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Review ZOMBIELAND


Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Abigail Breslin
Studio: Sony Pictures

In einer nahen Zukunft haben die Untoten Besitz von unserem Planeten ergriffen und eine kleine Gruppe von Menschen kämpft sich ihren Weg durch das Chaos. So ist auch der zartbesaite Columbus [Jesse Eisenberg aus ADVENTURELAND] damit beschäftigt keinem Untoten zum Opfer zu fallen und sich mit dem knallharten Tallahassee [Woody Harrelson] zu arrangieren.

the first time I let a girl into my life and she tries to eat me [Zitat]

Als Zombiefilm wandelt ZOMBIELAND natürlich auf den heiligen Pfaden von Großmeister George A. Romero oder dem italienischen Kunst- Trashfilmer Lucio Fulci. Sicherlich ist von Anfang an klar, dass er es niemals mit seinen Vorbilder aufnehmen kann [bzw. will], aber spätestens seit dem gelungenen SHAUN OF THE DEAD wissen wir, dass man auch Horrfilme erfolgreich mit einer Komödie kreuzen kann und trotzdem Spannung erzeugen kann ohne dabei albern zu werden. ZOMBIELAND meistert diesen Anspruch leider nicht sonderlich erfolgreich und kleine gesellschaftskritische Anspielungen retten die Welt dann auch nicht mehr vor dem Untergang.

Eine Komödie mit Horrortouch

Man muss ZOMBIELAND einen gewissen Unterhaltungswert zugestehen, so überzeugt Woody Harrelson als tougher Cowboy der sich auf die Suche nach dem letzten Twinky der Welt begibt und auch die Darstellung eines Art "Survivalguides" in der post-apoklyptischen Welt weiss stellenweise zu gefallen, doch gerade als Horror-KOMÖDIE kann der Film nicht zu überzeugen. Man sieht dem Film zu sehr an, dass er auf Teufel komm raus witzig sein will [was ihm leider nicht gelingt]. Selbst der Cameoauftritt eines Komikers [genauer gesagt einer der besten [Comedy]-Schauspieler seiner Generation] vermag dem Film nicht zu helfen. Man fragt sich eher warum besagter Schauspieler [dessen Name absichtlich nicht genannt wird um das letzte Quentchen Überaschung zu bewahren] in solch einem Film tummelt - an Geld kann es ihm doch wahrlich nicht fehlen. So kann man sagen, dass ZOMBIELAND weder Fisch noch Fleisch ist. Als Horrorfilm ist er viel zu episodisch und mainstramlastig inszeniert und für eine Komödie fehlen im einfach die überzeugenden Gags.

Nicht alles was glänzt ist Gold

ZOMBIELAND war einer der teuersten Komödien [?] die je gedreht wurden, so wurden viele Szenen mit perfekten CGI-Effekten inszeniert und auch in den Settings steckt sichtlich viel Arbeit. Dem Intro kann man eine gewisse Originalität nicht Absprechen, schade für den Gestalter dieses Vorspanns - er hätte einen besseren Film verdient gehabt! Der Film war gleich nach seinem Start auf Platz 1 der US-Kinocharts und spielte seine Produktionskosten mehrfach wieder ein. Sehr ungerecht, wenn man bedenkt wie es anderen [wesentlich gelungeneren] Genrebeiträgen im großen Wettbewerb ergeht. Leider ist ZOMBIELAND nichts weiter als bemüht wirkende 0815-Hollywoodstandardkost, bei deren Verzehr es sich wie mit dem Genuss von Fast-Food verhält. Gesehen - Vergessen!


3 von 10 viel zu albernen Zombies

Review ANTICHRIST


Regie: Lars von Trier
Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Buch: Lars von Trier

Der Film beginnt in Schwarz-Weiss und in quälend-langsamer Slowmotion. Während ein Pärchen mit ihrem animalischen Geschlechtsakt beschäftigt ist, stürzt sich ihr kleiner Sohn aus dem Fenster und kommt dabei zu Tode. Die Frau erleidet eine schwere Depression und wird von ihrem Mann, einem Psychiater, in mehreren Stufen therapiert. Zur Intensivierung der Behandlug fahren die beiden in den Wald, ihren "Garten Eden", wo der grausame Verlauf der Geschichte ihren Lauf nimmt.

Der Weg durch den Nebel

Der Prolog von ANTICHRIST [→Trailer] eröffnet dem Zuschauer durch sein bewusst gebremstes Tempo die Auswegslosigkeit seiner Protagonisten und lässt den großen Abgrund erahnen auf den sie sich zubewegen. Lars von Triers Film ist ein pures Kammerspiel, welches auch im Theater funktionieren würde. Willam Dafoe und Charlotte Gainsbourg [großartig!] sind die einzigen beiden Protagonisten seiner Geschichte, was für eine unheimliche Intimität sorgt. Die Rollen sind klar verteilt: "Er" [Dafoe] steht für den anonymen Mann und "Sie" [Gainsbourg] verkörpert die Frau ohne Namen. ANTICHRIST versucht für sich die Frage zu beantwortet wo der Arsprung und das Zuhause des Bösen zu finden ist. Liegt es in der Natur des Menschen oder gar in der Natur selbst? Der Film ist in mehrere Akte mit klaren Bezeichnungen unterteilt, so wir der Zuschauer an der Hand genommen und durch den dichten Nebel Edens geführt ohne sich komplett zu verirren.

Eine alptraumhafte Parabel

ANTICHRIST strotz nur so vor symbolbehangenen Sequenzen, wie zum Beispiel eine Traumsequenz in welcher der Kindstot aufgegriffen und durch eine Metapher in der Tierwelt [bzw. der Natur] verarbeitet wird. Die dabei verwendeten Bilder sind von bestechender Schönheit, so wirkt "der Garten Eden" oft einem alptraumhaften Märchen entliehen.

Die Befreiung als Lösung

Im Letzten Drittel könnte man Lars von Trier zwar vorwerfen einige bewusst schockierende Ekel-Klischees in seine Handlung eingebaut zu haben, allerdings haben diese geschlechtsbetonten Szenen, genauer gesagt eine ganz bestimmte Szene, eine sehr wichtige Funktion: Es ist eine Art Befreiungsschlag, so ist "Sie" der Überzeugung, dass das "Böse" "Frau" ist und sie sich von ihrem "Bösen" befreien muss. Es scheint als ob der Film [der Regisseur] während dem Film selbst dem Prozess des Bösen erliegt und auf der Suche danach ist. Die daraus resultierende Ungewissheit spielt mit den Urängsten der Zuschauer, dem Unbekannten und Unerklärlichen. Eine wertvolle Tugend die im modernen Horrorkino schon oft verloren gegangen ist.

Vom Suchen und Finden des Bösen

Der Fuchs prophezeit: "Das Chaos regiert", Menschenteile ragen aus dem Dickicht, Kinderschreie erfüllen den Wald und keiner kann mehr Zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. ANTICHRIST ist gewissermaßen ein Endzeitfilm, er handelt vom Prozess der Verzweiflung, der Entdeckung des Bösen und mündet in einer Art Apokalypse. ANTICHRIST scheint wie die Fusion aus Ingmar Bergmanns SZENEN EINER EHE und Sam Raimis EVIL DEAD. Neben MARTYRS vielleicht der wichtigste [Horror?]film der letzten Jahre.


10/10 Ausflügen in die Hölle

Sowohl handwerklich als auch erzähltechnisch genialer Film der mit seiner Fragestellung tief in das Bewusstsein seiner Zuschauer eindringt.

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!