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Review: VINYAN


Regie: Fabrice Du Welz
Darsteller: Emmanuelle Béart, Rufus Sewell
Buch: Fabrice Du Welz und David Greig

Ein englisches Paar verliert ihr Kind in der Flutkatastrophe in Thailand, die genaueren Umstände sind unbekannt. Als der Sohn aber eines Tages in einem Video auftaucht, machen sich die beiden Eltern auf die Suche nach ihrem Kind. Eine Reise in eine mysteriöse wie auch geisterhafte Welt beginnt und bald stößt ihr menschlicher Verstand an seine Grenzen und die Ereignisse werden immer unbegreiflicher. Fabrice Du Weltz Debüt CALVAIRE war ein meisterhafter, vor Spannung berstender Backwoods-Horrorfilm - eine Art Hommage an DELIVERANCE, STRAW DOGS und TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Sein neuesters Werk VINYAN [→Trailer] ist ein komplexer und zermürbender Trip mit sehr vielen Parallelen zu APOCALYPSE NOW - nein besser - Joseph Conrad's HEART OF DARKNESS. Geschickt verknüpft er den seelischen Gemütszustand seiner Protagonisten mit düsteren, bedrolichen und kaum auszuhaltenden Bildern und Soundkollagen.

When someone dies a bad death, their spirit becomes confused and angry. They become Vinyan [Zitat]

Im Laufe des Filmes nimmt die Erzählweise immer abstraktere Formen an und man bekommt das Gefühl eine Art Damoklesschwert schwebe über dem Haupt der beiden Suchenden. Selten hat es ein Horrorfilm geschafft eine solche bedrohliche und unbequeme Atmosphäre zu schaffen. Man ist versucht sich oft Augen und Ohren zuzuhalten um eine Distanz zum Gesehenen zu bekommen, denn Fabrice Du Weltz' Trip in die Psyche wirkt sehr direkt und unmittelbar auf den Zuschauer. Wo "gewöhnliche" Filme auf Schockeffekte setzen, baut VINYAN seine diabolische Stimmung durch düstere Settings und Figuren auf.

no one will ever know whether children are monsters or monster are children [Zitat Henry James]

Das Ende des Filme fühlt sich an wie die brenneden Apokalypse die sich auf einer Leinwand entflammt, selten hat ein Film seine Zuschauer in einen derartig intersiven Zustand der Trance versetzt [dramaturgische Mitte des Filmes] und anschliessend auf solch eine hilflose Art verstört [Finale].
Inhaltlich ist Du Weltzs Film mit Nicolas Roegs WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN vergleichbar, allerdings verwendet er eine gänzlich andere Symbolik. VINYAN ist wahrlich kein Film für die breite Masse, die Spannung kommt sehr subtil daher und die vielen Stimmungsbilder verlangen vom Zuschauer oft viel Geduld ab. Die Besetzungsliste liest sich sehr international: Rufus Sewell [DARK CITY] Emmanuelle Béart [Mission Impossible] und Julie Dreyfus [Kill Bill]. Für das genial-intuitive Kameraspiel zeichnet sich IRREVERSIBLE-Cinematograf Benoît Debie verantwortlich und auch der Soundtrack stammt aus der Feder von einem bekannten französischen Horror-Veteranen, nämlich von François Eudes [High Tension, Inside]. Fabrice Du Weltz dreht derzeit sein Hollywood-Debüt [Arbeitstitel: MORE], man darf gespannt sein wie sehr sich die amerikanischen Einflüsse bemerkbar machen [bzw. wie sehr sich das Talent den üblichen massentauglichen Kompromissen geschlagen geben muss]


8/10 fauchenden Vinyans

Wenn man sich auf den Trip einlässt, dann servieren einem die VINYAN ein ähnlich zermürbendes Gefühl in der Bauchhöle wie MARTYRS.

1 Kommentar:

  1. interessant! ich konnte dem film rein gar nichts abgewinnen, aber die punkte in der bewertung stimmen im prinzip schon. vielleicht schaue ich ihn mir aufgrund dieses artikels nochmal an.

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