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Review: SHERLOCK HOLMES


Regie: Guy Ritchie
Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel MacAddams, Mark Strong
Buch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg

Die Liste der gescheiterten Neuinterpretationen von klassischen Helden wie Sherlock Holmes und Co. ist ausnehmend groß. 2001 scheiterte BLADE Regisseur Stephen Norrington an LIGA DER AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN ebenso wie Stephen Sommers an VAN HELSING. Diese effektüberladenen Machwerke krankten allesamt an einem schwachen Skript und dem kruden Versuch einer klassisch-etablierten Figur aus einer Literaturvorlage einen neuen, moderneren Geist zu verleihen. Als Guy Ritchie [LOCK, STOCK AND TWO SMOKING BARRELS, SNATCH] seine neue Version von SHERLOCK HOLMES ankündigte, war die Erwartungshaltung zunächst gering, befand er sich doch in den letzten Jahren in einem kreativen Tief [SWEPT AWAY, REVOLVER], doch mit ROCKN'ROLLA scheint er sich wieder etwas mehr Enthusiasmus zurückerobert zu haben und schaffte es sogar Robert Downey Jr. für die Rolle des Holmes und Jude Law als Watson zu gewinnen. Downey Jr. tritt somit in eine große Tradition von Schauspielern wie Michael Caine, Jonathan Pryce, Alan Arkin und sogar John Cleese. Es gibt auch schon etliche filmisch-experimentellen Interpretationen des Ermittlers in denen er z.B. Sigmund Freud begegnet oder unter einem schweren Drogenproblem leidet (KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES, DAS PRIVATLEBEN DES SHERLOCK HOLMES etc.] Kann es Guy Ritchies Version mit dem Charm und der Kreativität dieser Vorgänger aufnehmen?

James Bond trägt ab sofort einen Mantel und Zylinder

Das Ergebnis ist erstaunlich, SHERLOCK HOLMES [→Trailer] ist zu einer Art James Bond mutiert: Coole Sprüche, viel Action und eine Story, die sich über mehrere Filme hinzieht [respektive: hinziehen kann]. Das Setdesign gelang sehr stimmungsvoll und erzeugt eine schöne, düstere Atmosphäre, man muss allerdings darüber hinwegsehen, dass einige digitale Effekte nicht ganz so gut gelungen sind und ihre Computerherkunft nicht zu verleugnen ist. Aber nichts destotrotz: SHERLOCK HOLMES lebt von der guten Chemie zwischen Downey Jr. und Law, die Dialoge zwischen den Beiden werden oft zu einem kleinen Feuerwerk auf der Leinwand. Dabei ist es sogar verzeihlich, dass der Film eine sehr traditionelle Geschichte erzählt: Ein vermeindlicher Magier schüchtert das Parlament ein, will die Spitze der Regierung erlangen und anschliessend um die Weltherrschaft buhlen. Immerhin kommt es zu einem vorzüglichen Cliffhanger-Finale mit einigen kleinen Wendungen, in dem nicht alles aufgeklärt wird. Man erschafft zum Ende hin sogar noch einen neuen [eigentlich altbekannten] Kontrahenten, eine Art Voldemort [für Harry Potter-Freunde] der Holmes noch viele spannende Abenteuer dieser Art bescheren könnte. SHERLOCK HOLMES ist ein schön inszenierter und gut gespielter Blockbuster geworden. Nicht zu modern, aber auch nicht zu altbacken weckt der Film Vorfreude auf etwaige Sequels. Bitte mehr davon!


7/10 investigativen Fehleinschätzungen

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