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Review: MOON


Regie: Duncan Jones
Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey
Buch: Nathan Parker
Verleih: Koch Media

In einer sehr nahen Zukunft dient der Mond den Menschen als Energiespender. Sam Bell [Sam Rockwell] befindet sich nun schon seit zwei Jahren alleine auf dem Mond und überwacht die Energiestation zusammen mit seinem allwissenden und ihm zur Hand gehenden Computer Gerty [gesprochen von Kevin Spacey] Nun hat Sam nur noch zwei Wochen auf dem Mond zu verbringen, doch während er sich schon auf seine Abreise zu seiner Frau und seiner Tochter freut häufen sich einige sehr rätselhafte Ereignisse. Gerty verweigert ihm den Dienst, er bekommt mysteriöse Halluzinationen und es kommt immer mehr der Verdacht auf, dass Sam den wahren Grund für seinen Aufenthalt auf dem Mond nicht kennt...

Ein Mann und sein Computer

Gleich zu Beginn wird man vom gelungenen Setdesign und der suggestiven Kameraführung überzeugt. Der Vorspann gibt dem Zuschauer einen kleinen Einstieg in die Handlung und lässt den Film sofort mitten im Geschehen beginnen. Clint Mansells gelungener Soundtrack tut seinen Rest und schafft einie einzigartige Atmosphäre. Sam Rockwell legt eine wahre Meisterleisung bis zur Grenze des Method Actings hin. Im Prinzip trägt er den Film alleine, er öffnet dem Zuschauer durch sein sehr glaubwürdiges Spiel eine komplette Welt und lässt einem die Enge und gleichzeitige Hilflosigkeit in der Leere des Weltalls spüren.

Im Weltall hört dich Niemand Schreien [Zitat aus Alien]

In vielen Sequenzen lassen sich Anspielungen auf Kubricks 2001 finden, so lässt der Computer zum Beispiel nicht zu dass Sam Rockwell die Station zu einem bestimmten Zeitpunkt verlässt [was Erinnerungen an den störrischen HAL aufkommen lässt].
MOON [→Trailer] wurde von Duncan Jones inszeniert und stellt gleichzeitig das Regiedebüt vom Sohn der Poplegende David Bowie dar. Es handelt sich um ein sehr kraftvolles, innovatives Werk, welches den Eindruck erweckt, als sei er von einem sehr erfahrenen Regisseur gedreht worden. Sehr viele kleine Details bezüglich des Lebens in der zukunft, einige sehr gelungene Storyfinessen und viele große Momente die Rockwell mit seinem Können ausfüllen kann, fügen MOON zu einem kaleidoskopartigen, kleinen Meisterwerk zusammen. Das Tolle an dem Film ist, dass keine Aliens und abschweifende Fantasterein notwenig sind um pulsierende Spannung zu erzeugen, der Film fühlt sich an als könne er in 5 Jahren Realität werden, was ihn viel interessanter und authentischer macht als manch eine abstruse Effektogie wie sie zur Zeit sehr en vogue sind.
Kurzum: MOON ist ein hervorragender Science-Fictionfilm im Stile eines LAUTLOS IM WELTALL, SILENT RUNNING oder 2001 [bzw. 2010]


9/10 rauschhafte Trips zum Mond
David Bowie schrieb von Kubricks 2001 inspiriert seinen Hit "Space Oddity", seinem Sohn gab Kubrick scheinbar den Ansporn einen modernen Klassiker zu schaffen. Mission gelungen!

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Review: WÜSTENBLUME


Regie: Shery Horman
Darsteller: Liya Kebede, Sally Hawkins, Timothy Spall
Buch: Shery Horman nach Waris Dirie
Verleih: 20th Century Fox

Für Nomaden in Somalia ist es normal als dreijähriges Mädchen grausam beschnitten zu werden. So auch für die kleine Waris, sie lebt mit ihrer Familie in einem Zelt. Mit 13 Jahren flüchtet sie nach Mogadischu, um einer Zwangshochzeit zu entkommen. Später entkommt sie ihrem Dienstmädchen-Dasein in London und sie sucht Hilfe bei der etwas unkonventionellen Verkäuferin Marylin. Diese bietet der sympathischen, kaum englischsprechende jungen Frau Asyl. Durch einen Job im Fastfood-Restaurant wird Waris von Terry Donaldson einem der bekanntesten Modefotografen der Welt entdeckt und quasi über Nacht zum Superstar. Sie nutzt ihre Popularität und klärt 1997 die Öffentlichkeit zum ersten Mal über das Schicksal junger Frauen und den Folgen der grausamen Beschneidung in Somalia auf.

Ein grausames Ritual, das nichteinmal im Koran steht [Zitat]

WÜSTENBLUME [→Trailer] basiert auf dem autiobiografischen Roman von Waris Dirie und hält sich weitegehendst an den Verlauf des Buches. In fast beiläufiger Art und Weise verknüpft Regisseurin Sherry Hormann politische Ereignise mit dem teils berührenden, teils charmant-komischen Werdegang von Waris. Für die Geschichte wurden einige sehr schöne symbolträchtige und auch opulente Bilder gefunden aber auch der Soundtrack von Martin Todshwarow ist sehr emotionstreibend und fügt sich gut in den Film ein. Die Nebenrollen sind der wahre Glücksgriff dieses Filmes, so überzeugt zum Beispiel Berlinale-Preisträgerin Sally Hawkins [Happy-Go-Lucky] in ihrer Rolle als abgedrehtes Londoner Up-Towngirl oder Timothy Spall [Harry Potter] als Terry Donaldson [bekannter Modefotograf der unter anderenm Lady Di schon ablichten durfte].

Fragwürdige Umsetzung

Alles in Allem könnte man WÜSTENBLUME als gelungen bezeichnen, wenn da nicht einige kleine Anmerkungen zu machen wären. Der Roman wurde sehr massentauglich verfilmt, so vermisst man zum Beispiel jegliche kritische Darstellung des Modelbusiness, was im Buch durchaus vorhanden war. In Zeiten von populären Casting-Shows [GERMANYS NEXT TOPMODEL] erscheint es leider kalkulatorisch sehr geschickt einen Roman wie WÜSTENBLUME zu verfilmen und Waris Diries Werk quasi zum Zweck der Glorifizierung des Modelgeschäftes zu instrumentalisieren.
Trotzdem schafft der Film die schmale Gratwanderung zwischen Anspruch und Unterhaltung. Immerhin hat das Werk einen sehr wichtigen aufklärerischen Charakter - nur eben nicht bezüglich des Modeldaseins, viel eher was das Schicksal in Somalia angeht und das ist ohnehin von mehr Belang.

Schicksalshafter Aufstieg

Die Geschichte von Waris ist sehr interessant und stimmt einem nachdenklich: eine Frau die aus einer Kultur stammt in der Frauen verstümmelt und dem Mann untergeordnet werden, kommt in die erste Welt und erlangt ausgerechnet in dem Beruf Aufmerksamkeit, in dem es nur um Oberflächlichkeiten geht und niemand hinter die Fassaden blickt. Umso bemerkenswerter dass diese Frau 1997 von Kofi Annan zur Uno-Botschaflterin ernannt wurde und die Öffentlichkeit auf viele Misstände aufmerksam machen konnte.


6/10 Punkte
Bewegender aber auch sehr charmanter Film der leider etwas zu massentauglich in Szene gesetzt wurde.