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SAW 1-7 Gesamtbesprechung


Regie: James Wann, Darren Lynn Bousman, David Hackl, Kevin Greutert
Darsteller: Tobin Bell, Cary Elwes, Donnie Wahlberg, Costas Mandylor, Sean Patrick Flanery

Dr. Lawrence Gordon und Adam Faulkner wachen in einem heruntergekommenen Badezimmer auf und sind in gegenüberliegenden Ecken festgekettet. Eine gewöhnliche Handsäge bietet ihnen eine schmerzhafte Option auf ihre Freiheit... So beginnt SAW, eine Filmreihe, die in der siebten Folge endlich ihr Finale erreicht hat. Was als kleiner interessanter Independentfilm begann hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem finanziell erfolgreichen Horrorfranchise entwickelt und das Genre des zeitgenössichen Horrofilms maßgeblich geprägt. Zunächst eine kurze Besprechung der Puzzelstücke im Einzelnen:



SAW I
Mit verhältnismäßg geringem Budget wurde SAW zum Überraschungshit und brachte eine große Reihe an cineastischen Nachahmungstätern ins Rollen. Das perfide Spiel des Serienmörders Jigsaw ist eine gelungene Remineszenz an zahlreiche Horroklassiker und bietet aufgrund der eigenen Handschrift und der frischen Ideen durchaus großes Spannungspotential. Zwar werden die Figuren des Filmes stark vernachlässigt, dieser Makel wird jedoch von den starken Ideen der einzelnen Torturen ausgeglichen. SAW bescherte dem ausgelaugten und mittlerweile ideenlosen Serienkillerfilm eine Frischzellenkur und lässt den Zuschauer buchstäblich selbst mitleiden. Die Darstellung der Gewalt ist hier - im Gegensatz zu den Fortsetzungen - noch nicht ganz so grafisch und setzt mehr auf die Kraft der Suggestion. Dieser erste Teil war ursprünglich nicht auf eine Fortsetzung angelegt, dennoch wurde SAW zu einer mehr oder minder gelungenen und gewinnbringenden Horrorreihe.



SAW II
Der rasch produzierte zweite Teil ist wohl der schwächste Teil der Reihe, inszenatorisch kopiert der Film seinen Vorgänger und bietet ledigliche eine einfallslose Aneinanderreihung grausamer Foltersequenzen ohne dramaturgische Überraschungen. Von der Finesse des ersten Teils ist hier nichts mehr zu spüren, lediglich die Einführung eines neuen Charakters, Amanda, ist für den weiteren Verlauf der Reihe von Bedeutung. Der hier neu eingesetzte Regisseur Darren Lynn Bousman führte ebenfalls bei Teil Drei und Vier Regie.



SAW III
Der dritte Teil der SAW-Reihe ist wohl der mit Abstand brutalste Abschnitt und markiert zugleich das Ende des Serienmörders Jigsaw. Langsam entfalten sich die dramaturgischen Möglichkeiten und die Puzzelteile der Filmreihe beginnen sich zu einem großen Bild zusammenzusetzen. Interessant ist hier die Miteinbeziehung der vorangegangen Filme und die dramaturgischen Verflechtungen zu ihnen. Zwar liegt hier der Fokus eindeutig auf der grafischen Darstellung von Gewalt - stellenweise blitzen aber interessante Ansätze in der untergeordneten Krimihandlung auf. Etwaige Komplizen und deren Motivation sollen für die Reihe noch von großer Bedeutung werden.



SAW IV
In den für die SAW-Reihen typischen Rückblenden wird nun ein gänzlich neues Gefahrenpotential aufgedeckt und das große Werk Jigsaws der Vollendung ein Stück näher gebracht. Leider wird der Fokus auch in diesem Teil viel zu sehr auf die Abscheulichkeit der brutalen Fallen gelegt - das gut ausgenutzte Spannungspotential der polizeilichen Ermittlungsarbeit hingegen rettet den Film über weite Strecken. Der Mangel an einer Identifikationsfigur erschwert den Zugang zu diesem Film erheblich.



SAW V
Der fünfte Teil ist der wohl mit Abstand stärkste Teil der Reihe. Die Splattereffekte sind hier ausnahmsweise nicht selbstzweckhaft eingesetzt und die Kriminalhandlung weiss durchaus zu fesseln. Dieser Film verdeutlicht, dass das wahre Protential der Reihe nicht zwingend in der Erfindung neuer und immer grausameren Fallen liegt, sondern die Verschwörung im Hintergrund und die Täuschung des Zuschauers die wahre Stärke von SAW darstellt. Auch hier wird in Rückblenden ein bemerkenswertes Netzwerk zu den Vorgängern geschaffen und die Motivation Jigsaws umso mehr verdeutlicht. Dieser Teil wurde von den Kritikern interessanterweise am schwächsten aufgenommen, was zur Folge hatte, dass man sich für einen Wechsel im Regiestuhl entschied und David Hackl sein Zepter an Kevin Kreutert abgeben musste.



SAW VI
Prinzipiell hat der sechste Teil der Reihe nichts Neues mehr hinzuzufügen, Fans der Serie bietet er weitere interessante Einblicke in die Vorgeschichte und die Motivation der Komplitzen und lenkt die Schienen langsam aber sicher Richtung Finale - Das Ende des Filmes enttarnt den wahren Übeltäter [dessen Identität man als Zuschauer schon nach dem vierten Teil kennt] und zwingt ihn zu Schritten, welche das Werk Jigsaws endgültig beenden werden.



SAW VII
In seinem letzten Plan entlarvt Jigsaw postmortem einen Schwindler, der vorgiebt ein Überlebender seiner perfiden Fallen zu sein und Kapital aus seiner erfundenen Biografie zu schlagen versucht. Das Finale der SAW-Reihe wirkt zuweilen etwas überkonstruiert, lässt man sich jedoch darauf ein, so bringt SAW 7 - VOLLENDUNG die Reihe auf zufriedenstellende Art und Weise zu Ende und involviert noch einmal viele Charaktere der Vorgängerfilme. Der eigentliche Plot kommt hier zwar etwas zu kurz, dennoch rundet der Film die Saga auf spannende und hochwertig gefilmte Art und Weise ab.



Fazit:
Das größte Plus von SAW ist wohl die durchweg gelungene Darstellung von Tobin Bell in der Rolle von Jigsaw, aber auch sein späterer Komplize [der an dieser Stelle natürlich namenlos bleibt] überzeugt auf ganzer Linie. Man kann der Filmreihe vorwerfen, dass die Charaktere oft vernachlässigt werden, an Spannung fehlt es jedoch trotzdem nie. Die Splattereffekte sind alle mittels purem Handwerk erstellt worden und dementsprechend auch sehr wirkungsvoll ["gelungen" wäre wohl ein unpassendes Attribut]. In der Rolle des Zuschauers fiebert man bei der ausführlichen Inszenierung sämtlichen Fallen mit und wird immer wieder aufs neue an die eigenen Belastungsgrenzen geführt. Diese Sequenzen führten auch zu einer langen Zensurgeschichte in Deutschland, dem folgten Indizierungen, Beschlagnahmungen und eine große mediale Aufmerksamkeit aufgrund der überdeutlichen Gewaltdarstellung, was den Zugang zu den ungekürzten Fassungen der einzelnen Filme erheblich erschwert. Man muss SAW 1-7 in kurzer Folge sehen um sämtliche dramaturgischen Zusammenhänge zu verstehen. Natürlich sind die Filme in erster Linie für Freunde der blutigen Unterhaltung gemacht - abseits dieser möglichen Rezeptionsweise bietet der Film in seiner Kriminalebene interessante Überraschungseffekte und hält des öfteren einen "Aha-Effekt" bereit, wie man ihn nur in TV-Serien wie beispielsweise DEXTER oder BREAKING BAD vorfindet. Vielleicht hätte SAW ohnehin besser als Fernsehserie funktioniert, nichtsdestotrotz kann man ruhig einen Blick auf diese Filmreihe riskieren - einen starken Magen vorrausgesetzt. Für eine siebenteilige Filmreihe, dessen einzelne Filme in solch einer kurzen Abfolge gedreht wurden, ist die Qualität der Reihe durchaus beachtlich.


6/10 Eimern Kunstblut

INTO THE WHITE NIGHT


Regie: Park Shin Woo
Buch: Park Shin Woo, Park Yeon Seon
Darsteller: Han Suk Kyu, Son Ye Jin, Go Soo

Nach vierzehn Jahren nimmt Detective Jo Min Woo [Han Suk Kyu aus THE SCARLET LETTER] die Ermittlungen in einem ungeklärten Mordfall wieder auf. Eine junge Frau und ein Mann waren im Kindesalter in diesen Fall involviert, dennoch konnte ihnen nie eine Verbindung zur Tat nachgewiesen werden. Jo Min Woo stößt bei seinen erneuten Recherchen buchstäblich auf immer tiefer wuchernde Wurzeln und deckt unerwartete Motive zu einem mysteriösen Verbrechen auf.

Nichts ist wie es scheint!

Park Shin Woo's [Second Unit-Direktor bei THE CHASER] Regiedebüt WALK INTO THE WHITE NIGHT ist ein sehr düsteres und melancholisches Krimi-Puzzle, welches sich erst spät zu einem greifbaren und verständlichen Bild zusammensetzt. Die zeitlichen Sprünge zwischen dem Zeitpunkt des Mordes und den Ermittlungen in der Gegenwart erleuchten den Hintergrund der komplexen Beziehung der beiden Hauptcharaktere Schritt für Schritt. Dem Film gelingt es dabei die Spannung stets aufrecht zu erhalten und auch auf der emotionalen Ebene stark zu berühren, was nicht zuletzt an der gelungenen Darstellung von Son Ye Jin und Go Soo in den Rollen der beiden Involvierten liegt. Der Einfluss, den das Verbrechen auf ihr Leben genommen zu haben scheint, wird ausdrücklich und mitreissend geschildert. WALK INTO THE WHITE NIGHT geht sehr freizügig mit der Darstellung nackter Körper um, was im koreanischen Kino durchaus als skandalös zu bezeichnen ist - heikle Themen wie Kindesmißbrauch und Vergewaltigung werden hier offen behandelt - dennoch muss sich der Film keinesfalls dem Vorwurf stellen dies selbstzweckhaft auszunutzen. Trotz seiner kritischen Elemente ist der Film kein Explotationfilm sondern ein berührendes, trauriges und zugleich düsteres Krimidrama. Baekyahaeng [koreanischer Originaltitel ist eine weitere Perle des zeitgenössischen koreanischen Kinos und dürfte ein Fest für jeden Freund des Krimis und der Tragödie sein. Neben MOTHER [Besprechung hier] der gelungenste koreanische Import aus dem Jahr 2009!

Eine Seltene Perle


Baekyahaeng basiert auf dem gleichnamigen japanischen Roman und war im November 2009 ein großer Hit in den koreanischen Kinos. Der Film ist ausschliesslich in der Originalsprache mit englischen Untertiteln verfügbar, eine synchronisierte Veröffentlichung scheint eher unwahrscheinlich, da sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten [wiedereinmal] die Rechte an einem Remake gesichert hat - ob die sexuellen Tabubrüche in amerikanischen Kinos exakt so wiedergegeben werden, darf an dieser Stelle jedoch bezweifelt werden.


9/10 Tabubrüchen

MACHETE


Regie: Robert Rodruigez
Buch: Robert Rodruigez
Darsteller: Danny Trejo, Jeff Fahey, Robert de Niro, Jessica Alba, Michelle Rodruigez, Steven Segal, Lindsay Lohan

Im Jahr 2006 brachte Quentin Tarantino und Robert Rodruigez zwei Filme im Rahmen ihres Projektes GRINDHOUSE in die Lichtspielhäuser: DEATH PROOF und PLANET TERROR. In den USA liefen diese beiden Streifen im Doppelpack und wurden von einer fiktiven Trailershow begleitet. MACHETE war unter anderem Einer dieser inszenierten Trailer und überzeugte durch völlig überzogene Splattereffekte und einen irrwitzigen [nicht vorhandenen!?] Plot. Dieser Kurzfilm erfuhr eine sehr positive Resonanz, was Rodruigez [DESPERADO, FROM DUSK TILL DAWN, SIN CITY], dazu brachte seiner Figur MACHETE eine ganz Filmtrilogie zu widmen.

Ein altbekanntes Konzept


GRINDHOUSE war ein sehr interessantes filmisches Experiment und löste eine ganze Welle von Explotationfilme aus. Tarantino und Rodruigez haben den Charme einer ganze Ära des schmuddeligen Billig-Actionfilms erkannt und mit sehr viel Selbstironie in ihre Beiden mehr oder minder gelungenen Filmsegmente eingewoben. MACHETE knüpft einige Jahre später an diese Konzept an - nun stellt sich allerdings die Frage: Hat der Film seinen Vorgängern etwas Neues hinzuzufügen?

Zwischen Hommage und Satire

Die Geschichte ist bei diesem Genrefilm natürlich völlig zweitrangig, die überdeutlichen Splattereffekte und die knallige Action stehen hier eindeutig im Vordergrund. MACHETE alias Danny Trejo überzeugt durch seine wortkarge, aber dennoch schneidige [!] Form der Kommunikation. Die Action kracht, das Blut spritzt, die Mädels sparen oft an unnötigem Stoff und Rodruigez konnte mit Steven Segal, Jeff Fahey und Robert de Niro [!] auf eine exzellente und lustvoll spielende Darstellerriege zurückgreifen

Zu früh gefreut!

Leider zündet der Film nicht wirklich, MACHETE schreit von Anfang an "Ich will ein Kulfilm sein", geht aber viel zu großzügig mit seinen trashigen Versatzstücken um. Rodriugez fügt seinem Hit PLANET TERROR nichts Neues hinzu, sondern kopiert nur seinen eigenen Stil. Man hat sich sichtbar bemüht eine Handlung um den einstigen Fake-Trailer zu schneidern, das Ergebnis sieht allerdings sehr bemüht aus. Für einen bierbetonten Abend reicht MACHETE allemal, aber "Kult" lässt sich nun einfach nicht nach Plan generieren, sondern wird durch die Umstände seiner Zeit geformt. Der Fake Trailer zu MACHETE rockt gewaltig, der Film selbst ist eher unnötig und langweillt recht schnell.


4/10 Stumpfen Macheten

Hier der FAKE-Trailer [der einem das "Full-Feature" erspart]:

MONSTERS


Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Gareth Edwards
Dasteller: Whitney Able, Scoot McNairy, Kevon Kane

Eine NASA-Sonde auf der Suche nach fremden Lebensformen stürzt über Mexiko ab, sechs Jahre später wird dieses Gebiet zur "infizierten Zone" erklärt und von 100m hohen Tentakelwesen bevölkert. Eine neu errichtete Mauer trennt nun Süd- und Nordamerika voneinander und betont umso mehr die Kluft zwischen Natur und Zivilisation bzw. Arm und Reich. Der Fotograf Andrew und seine Begleiterin Samantha, die Tochter seines Verlegers, müssen sich aufgrund einer unglücklichen Schicksalskette den Weg durch dieses unbekannte Terrain schlagen. Auf dieser Reise entdecken sie eine Welt, die im völligen Kontrast zu ihrem gewohnten zivilisierten Lebensraum steht.

Ein echter Monsterfilm!?

Der Film zeigt nicht viel von seinen Monstern, aber genau das was nicht gezeigt wird erzeugt eine unglaublich suggestive Spannung und kreiert ein unaufgeregtes Bild dieser furchteinflößenden und zugleich fasziniertenden Welt im Kopf des Zuschauers. MONSTERS ist definitiv kein Film für Monster-Trash-Fans oder Krawall-Fetischisten. Hier wird vielmehr ein subtiles Bild eines gefährlichen Szenarios erzeugt und sehr viel Wert auf die beiden Protagonisten des Filmes und ihre Beziehung zueinander gelegt. Die Figuren in diesem Film werden sehr schön gezeichnet und man erlebt als Zuschauer eine sehr enge Bindung zu ihnen. Der fortschreitende Prozess ihres Kennenlernens nimmt einen recht großen Teil des Filmes ein und ist mindestens ebenso interessant wie das eigentliche Monsterszenario.

Atmosphärisch dicht, trotz des geringen Budgets

Regisseur Gareth Edwarts realisierte mit MONSTERS seinen Debütfilm und bestritt die gesamte Produktion mit einem Budget von 280.000 Dollar [!]. Eine beachtliche Leistung, denn der Film ist sowohl optisch als auch akkustisch wirklich überzeugend. Es wurde ausschliesslich an Originalschauplätzen gedreht und sämtliche Nebenrollen wurden mit den dort lebenden Menschen besetzt. MONSTERS ist ein Paradebeispiel dafür, dass ein guter Film nicht viel Geld kosten muss, sondern die Vision der Menschen hinter der Kamera über die Qualität eines Werkes entscheidet. MONSTERS fesselt durch seine großartige Atmosphäre, was mitunter auch an der brillianten Kamera liegt. Das verseuchte Grenzland zwischen Süd- und Nordamerika wird in sehr stimmungsvollen und authentischen Bildern eingefangen, dazu trägt auch der tolle Soundtrack von Jon Hopkins einen erheblichen Teil bei. Der minimalistische Einsatz von Effekten verstärkt die dramaturgische Wirkung und fördert die Glaubwürdigkeit des ganzen Szenarios. Ebenso profitiert der Film von seinen sehr guten, improvisierenden Schauspielern und einer für dieses Genre gänzlich unkonventionellen Erzählweise. MONSTERS ist ein angenehm unprätentöser und ruhig erzählter Film, der in entsprechenden Schlüsselszenen dennoch ungemein spannend wird. Das Ende des Filmes überzeugt sehr und ist sowohl meisterlich umgesetzt als auch berührend und nachdenklich.

Wer sind die "Aliens"

MONSTERS zeigt sehr schön wie sich die Natur die Zivilisation zurückerobern kann und ebenso findet eine interessante Auseinandersetzung über das "Fremd-Sein" statt. Trotz dieses Tiefgangs wirkt der Film niemals aufgesetzt oder abgedreht philosphisch, denn diese interessanten Fragestellungen finden alle zwischen den Zeilen statt. Der Film lässt sich dramaturgisch in keine Schublade stecken, dies könnte zwar für Monsterfilm- und Sci-Fi-Fans enttäuschend sein, lässt man sich allerdings völlig unbefangen auf den Film ein, so erwartet einem mit MONSTERS einer der besten [echten!] Independentfilme des Jahres und vielleicht sogar der beste Monsterfilm seit vielen Jahren.

Die Bluray: Capelight veröffentlicht MONSTERS einerseits im schönen [limiterten!] Steelbook als auch in einer regulären Edition. im Amray-Case Das Bonusmaterial ist sehr aufschlussreich, so erfährt man in den sehr informativen und umfangreichen Making-Ofs, dass MONSTERS quasi im Alleingang, mit sehr viel Improvisation entstanden ist, was anhand der hohen Qualität des Endergebnisses umso beindruckender ist. Eine sehr schöne Auswahl an Featurettes, Trailern und sonstigen Boni erfreuen den Filmfan.

Bild und Ton: Das Bild ist gestochen scharf, frei von Kompressionsartefakten oder Rauschen, was auf dem digitalen Aufnahmeverfahren des Filmes beruht. Der Schwarzwerk ist brilliant und lassen den Film in einer gebührenden Qualität erstrahlen. Die DTS-HD Tonspuren klingen sowohl auf deutsch als auch auf englisch sehr räumlich und machen MONSTERS zu einem wahren Erlebnis im privaten Heimino.


9/10 Tentakeln zum Frühstück

SKYLINE


Regie: Colin Strause, Greg Strause
Buch: Joshua Cordes, Liam O'Donnell
Darsteller: Eric Balfour, Donald Faison, Scottie Thompson, David Zayas

Der große Erfolg des günstig produzierten aber dennoch sehr eindrucksvollen DISTRICT 9 weckte das Interesse der Filmindustrie an Alieninvasionen im Kino. Sei es im kommenden WORLD INVASION: BATTLE LOS ANGELES oder in dem hier besprochenen Film SKYLINE, einem ebenfalls mit realtiv günstigem Budget produzierten Sci-Fi-Film. Die Gebrüder Strouse haben sich Name und Rang verdient, indem sie die Effekte für große Hollywoodproduktionen der Marke 300 erschufen. Ihr Regiedebüt ALIEN VS PREDATORS 2 hingegen gilt sowohl unter Fans als auch unter Kritikern als gänzlich in den Sand gesetzt, dramaturgisch einfallslos und schauspielerisch eine Katastrophe verkam der Kampf zwischen Aliens und Predators zu einer einzigen dunklen Splatterorgie ohne Sinn und Verstand. Mit dem unabhängig produzierten SKYLINE wollen die Beiden nun ihr Profil etwas aufbessern.

Human meets Alien!

Leider begeht SKYLINE dieselben Fehler wie AVP2. Der zentrale Kern einer Notsituation - das menschliche Drama - wird völlig vernachlässigt und man wünscht den unsympathischen und unlogisch agierenden Protagonisten einen möglichst raschen Filmtod herbei. Tatsächlich gewinnt der Film erst im letzten Drittel an Fahrt, wohlgemerkt wurde hier schon fast die komplette Darstellerriege dezimiert und der große Krawall regiert die Leinwand. Doch bis dahin ist es ein langer Weg: Fast über die ganze erste Hälfte des Filmes streckt sich eine zähe Einführung der furchtbar unsympathsichen Charaktere dieses Filmes. Die Einschränkung auf einen Schauplatz [Das Hotel] ist ein dramaturgisches Mittel, welches in vielen Filmen als Bühne für ein spannendes Kammerspiel dient, hier kommt dieses filmische Instrument überhaupt nicht zum Einsatz und die lokale Beschränkung nervt den Zuschauer nach einiger Zeit nur noch.

Was ist das? Ein blaues Licht! [Zitat aus Rambo2]

Grundsätzlich fehlt es SKYLINE an eigenem Charme, Witz und Spannung. Der Film bedient sich dem Strickmuster der Filme: KRIEG DER WELTEN, CLOVERFIELD und INDEPENDENCE DAY, findet aber weder eine eigene visuelle Sprache noch eine klare dramaturgische Linie. Die beiden Regisseure scheinen einfach keine Filmemacher zu sein, dann SKYLINE fühlt sich ständig an, wie das Intro zu einem Videospiel. Eine Aneinanderreihung von effektlastigen Alien- und Monsterszenen mit obligatorisch lautem Bassgedröhne, ergeben noch lange keinen spannenden Film. In SKYLINE geht die Welt unter - doch das lässt einem völlig kalt!


2/10 verschlungenen Hirnen

Papas Kino ist tot! - Palast No.4

HEIMAT - EINE DEUTSCHE CHRONIK stellt das Lebenswerk des deutschen Regisseurs Edgar Reitz dar, der mit dieser umfangreichen Filmreihe ein vielschichtiges Bild Deutschlands und seinen Menschen zwischen 1919 und 2004 schuf. Dennoch ist HEIMAT keine Geschichtsstunde sondern vielmehr das Portrait einer Familie, welche exemplarisch für die Ideale ihrer Zeit steht. Reitz erkundet den Begriff der »Heimat« und entdeckt, dass es sich dabei weniger um einen Ort, als um ein nicht greifbares Gefühl der Herkunft und Zugehörigkeit handelt.

Diese Ausgabe des Palastmagazines widmet sich dieser umfangreichen Trilogie und versucht die Methoden ihrer Inszenierung zu durchleuchten.

Hier zum Download für Ebooks und zum Offline Lesen.
→Palast No.4 [Papas Kino ist tot!]

DIE HIGHLIGHTS 2010


Das [bald] vergange Jahr, war ein Jahr der Überraschungen - zumindest aus cineastischer Sicht! Abseits von den obligatorischen Fortsetzungen [HARRY POTTER, die gefühlte 29te Fortsetzung der SAW-Reihe etc.] und den üblichen Mainstreamblockbustern [A-TEAM, DUELL DER MAGIER, etc.] fanden einige sehr aussergewöhnlichen Filme den Weg auf unseren Kontinent [wenn auch teilweise nur in DVD/BD-Form.

Ob groß oder klein: Mit Herz muss es sein!


Für mich persönlich ist ein Film dann gelungen, wenn es ein Regisseur schafft zu verdeutlichen, dass er mit [s]einer Vision hinter die Kamera getreten ist. Selbst wenn er dann beim einzelnen Zuschauer scheitern sollte so spürt man doch das Herzblut eines echten Filmemachers [im Gegensatz zur puren Auftragsarbeit]. Es schmerzt, wenn einst so ehrliche Filmemacher wie z.B. Kevin Smith durch die Institutionen Hollywoods gehen und einen farblosen und völlig handschriftfreien Mainstreamquark wie COPOUT abliefern. Auch von solchen Enttäuschungen blieb das Kinojahr 2010 nicht verschont. Im folgenden werden hingegen die Filme vorgestellt,welche mich persönlich berührt haben und einen nachhaltigen Eindruck in meinen Synapsen hinterlassen haben.

Was waren eure Highlights?

Postet Eure Favoriten 2010 mit einer kurzen Begründung und einer gültigen E-Mail/Blog-Adresse und gewinnt eine Bluray von HARRY BROWN [Einsendeschluss 9.1.2011]



Die Cineastischen Highlights 2010:


ANTICHRIST
Lars von Trier's düsteres Psychodrama, welches sich nicht scheut die sexuellen Konventionen des Kinos zu brechen und sich vom bisherigen Werk des Regisseurs gänzlich emanzipiert. Stilistisch und inhaltlich ist diese Hommage an den russischen Regisseur Anrej Tarkovsky [DER SPIEGEL, SOLARIS] ein Meisterwerk.
Zur Besprechung [ANTICHRIST]



ENTER THE VOID
Für mich persönlich das Highlight des Kinojahres 2010 - ein Film der es Buchstäblich schafft in den Kopf seines Protagonisten einzudringen und die Grenzen zwischen Raum und Zeit zu durchbrechen. Ein Höhepunkt des innovativen Kinos, der nicht nur handwerklich absolut stilprägend ist. Ein Kunstwerk!
Zur Besprechung [ENTER THE VOID]



DER GHOSTWRITER
Roman Polanski stellte mit seinem kühlen Thriller den wohl besten Krimi der letzten Jahre auf die Beine, toll gespielt, interessant erzählt und im besten Sinne Hitchcock'esk! Ein spannendes Verwirrspiel mit dem Zuschauer, das man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte sollte. Räumte beim Europäischen Filmpreis einige große Trophäen ab!
Zur Besprechung [DER GHOSTWRITER]



VALHALLA RISING
Oberflächlich betrachtet ein rauher Wikingerfilm, gräbt man jedoch eine Schicht tiefer, so stößt man auf eine Art postmodernen Science-Fictionfilm. In seinen besten Momenten erinnert Nicholas Winding Refn's Film an das Werk von Werner Herzog [DER ZORN GOTTES, FITZCARRALDO] Eine wirklich große und beindruckende Bilderflut, die es hierzulande leider nicht in die Kinos geschafft hat.
Zur Besprechung [VALHALLA RISING]



HARRY BROWN
Michael Caine in dem berührenden und zugleich schonungslos mitreissenden Rachefilm. Toll gedreht und wunderbar gespielt. In bester Tradition von DIRTY HARRY und dem jüngeren Film GRAN TORINO [beide mit Clint Eastwood]
Zur Besprechung [HARRY BROWN]



THE ROAD
Eine düstere Zukunftsvision, die gerade deshalb so gelungen ist, weil sie so ungemein realistisch und nachvollziehbar auf die Leinwand gebracht wird. Das Ende der Gesellschaft wird fern von Blockbusterkonventionen und Actionzwängen auf bedrückende Art und Weise erzählt, ganz großes Kino!
Zur Besprechung [THE ROAD]



MOON
Mit seinem gelungenen Debütfilm bringt Duncan Jones einen brillianten, sehr klassischen Science-Fiction in die Lichtspielhäuser, der einen geradezu kubrick'schen Geist haucht. Eine seltene Perle, die in den hiesigen Kinos leider sang- und klanglos unterging.
Zur Besprechung [MOON]



CRAZY HEART
Der Dude meint es dieses mal Ernst! CRAZY HEART ist ein ehrliches Abbild einer Musikrichtung, vermeidet Klischees, erzählt mit Herz und ist in der Essenz pures Kino. Der geniale Soundtrack, den die Schauspieler größtenteils selbst performen, trägt zum Gelingen des Filmes nicht unerheblich bei.
Zur Besprechung [CRAZY HEART]



INCEPTION
Gewissermassen das glänzende Gegenstück zu ENTER THE VOID. Trotz seines großen Erfolges beim Mainstream, bleibt sich Christopher Nolan treu und schafft ein brilliantes Experiment der neuen Erzählform. Der Traum im Traum im Traum [...] im Traum - es ist ein Traum!
Zur Besprechung [INCEPTION]



PRECIOUS
Niederschmetternd, überirdisch gut gespielt und einfach verdammt wichtig! Das brilliante Gegenstück zum hohlen und unterirdisch verlogenen BLIND SIDE mit Sandra Bullock. PRECIOUS konnte bei den Oscars zurecht zwei Trophäen abräumen. Absoluter Filmtipp!
Zur Besprechung [PRECIOUS]



SHUTTER ISLAND
Martin Scorsese zeigt, dass die Motive des klassischen Film Noir auch heute noch im Kino funktionieren und lässt Leonardo di Caprio und Mark Ruffalo zur Höchstform aufspielen. SHUTTER ISLAND ist ein genial verwobener und sehr spannender Mysterythriller, der Suspense auf allerhöchstem Niveau bietet.
Zur Besprechung [SHUTTER ISLAND]



EIN PROPHET
Ein intensiv gespieltes und formal brilliant inszeniertes Drama aus Frankreich!
[Besprechung folgt]


Was waren eure Highlight 2010?

SAVAGE


Regie: Brendan Muldowney
Buch: Brendan Muldowney
Darsteller: Darren Healy, Nora-Jane Noone

Der Ire Brendan Muldowney präsentiert mit SAVAGE nach zahlreichen, preisgekrönten Kurzfilmen seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. Oberflächlich wirkt der Film zunächst wie eine trivialisierte Version von TAXI DRIVER, blickt man allerdings etwas tiefer, so öffnet sich dem Zuschauer durchaus eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema "Angst". SAVAGE zeigt auf sehr erschütternde Art, dass nicht nur Frauen Opfer von Gewaltverbrechen sein können, sondern dass solch ein traumatisches Erlebnis das Leben eines jeden Einzelnen aus der Bahn werfen kann.

Angst, Kontrolle, Zorn und Rache

Der Fotojournalist Paul Graynor wird aus seiner heilen Welt gerissen, als er eines Abends von zwei Jugendlichen brutal ausgeraubt und schwer mißhandelt wird. Fortan wird er von unerträglichen Angstzuständen geplagt und leidet zudem noch schwer unter den physischen Folgen des Verbrechens. Schauspielerisch und inszenatorisch bleibt der Film zunächst solide und kann inszenatorisch erst mit fortschreitender Laufzeit überzeugen. Spätestens beim Eintreten der Angstzustände beginnt der Film seine Spannungsschraube bis zum Anschlag anzudrehen und kann dann erst wirklich fesseln. Der Kern der Tragödie handelt von der Auswegslosigkeit eines Kampfes gegen die Angst und den Terror im eigenen Kopf. Kein Messer und kein portabler Stromschocker kann rückgängig machen was Paul zugestoßen ist und genau bei der präzisen Darstellung dieser Erkenntnis weiss SAVAGE zu überzeugen.

Kein Meilenstein, dennoch präzise eingefangen.

Der Vergleich mit STRAW DOGS oder TAXI DRIVER ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, da Regisseur Muldowney im Gegensatz zu Peckinpah und Scorsese kein völlig neuartiges, radikales und innovatives Kino geschaffen hat, dennoch handelt es sich um einen Filmemacher mit einer spürbaren Vision und dieses Herzblut macht SAVAGE letztendlich doch sehenswert. Einerseits muss man die DVD-Reihe Störkanal für ihre erlesenen und außergewöhnlichen Veröffentlichungen loben [VAN DIEMENS LAND, WHITE LIGHTNING', MYSTERIOUS SKIN etc.] dennoch leiden alle bisher erschienen Filme unter einer recht schwachen Synchronisation, was sich besonders bei SAVAGE bemerkbar macht. Der Film spielt in Dublin und versprüht sehr viel Atmosphäre durch seine authentisch gesprochenen Dialekte. Die vorliegende deutsche Fassung wirkt hingegen sehr lieblos übersetzt und das schmälert den Filmgenuss spürbar.

Wenn man sich für den Originalton entscheidet, erwartet einem mit SAVAGE ein Film der unter die Haut geht.


7/10 Selbstverteidigungswaffen im Rucksack


ENTER THE VOID


Regie: Gaspar Noé
Drehbuch: Gaspar Noé
Kamera: Benoît Debie
Darsteller: Paz de la Huerta, Nathaniel Brown, Cyril Roy, Emily Alyn Lind, Jesse Kuhn

Das filmische Werk Gaspar Noe's steht geradezu archetypisch für die Polarisierung eines Publikums, MENSCHENFEIND oder IRREVERSIBLE spalten die Meinungen der Zuschauer ebenso wie die der Presse. Dass Noe's Filme nicht für ein Mainstreampublikum gemacht sind, dürfte kein Geheimnis sein, was nicht an der oft drastisch-realistischen Darstellung von Gewalt liegen dürfte, denn diese ist im Mainstreamkino längst salonfähig geworden. Hier sind es die dramaturgischen und filmischen Mittel welche Noe's Filme ausnahmslos schwer verdaulich machen. Oft handeln seine Filme über Menschen welchen ihre vermeintliche Sicherheit geraubt wird und wie die Auswegslosigkeit des Schicksals und der Vorherbestimmung über ihnen hereinbricht.

Ein wunderschöner Albtraum!

Noe schafft es mit seinen Filmen dem Betrachter seine eigene Sterblichkeit bewusst zu machen, ENTER THE VOID könnte man sozusagen als einen Bewusstseins-Science Fiction verstehen, der zumal auch optisch an Stanley Kubriks 2001 erinnert. Dramaturgisch ist der Film gänzlich unkonventionell und von allen bisherigen Erzähformen losgekoppelt. Würde man Gaspar Noes neuesten Film in die Filmgeschichte einordnen wollen, so müsste man schon einen direkten Vergleich mit anderen Medien anstellen, denn ENTER THE VOID ist sozusagen das filmische Pendant zu den expressionistischen Romanen ULYSSES und BERLIN ALEXANDERPLATZ [auch diese Werke spalten ihre Leser bis heute]. Schon mit dem wilden, typografisch überwältigenden Vorspann reiht sich ENTER THE VOID nahtlos in die Filmografie Noe's ein. Der Film ist ein gigantischer, [wahrhaft!] schwindelerregender Bildersturm, der es auf einzigartige Weise schafft die destruktive Schönheit einer nierderschmetternden Tragödie einzufangen. Der Zuschauer ist der subjektiven Kamera in ENTER THE VOID gnadenlos ausgeliefert und erlebt das Geschehen teilweise aus der Ich-Perspektive des Drogendealers Oscars, der seine Schwester Linda zu sich holen will, oft zeigt der Film seine Welt aber auch aus einer dramaturgisch gänzlich losgelösten Perspektive und erzeugt damit eine sehr einzigartige Atmosphäre. Die Geschichte wird sehr lose erzählt und lässt dem Zuschauer viel Platz für eigene Interpretationen, allerdings ist von Anfang an klar, dass die Geschichte sehr drastische und zermürbende Ausmaße annehmen wird. Die Megapolis Tokyo dient als beklemmender Schauplatz für diese Geschichte und wird auf eine sehr künstliche und bunte Art und Weise eingefangen. ENTER THE VOID wirft den Zuschauer in eine Auseinandersetzung über Begehren, Verlust und Zerstörung und lässt den entglittenen Geist schliesslich in die namensgebende Leere driften um einen Neuanfang zu generieren. Es ist schwer sich dem Bildersturm zu entziehen, gleichzeitig aber eine sehr starke psychische und durchaus auch physische Belastung für den Zuschauer.

Tokyo glüht, vibriert und strahlt vor Energie

Die Darstellung der Geschichte von ENTER THE VOID ist zugleich expressionistisch als auch explotativ - wie ein ungefilterter Sturmangriff auf die Synapsen. Die Kameraarbeit und die Farbgebung machen ENTER THE VOID zu einem überwältigendem Kunstwerk und einem gänzlich neuartigen Seherlebnis, dessen äussere Schönheit und inhaltliche Destruktivität einen geniale Widerspruch ergeben. Die Einen werden ihn hassen, Viele werden ihn lieben - ein echter Gaspar Noe eben und ganz nebenbei auch noch ganz große Filmkunst!

Sowohl inhaltlich als auch formal ergibt der Film eine sehr schöne Ergänzung zur rauschhaften Darstellung von Bewusstseinsveränderung in Ken Russel's ALTERED STATES [DER HÖLLENTRIP] aus dem Jahr 1980.


10/10 überlasteten Gehirnzellen

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Veröffentlichung: ENTER THE VOID lief in einer sehr begrenzeten Anzahl deutscher Kinos und wird am 28.01.2010 von CAPELIGHT in einem schönen Mediabook als DVD/Bluraykombo erscheinen. Unten ein Bild der französischen Ultimate Edition, welche unter anderem den englischen Originalton und die Langfassung [174 min. 24p/sec] enthält.



Dieses beindruckende Video zeigt die Entstehung der virtuosen Spezialeffekte. Hier war sichtbar ein Team mit einer Vision am Werk!



Hier noch ein paar Eindrücke aus ENTER THE VOID, dem neuen Werk von Gaspar Noe [MENSCHENFEIND, IRREVERSIBLE]:







Der Trailer zu ENTER THE VOID vermittelt die innovativen Bilder dieses Energiegeladenen Films:

VAN DIEMEN'S LAND


Regie: Jonathan von der Heide
Buch: Jonathan von der Heide und Oscar Redding
Darsteller: Oscar Redding, Arthur Angel, Paul Ashcroft

Ein Gruppe Gefangener entkommt aus einer britischen Strafkolonie auf Tasmanien, doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass die Männer ohne Proviant auf der gigantischen und gnadenlosen Insel keinen hohen Überlebenschancen haben. Aus einer erfolgreichen Flucht wird eine grausame Odyssee und schleichend manifestiert sich der Wahnsinn in den Köpfen der Flüchtlingen.

8 men in this dark woods, far from gods eyes

Besonders Eines gelingt VAN DIEMENS LAND ausnehmend gut: Die Natur als Spiegelbild der menschlichen Psyche darzustellen. Die Männer auf der Flucht verkommen immer mehr zu dunklen Gestalten des Wahnsinns, wie es die unheilsschwangere Landschaft schon zu Beginn mit ihren harten Strukturen andeutet. Obwohl der Film durchaus das Potential für einige wirksame Schockeffekte gehabt hätte, verzichtet Regisseur Jonathan von der Heide [was für ein Name!] bewusst auf inszenatorische Hilsmittelchen dieser Art, was den Film umso intensiver macht, denn der in fahlen Braun- und Grautönen gehaltene Film frisst sich nachhaltig in die Synapsen der Zuschauers.

Die Moral stirbt zuerst

Psychologisch gelingt dem Film auf konsequente Art und Weise, die Handlungsweisen der Protagonisten schmerzhaft nachvollziehbar zu machen. Leider hat man in der deutschen Fassung die Dialoge der Iren und der Engländer einheitlich übersetzt, somit verschwindet viel von der kulturellen Dispkrepanz, was dem Film leider etwas an Tiefe raubt. Daher: Auf jeden Fall den Originalton geniessen. VAN DIEMENS LAND ist ein bildgewaltiges, düsteres und sehr beklemmendes Dokument einer Reise in den Wahnsinn.


9/10 Leeren Vesperdosen in der Wildnis

Info: Leider existiert [noch] kein HD-Master des Filmes und ist daher nur in einer [sehr gut aufgearbeiteten] DVD zu sehen. Die deutsche DVD besitzt das Bildformat 1:2,35, während die britische DVD den Film im Format 1:1,78 zeigt, dafür aber oben und unten wesentlich mehr Bildinformationen besitzt.

WHITE LIGHTNIN'


Regie: Dominic Murphy
Buch: Eddy Moretti, Shane Smith
Darsteller: Edward Hogg, Carrie Fisher, Kirk Bovill

WHITE LIGHNIN' ist eine wahnwitzige Erzählung über einen Menschen, der von unbändigen Dämonen gequält wird. Der große Konflikt mit diesen Geistern ist Thema dieses schwer verdaulichen und ungewöhlich gefilmten Meisterwerks. Als Zuschauer wird man Zeuge einer Reise in die Hölle, Jesco White wandert durch Militärschulen, Irrenanstalten und schliesslich durch den Horror des wahren Lebens. Nach und Nach steigert sich der Film in eine unvorstellbare, surreale Welt und sprengt am Ende schliesslich komplett die Grenzen zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit, er sucht Gott, findet aber lediglich Leere und Dunkelheit

Mit Jedem Schritt näher an der Freude

Regisseur Dominic Murphy überzeugt durch einen unverbraucheten Stil, sehr grob, rauh und schmerzhaft real werden die Bilder in einem körnigen, fast farblosen Stil eingefangen. Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Jesco erzählt, was besonders im Originalton sehr überzeugend wirkt. Der Titel bezieht sich hierbei nicht nur auf den Namen des [realen!] Protagonisten Jesco White, sondern stellt auch einen Bezug zum "White Trash" her, einem Begriff, der die weisse US-amerikanische Unterschicht beschreibt. Hier wirkt der Film wie ein Gegenpart zum filmischen Werk Rob Zombies [THE DEVILS REJECTED]. Rob Zombies Filme spielen stets im Umfeld des White Trash, was aber bei ihm nur als Mittel zum Zweck Einsatz findet und keine echte Auseinandersetzung mit dem prekären Thema ist, ist bei WHITE LIGHNIN' hingengen präzise und auf einzigartige Art und Weise aufgearbeitet. Dieser Film fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube, ohne bewusst auf Schock und Provokation zu setzen. Toll gespielt, provokativ und weitab vom Mainstream, absoluter Filmtipp!


9/10 soziopathischen Steptänzern

PS: Die deutsche Synchronfassung ist eine Frechheit, bitte unbedingt zum Original greifen, da sonst die gesamte Atmosphäre verloren geht.

DUELL DER MAGIER


Regie: Jon Turtletaub
Buch: Was ist ein Buch?
Darsteller: Nicholas "der wirds schon richten" Cage, Alfred Molina, Alice Krige, Monica Belucci

Filme wie DUELL DER MAGIER passieren, wenn Marktanalysten Kino machen [wollen!], Zauberschüler haben schliesslich schon bei den Harry Potter-Filmen Millionen in die Kaffeekasse gebracht, nun beruft man sich auf vorhandene Zutaten, entfernt jeglichen geistigen Anspruch, Kreativität oder gar Tiefgang und fertig ist die fade, an jede Altersgruppe angepasste Tütensuppe.

Eine unheimliche Begegnung mit Daniel dem Zauberer

THE SORCERER'S APPRENTICE ist sehr albern, aber bei weiten nicht witzig, er ist laut, aber zu keiner Minute spannend, hinzu kommt die Tatsache, dass die Geschichte vor Handlungslöchern und Unlogik nur so strotzt. So gestattet man dem ultimativen Bösewicht nach jedem Kontakt, lebendig davonzukommen - obwohl dieser das Ende der Welt herbeizurufen plant. Diese Geschichte war scheinbar sogar den Drehbuchautoren zu belanglos und unsinnig, denn anders ist es nicht zu erklären, dass der Haupterzählstrang oft völlig aus dem Fokus rückt und stattdessen der obligatorischen 0815-Lovestory Platz macht.

Nicolas Cage as Everyone

Nun mag der ein oder andere sagen, dass man über eine belanglose Story bei einem sogenannten "Guilty Pleasure" sicher hinwegsehen kann, das große Problem des Filmes ist nur, dass er abgesehen von seiner miesen Story und den teilweise unterirdischen Dialogen nichts zu bieten hat. Nicholas Cage spielt die Rolle des Magiers Balthasar dermassen übertrieben ernst, dass er sich dem schweren Vorwurf des Overactings nicht mehr entziehen kann. Stellenweise wirkt es als führe er seine [bewusst übertriebene] Perfomance aus dem DR. FU-MAN-CHU Trailer des GRINDHOUSE-Projektes fort [nur meint er es dieses mal ernst!]. Auch der Rest des Besetzungsliste wird nach Strich und Faden verheizt: Der sonst so erhabene Alfred Molina [FRIDA, SPIDERMAN 2] wird sich für seinen faden Auftritt ebenso schämen wie Monica Belucci [IRREVERSIBLE, MATRIX 2+3], welche den wohl mit Abstand gelangweilsten Auftritt in diesem Film darbietet.

Finger Weg von den Klassikern, Herr Bruckheimer!

Da helfen auch die plumpen Anspielungen auf FANTASIA [oder gar Goethes ZAUBERLERLING] nicht mehr weiter, hier ist alles nur Mittel zum Zweck, keiner der Macher des Films hatte scheinbar ernsthaftes Interesse an der Geschichte, der Zaubererei oder gar der Artussage, welche der Film gnadenlos mißbraucht. Hinzu kommt noch der nervtötende, teeniekompatible Soundtrack - oft wirkt der Film wie ein einziges seltsames Musikvideo. Wirklich schade, Regisseur Jon Turtletaub hat vor kurzem mit DAS VERMÄCHTNISS DES GEHEIMEN BUCHES bewiesen, dass Mainstreamkino nicht blöde sein muss, eine These welche er allerdings mit dieser lustlos heruntergekurbelten Effektorgie in alle Winde zerstreut.


2/10 Plastikzauberstäben

WILD TARGET


Regie: Jonathan Lynn
Darsteller: Bill Nighty, Eileen Atkins, Emily Blunt, Rupert Everett, Bill Nighy, RupertGrint
Buch: Lucinda Coxon [nach der französischen Vorlage DER KILLER UND DAS MÄDCHEN]

DER KILLER UND DAS MÄDCHEN, die französische Vorlage von WILD TARGET aus dem Jahre 1993, war eine schwarze Komödie - besonders betont sei hier "schwarz", die britische Neuauflage präsentiert sich zwar etwas zahmer, kann aber mit einem brillianten Bill Nighty [THE BOAT THAT ROCKED] in der Rolle des Killers und einer gut gelaunten Besetzung auftrumpfen.

Keine Rose ohne Dornen...

Die Geschichte bleibt: Victor Maynard, ein Profikiller, dessen Identität nicht einmal seine Auftraggeber kennen und wohlgemerkt noch bei seiner strengen Mutter hausiert, geht seiner Arbeit mit einer peinlichen Akribik nach. Kurz vor seinem Ruhestand plagt ihn jedoch das Mitleid für eines seiner Opfer und somit sieht er sich gezwungen die kecke Rose [Emily Blunt] zu verschonen. Ein großer Fehler, denn von nun an stehen alle Ampeln auf rot und eine wilde Jagd beginnt. WILD TARGET ist eine ungemein süffisante schwarze Komödie, welche schon durch einen brillianten Anfang und die daraus resultierende Ausgangsituation punkten kann.

British Entertainment At Its Best

Rupert Everett [THE GIRLS OF ST. TRINIAN, AN ORDINARY HUSBAND] in der Rolle des Antagonisten ist wieder einmal [!] ein einziger Genuss und auch Emily Blunt kann als chaotisch-sympathische Rose überzeugen. In weiteren Nebenrollen brillieren Martin Freeman aus PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS als Killer [hier mit den wohl strahlendsten Zähnen der Filmgeschichte] und Rupert "Ron" Grint aus HARRY POTTER. Das Drehbuch punktet mit witzigen Dialogen, einem gelungenem Timing und wunderbar skurillen Einfällen. Man verzeiht Regisseur Jonathan Lynn [THE WHOLE NINE YARDS] einen kleinen Hänger in der Mitte der Story und erfreut sich an der wohl besten Neuauflage einer franzöischen Komödie.


9/10 rasenden Müttern

Info: Am 20.Januar erscheint der Film hierzulande direkt auf DVD/Bluray, in England ist WILD TARGET bereits auf Bluray erhältlich [ohne dt. Ton]

DELIVER US FROM EVIL


Regie: Ole Bornedal
Buch: Ole Bornedal
Darsteller: Lasse Rimmer, Lene Nystrøm, Jens Andersen

"Schuld und Sühne" ist ein oft wiederkehrendes Thema, welches sowohl in der Literatur als auch im Film immer wieder Verwendung findet. Schon in Sam Peckinpahs ähnlich geartetem Film STRAW DOGS - WER GEWALT SÄT drehte sich unweigerlich eine Spirale der Gewalt bis die Geschichte einen fast unerträglichen Spannungsgrad erreicht.

Der Schrecken unter der Oberfläche

Der Schwede Ole Bornedal [VERFLUCHTES AMSTERDAMM] erzählt mit DELIVER US FROM EVIL eine ähnlich zermürbende Geschichte: Unter der Oberfläche eines kleinen Dörfchens schlummert ein großes Gewaltpotential, hervorgerufen durch Frustration, Einsamkeit und Neid. Eine unglückliche Ereigniskette bringt die Zündschnur dieser Bombe schliesslich zum entflammen und ein unerträgliches Inferno der [psychischen und physischen] Gewalt lodert nachts über dem kleinen Ort.

Im Kreislauf der Gewalt

Bornedals Thriller schafft es von Anfang an die Spannung kontinurierlich steigern zu lassen und nimmt dabei sehr unbequeme Formen an - man kann fast schon nicht mehr hinsehen! Die Geschichte wird in sehr düstere und ästhetische Bilder verpackt, die den starken Kontrastfilter gar nicht nötig gehabt hätten. So sieht der Film oft etwas prätentiös und gekünstelt aus, ein authentischer Look hätte hier wohl besser gepasst, darüber kann man aber hinwegsehen. Auf der Tonspur kann der Film hingegen durchweg überzeugen, selten ging gezeigte Handlung und psychologische Spannung durch die Einheit von Bild und Ton so gekonnt einher.

Eiskalt und Schonunglos

Schade dass der Film dramaturgisch zum Ende hin etwas nachlässt und seine Konflikte mehr oder minder einfach fallen lässt, dennoch weiss DELIVER US FROM EVIL zu überzeugen. Ein Film der von Verzweiflung, Fremdenfeindlichkeit und hoffnungsloser Einsamkeit erzählt. Ein Filmtipp!


8/10 Nägeln durch die Tür gejagt

CARLOS DER SCHAKAL


Regie: Oliver Assayas
Darsteller: Edgar Ramirez, Julia Hummer, Alexander Beyer, Anna Thalbach
Buch: Olivier Assayas, Dan Franck

Doku-Dramas leiden oft unter einer zähen Dramaturgie, die realistische Darstellung politischer Reibereien und konsequente Authentizität können einen Film wahrhaft ausbremsen. Nicht so bei CARLOS DES SCHAKAL, hier sind die spannendsten Momente oft genau diese kurzen Sequenzen, welche echte Nachrichtenaufzeichnungen der entsprechenden Ereignisse zeigen.

Wie ein guter Roman

Es ist beachtlich wie mitreissend ein 5,5 Stündiger Film sein kann, keine Szene wirkt zu lang oder deplaziert, man ist als Zuschauer dankbar, dass der Charakterentwicklung der einzelnen Figuren soviel Zeit eingeräumt wurde. Wenn der Abspann nach dieser gigantischen Informationsflut [und Abnutzung von Sitzfleisch] über die Leinwand läuft, hat man wirklich den Eindruck, dass sich Regisseur Oliver Assayas Zeit genommen hat um alle Seiten des Schakals zu beleuchten.

Eine zwiespältige Figur

CARLOS wird hierbei weder gefällig, noch besonders unsympathisch portraitiert, die Darstellung der zahlreichen Begebenheiten in seinem Leben, formen seine Gestalt und beleuchten umso mehr die Sinnlosgkeit von Terrorismus und kritisieren den damit einhergehenden Opportunismus. CARLOS ist gerade diesbezüglich nicht nur ein gelungenes Zeitdokument, sondern auch eine nachdenklich stimmende Parabel zur aktuellen Weltpolitik.

Liebe zum Detail

Besonders gelungen sind die Darstellungen der einzelen Zeitepochen, hier steckt in jeder Szene sehr viel Liebe zum Detail und lässt nur ansatzweise vermuten, wieviel Zeit in der Recherche zu diesem Werk gesteckt haben muss. Die Besetzung ist durchgehen gelungen, besonders Edgra Ramirez in der Rolle des CARLOS weiss zu überzeugen. Mit CALROS DER SCHAKAL ist Oliver Assayas ein sehr seltenes und umfangreiches Portrait eines schwer greifbaren Phantoms gelungen, das mit seiner Thematik auf die aktuellen Geschehnisse in der welt verweist. Unbedingt die Langfassung verschlingen!

Hinweis: Die Kinofassung des Filmes läuft ca. 140 Minuten während der Directors Cut ganze 336 Minuten dauert [für das franz. Fernsehen und dvd/BD Veröffentlichungen]


8/10 Anschläge auf den guten Geschmack