrick scheinbar den Ansporn einen modernen Klassiker zu schaffen. Mission gelungen!

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Review: WÜSTENBLUME


Regie: Shery Horman
Darsteller: Liya Kebede, Sally Hawkins, Timothy Spall
Buch: Shery Horman nach Waris Dirie
Verleih: 20th Century Fox

Für Nomaden in Somalia ist es normal als dreijähriges Mädchen grausam beschnitten zu werden. So auch für die kleine Waris, sie lebt mit ihrer Familie in einem Zelt. Mit 13 Jahren flüchtet sie nach Mogadischu, um einer Zwangshochzeit zu entkommen. Später entkommt sie ihrem Dienstmädchen-Dasein in London und sie sucht Hilfe bei der etwas unkonventionellen Verkäuferin Marylin. Diese bietet der sympathischen, kaum englischsprechende jungen Frau Asyl. Durch einen Job im Fastfood-Restaurant wird Waris von Terry Donaldson einem der bekanntesten Modefotografen der Welt entdeckt und quasi über Nacht zum Superstar. Sie nutzt ihre Popularität und klärt 1997 die Öffentlichkeit zum ersten Mal über das Schicksal junger Frauen und den Folgen der grausamen Beschneidung in Somalia auf.

Ein grausames Ritual, das nichteinmal im Koran steht [Zitat]

WÜSTENBLUME [→Trailer] basiert auf dem autiobiografischen Roman von Waris Dirie und hält sich weitegehendst an den Verlauf des Buches. In fast beiläufiger Art und Weise verknüpft Regisseurin Sherry Hormann politische Ereignise mit dem teils berührenden, teils charmant-komischen Werdegang von Waris. Für die Geschichte wurden einige sehr schöne symbolträchtige und auch opulente Bilder gefunden aber auch der Soundtrack von Martin Todshwarow ist sehr emotionstreibend und fügt sich gut in den Film ein. Die Nebenrollen sind der wahre Glücksgriff dieses Filmes, so überzeugt zum Beispiel Berlinale-Preisträgerin Sally Hawkins [Happy-Go-Lucky] in ihrer Rolle als abgedrehtes Londoner Up-Towngirl oder Timothy Spall [Harry Potter] als Terry Donaldson [bekannter Modefotograf der unter anderenm Lady Di schon ablichten durfte].

Fragwürdige Umsetzung

Alles in Allem könnte man WÜSTENBLUME als gelungen bezeichnen, wenn da nicht einige kleine Anmerkungen zu machen wären. Der Roman wurde sehr massentauglich verfilmt, so vermisst man zum Beispiel jegliche kritische Darstellung des Modelbusiness, was im Buch durchaus vorhanden war. In Zeiten von populären Casting-Shows [GERMANYS NEXT TOPMODEL] erscheint es leider kalkulatorisch sehr geschickt einen Roman wie WÜSTENBLUME zu verfilmen und Waris Diries Werk quasi zum Zweck der Glorifizierung des Modelgeschäftes zu instrumentalisieren.
Trotzdem schafft der Film die schmale Gratwanderung zwischen Anspruch und Unterhaltung. Immerhin hat das Werk einen sehr wichtigen aufklärerischen Charakter - nur eben nicht bezüglich des Modeldaseins, viel eher was das Schicksal in Somalia angeht und das ist ohnehin von mehr Belang.

Schicksalshafter Aufstieg

Die Geschichte von Waris ist sehr interessant und stimmt einem nachdenklich: eine Frau die aus einer Kultur stammt in der Frauen verstümmelt und dem Mann untergeordnet werden, kommt in die erste Welt und erlangt ausgerechnet in dem Beruf Aufmerksamkeit, in dem es nur um Oberflächlichkeiten geht und niemand hinter die Fassaden blickt. Umso bemerkenswerter dass diese Frau 1997 von Kofi Annan zur Uno-Botschaflterin ernannt wurde und die Öffentlichkeit auf viele Misstände aufmerksam machen konnte.


6/10 Punkte
Bewegender aber auch sehr charmanter Film der leider etwas zu massentauglich in Szene gesetzt wurde.

Review: SURROGATES

Regie: Jonathan Mostow
Darsteller: Bruce Willis, Rhada Mitchell, James Cromwell
Verleih: Touchstone

Wir schreiben das Jahr 2054. Jeder Mensch lebt ganz für sich alleine, niemand verlässt sein Haus, Beziehungen zu anderen Menschen gibt es nicht mehr. Menschliche Kommunikation wird nur noch über sogenannte Surrogates geführt, ferngesteuerte Roboter, die das Leben der realen Menschen vereinfachen und absichern sollen. Bruce Willis alias Agent Greer kommt zufällig einer geheimnisvollen Verschwörung auf die Spur welche das Leben der Menschen mit den Surrogates für immer verändern wird.

Volle Straßen und dennoch keine Menschenseele...

Regisseur Jonathan Mostow [Breakdown, Terminator 3] behandelt in seinem Actionblockbuster SURROGATES [→Trailer] einige interessante Aspekte zum Thema "digitale Identität" und "Avatare". Es finden sich einige Parallelen zu aktuellen Diskussionen über "Social Networking" wie in "Facebook" oder "Flucht in Virtuelle Welten" [Second Life, World of Warcraft] in der Welt der Surrogates. Einige Einfälle sind wirklich großartig und auch die verwendete Technik fühlt sich trotz Computereinsatz erfrischend "handgemacht" an. Dennoch springt der Funke nicht ganz über, die kreierte Welt ist zwar in Ansätzen gelungen konstruiert, allerdings ist die Story drumherum sehr platt und bar jeder Kreativität. Sicherlich entstammt diese der Vorlage [Graphic Novel], was aber keine Entschuldigung dafür sein sollte, dass der Film schon nach schlappen 80 Minuten völlig gehetzt endet und alle guten Ideen wie eine Seifenblase zerplatzen.

Solide Actionkost - schnell konsumiert, ebenso schnell wieder vergessen.

SURROGATES ist kein wirklich schlechter Film, nein - der Kontrast zwischen den künstlich scheinenden Doppelgängern und den "abgenutzen" realen Pendants lassen viele Verflechtungen mit aktuellen Themen zu, fanden aber leider nicht den Weg ins Drehbuch. Kurzum: Surrogates ist soldie Sci-Fi-Unterhaltung, hätte es mit etwas mehr Motivation des Drehbuchautors durchaus mit I ROBOT aufnehmen können, scheitert aber an seiner viel zu platt umgesetzten Story.


5/10 veralteten Haushaltsrobotern

Mit diesem Thema hat sich Woody Allen schon in SLEEPER auseinandergesetzt und mit wesentlich mehr Biss [Allerdings aber auch Klamauk] gesellschaftskritischen Spott verbreitet und gegen die Upper-Class gehetzt.

Persönliche Anmerkung:
Als vor ca. 4 Jahren James Camerons AVATAR angekündigt wurde habe ich ehrlich gesagt einen Film dieser Art erwartet...

Review: VINYAN


Regie: Fabrice Du Welz
Darsteller: Emmanuelle Béart, Rufus Sewell
Buch: Fabrice Du Welz und David Greig

Ein englisches Paar verliert ihr Kind in der Flutkatastrophe in Thailand, die genaueren Umstände sind unbekannt. Als der Sohn aber eines Tages in einem Video auftaucht, machen sich die beiden Eltern auf die Suche nach ihrem Kind. Eine Reise in eine mysteriöse wie auch geisterhafte Welt beginnt und bald stößt ihr menschlicher Verstand an seine Grenzen und die Ereignisse werden immer unbegreiflicher. Fabrice Du Weltz Debüt CALVAIRE war ein meisterhafter, vor Spannung berstender Backwoods-Horrorfilm - eine Art Hommage an DELIVERANCE, STRAW DOGS und TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Sein neuesters Werk VINYAN [→Trailer] ist ein komplexer und zermürbender Trip mit sehr vielen Parallelen zu APOCALYPSE NOW - nein besser - Joseph Conrad's HEART OF DARKNESS. Geschickt verknüpft er den seelischen Gemütszustand seiner Protagonisten mit düsteren, bedrolichen und kaum auszuhaltenden Bildern und Soundkollagen.

When someone dies a bad death, their spirit becomes confused and angry. They become Vinyan [Zitat]

Im Laufe des Filmes nimmt die Erzählweise immer abstraktere Formen an und man bekommt das Gefühl eine Art Damoklesschwert schwebe über dem Haupt der beiden Suchenden. Selten hat es ein Horrorfilm geschafft eine solche bedrohliche und unbequeme Atmosphäre zu schaffen. Man ist versucht sich oft Augen und Ohren zuzuhalten um eine Distanz zum Gesehenen zu bekommen, denn Fabrice Du Weltz' Trip in die Psyche wirkt sehr direkt und unmittelbar auf den Zuschauer. Wo "gewöhnliche" Filme auf Schockeffekte setzen, baut VINYAN seine diabolische Stimmung durch düstere Settings und Figuren auf.

no one will ever know whether children are monsters or monster are children [Zitat Henry James]

Das Ende des Filme fühlt sich an wie die brenneden Apokalypse die sich auf einer Leinwand entflammt, selten hat ein Film seine Zuschauer in einen derartig intersiven Zustand der Trance versetzt [dramaturgische Mitte des Filmes] und anschliessend auf solch eine hilflose Art verstört [Finale].
Inhaltlich ist Du Weltzs Film mit Nicolas Roegs WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN vergleichbar, allerdings verwendet er eine gänzlich andere Symbolik. VINYAN ist wahrlich kein Film für die breite Masse, die Spannung kommt sehr subtil daher und die vielen Stimmungsbilder verlangen vom Zuschauer oft viel Geduld ab. Die Besetzungsliste liest sich sehr international: Rufus Sewell [DARK CITY] Emmanuelle Béart [Mission Impossible] und Julie Dreyfus [Kill Bill]. Für das genial-intuitive Kameraspiel zeichnet sich IRREVERSIBLE-Cinematograf Benoît Debie verantwortlich und auch der Soundtrack stammt aus der Feder von einem bekannten französischen Horror-Veteranen, nämlich von François Eudes [High Tension, Inside]. Fabrice Du Weltz dreht derzeit sein Hollywood-Debüt [Arbeitstitel: MORE], man darf gespannt sein wie sehr sich die amerikanischen Einflüsse bemerkbar machen [bzw. wie sehr sich das Talent den üblichen massentauglichen Kompromissen geschlagen geben muss]


8/10 fauchenden Vinyans

Wenn man sich auf den Trip einlässt, dann servieren einem die VINYAN ein ähnlich zermürbendes Gefühl in der Bauchhöle wie MARTYRS.

Review: OUTLANDER


Regie: Howard McCain
Darsteller: Jim Caviezel, Sophia Myles, John Hurt
Buch: Dirk Blaman mit Howard McCain
Verleih: Wild Bunch

Wir schreiben das Jahr 709 nach Christus. Raumfahrer Kainan [James Caviezel] vollbringt mit seinem Raumschiff eine Notlandung direkt im Revier eines Wikingerclans. Die gesamte Raumschiffbesatzung stirbt beim Absturz, er ist jedoch nicht der einzig Überlebende dieses Unfalls: Moorwen, eine gigantische ausserirdische Bestie wurde durch das Unglück auf den Wikingerstamm losgelassen. Nun beginnt eine gnadenlose Jagd, bei der sich Kainan zunächst vor den Wikingern für seine Taten verantworten muss, bevor Diese gemeinsam in die Schlacht gegen die übermächtige Bestie treten können.

we killed them all to rule their planet, except one of them [Zitat]

OUTLANDER [→Trailer] ist ein Crossover aus Sci-Fi-, Action-, Horror-, Monster- und Wikingerfilm. Klingt zunächst sehr trashig, ist aber in der Ausführung nahezu perfekt gelungen. Die Jagd nach Moorwen ist wirklich sehr spannend und wurde von Regisseur Howard McCain sehr unterhaltsam inszeniert. Die zahlreichen Locationwechsel sorgen für sehr viel Abwechslung und die mehr als gelungenen Specialeffects [Weta] lassen einem für einen Film dieser Sorte wirklich mehr als einmal staunenend zurück. OUTLANDER ist zu keinem Zeitpunkt als B-Film zu verstehen, dafür ist er viel zu gut durchdacht [grandiose Rückblicke erklären die Vorgeschichte] und auch konsequent zu Ende gedacht [vorhersehbar, aber gelungen].
Das Gelingen des Filmes verdankt er auch der Tatsache, dass es sich nicht um einen reinen Männerfilm handelt, sondern mit Sophia Myles als Wikingeramazone, hat der Film auch eine sehr starke weibliche Identifikationsfigur, die weit mehr ist als eine bloße Stichwortgeberin, wie sonst so üblich im Genre. Desweiteren überzeugt der Film durch eine sehr gute Besetzugsliste: So sehen wir Ron Pearlman [HELLBOY] als Clanchef und John Hurt [1984] als erhabenen König. Ein Fest!


7 von 10 betrunkenen grölenden Wikingerbarden
Kurzum ein Film der großartig unterhält und einfach Spass macht! In Deutschland ab Mitte November zu bestaunen!

Review: G.I. JOE


Regie: Stephen Sommers
Darsteller: Dennis Quaid, Sienna Miller, Joseph Gorden Levitt, Lee Byeong-heon
Buch: Stephen Sommers
Verleih: Paramount

G.I. Joe [→Trailer] ist eine der besten und geheimsten Spezialeinheiten des US-Militärs. Im Kampf gegen die Terrororganisation "Cobra" scheppert ordentlich die Bude und irgendwelche Dinge explodieren Ständig bis die Bösen schlussendlich wieder im Gefängnis hocken und grimmig gucken dürfen. Lediglich eine lieblos dahingeklatsche Schlusswendung reißt den Zuschauer aus seinem unruhigen Schlaf und erfüllt das Herz des Betrachters mit Glücksgefühlen, den Kinosaal endlich verlassen zu dürfen.
Ein globaler Witz, was Stephen Sommers [Van Helsing, Mumie] hier auf die Leinwand zwingt. Er unterbietet sogar seinen größten Misserfolg: Van Helsing. Es tut wirklich weh, wie sich Lee Byeong-heon [Einer der größten Koreanischen Schauspielern, u.a. aus THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD] oder Dennis Quaid [THE BIG EASY] über die Leinwand quälen. Der Film vermittelt tatsächlich den Eindruck als sein er dem Kopf eines 5 jähhrigen entsprungen, der gerade mit seinen G.I.Joe Soldaten gegen HE-Man Spielfiguten kämpft. Kurz zusammengefasst: Motivationsloses, konfuses und stinklangweilliges Skript, Schauspieler die sich jetzt schon für den Film schämen werden aber teilweise wirklich gelungene Spezialeffekte. Mehr gibts zu dieser Zeitverschwendung nicht zu sagen.


1/10 mal in den Kampfanzug gestrullert
Erreicht ungefähr ungefähr das bodenlose das Niveau von TRANSFORMERS 2