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Review ANTICHRIST


Regie: Lars von Trier
Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Buch: Lars von Trier

Der Film beginnt in Schwarz-Weiss und in quälend-langsamer Slowmotion. Während ein Pärchen mit ihrem animalischen Geschlechtsakt beschäftigt ist, stürzt sich ihr kleiner Sohn aus dem Fenster und kommt dabei zu Tode. Die Frau erleidet eine schwere Depression und wird von ihrem Mann, einem Psychiater, in mehreren Stufen therapiert. Zur Intensivierung der Behandlug fahren die beiden in den Wald, ihren "Garten Eden", wo der grausame Verlauf der Geschichte ihren Lauf nimmt.

Der Weg durch den Nebel

Der Prolog von ANTICHRIST [→Trailer] eröffnet dem Zuschauer durch sein bewusst gebremstes Tempo die Auswegslosigkeit seiner Protagonisten und lässt den großen Abgrund erahnen auf den sie sich zubewegen. Lars von Triers Film ist ein pures Kammerspiel, welches auch im Theater funktionieren würde. Willam Dafoe und Charlotte Gainsbourg [großartig!] sind die einzigen beiden Protagonisten seiner Geschichte, was für eine unheimliche Intimität sorgt. Die Rollen sind klar verteilt: "Er" [Dafoe] steht für den anonymen Mann und "Sie" [Gainsbourg] verkörpert die Frau ohne Namen. ANTICHRIST versucht für sich die Frage zu beantwortet wo der Arsprung und das Zuhause des Bösen zu finden ist. Liegt es in der Natur des Menschen oder gar in der Natur selbst? Der Film ist in mehrere Akte mit klaren Bezeichnungen unterteilt, so wir der Zuschauer an der Hand genommen und durch den dichten Nebel Edens geführt ohne sich komplett zu verirren.

Eine alptraumhafte Parabel

ANTICHRIST strotz nur so vor symbolbehangenen Sequenzen, wie zum Beispiel eine Traumsequenz in welcher der Kindstot aufgegriffen und durch eine Metapher in der Tierwelt [bzw. der Natur] verarbeitet wird. Die dabei verwendeten Bilder sind von bestechender Schönheit, so wirkt "der Garten Eden" oft einem alptraumhaften Märchen entliehen.

Die Befreiung als Lösung

Im Letzten Drittel könnte man Lars von Trier zwar vorwerfen einige bewusst schockierende Ekel-Klischees in seine Handlung eingebaut zu haben, allerdings haben diese geschlechtsbetonten Szenen, genauer gesagt eine ganz bestimmte Szene, eine sehr wichtige Funktion: Es ist eine Art Befreiungsschlag, so ist "Sie" der Überzeugung, dass das "Böse" "Frau" ist und sie sich von ihrem "Bösen" befreien muss. Es scheint als ob der Film [der Regisseur] während dem Film selbst dem Prozess des Bösen erliegt und auf der Suche danach ist. Die daraus resultierende Ungewissheit spielt mit den Urängsten der Zuschauer, dem Unbekannten und Unerklärlichen. Eine wertvolle Tugend die im modernen Horrorkino schon oft verloren gegangen ist.

Vom Suchen und Finden des Bösen

Der Fuchs prophezeit: "Das Chaos regiert", Menschenteile ragen aus dem Dickicht, Kinderschreie erfüllen den Wald und keiner kann mehr Zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. ANTICHRIST ist gewissermaßen ein Endzeitfilm, er handelt vom Prozess der Verzweiflung, der Entdeckung des Bösen und mündet in einer Art Apokalypse. ANTICHRIST scheint wie die Fusion aus Ingmar Bergmanns SZENEN EINER EHE und Sam Raimis EVIL DEAD. Neben MARTYRS vielleicht der wichtigste [Horror?]film der letzten Jahre.


10/10 Ausflügen in die Hölle

Sowohl handwerklich als auch erzähltechnisch genialer Film der mit seiner Fragestellung tief in das Bewusstsein seiner Zuschauer eindringt.

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Kommentare:

  1. habe den film schon zwei mal gesehen, obwohl ich nach dem ersten mal total fertig war. antichrist hat auf mich eine fast hypnotisierende wirkung gehabt. abschreckend und faszinierend zu gleich.
    gelungene review!!!

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  2. dieser film ist eine bestie!

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  3. ein film der irgendwoe zwischen schon totalem schock und erhabender schönheit steht. ich weiss immer noch nicht ob ich ihn gut finde oder nicht, aber er beschäftigt mich auch eine woche nach sichtung immer noch und dass macht einen guten film eigentlich aus: er bleibt im kopf!

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