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PRECIOUS


Regie: Lee Daniels
Darsteller: Gabourey Sidibe, Mo'Nique, Paula Patton
Buch: Geoffrey Fletcher, Sapphire

Claireece Jones schlägt sich durch ein trauriges und von Hass bestimmtes Leben. Sie lebt mit ihrer Mutter unterhalb der Armutsgrenze in einer Sozialwohnung, trägt gerade das zweite Kind ihres Vaters nach mehrfacher Vergewaltigung [!] aus und ist zudem noch Analphabetin. Die stark übergewichtige Jugendliche, auch Precious genannt, wird von ihrer Mutter nur beschimpft und dazu gezwungen so schnell wie möglich "Welfare" [vergleichbar mit "Sozialhilfe" in Deutschland] zu erbetteln um ebenfalls davon leben zu können. In diesem Kreis aus Gewalt, Hass und totaler Resignation hat Claireece komplett vergessen, was es heist sich selbst schätzen zu lernen.

It was the first Time I speak in a class, now it makes me feel "here" [Zitat]

PRECIOUS - BASED ON THE NOVEL PUSH BY SAPHIRE ist ein absoluter Grenzgänger, völlig ungeschönt gewährt einem dieses zugleich ambitionierte wie auch unterhaltsame Sozialdrama Einblick in ein radikales von Armut und Rassenvorurteilen dominiertes Leben. Dieser Film tut weh, er setzt an einigen sehr schmerzhaften Punkten an und spart kein problematisches Thema aus. So erleben wir die kleine Precious, wie sie sich in ihre Traumwelt flüchtet, während sie von ihrem Vater vergewaltigt und von ihrer Mutter geschlagen wird. Der Film hat sehr schöne und liebevoll gemachte Passagen, in denen auf gekonnte Art und Weise das Umfeld von Harlem beschrieben wird, aber auf diese Abschnitte folgen geradezu albtraumhafte Momente, die in einem Finale münden, welches den Zuschauer absolut fassungslos zurücklässt. Mo'Nique in der Rolle der Mutter ist geradezu beängstigend gut, sie erhielt verdienterweise den Oscar für diese Darbietung, aber auch Gabourey Sidibe spielt den Part der Precious dermassen überzeugend, dass man annehmen könnte, bei diesem Film handle es sich um ein dokumentarisches, respektive autobiografisches Werk.

Ein Funken Hoffnung in der totalen Finsternis

In Amerika musste sich der Film dem Vorwurf stellen, eine Art "Poverty Porn" abzugeben, aber nach dem völlig verzerrten und verklärenden Unsinn THE BLIND SIDE ist ein Film wie Precious fast schon als Notwendigkeit zu bezeichnen, da hier quasi alle Thesen aus diesem Film widerlegt werden. PRECIOUS erzählt letztenendes die Geschichte einer maltätierten Seele, die sich durch eine grausame Welt kämpft und dabei immer wieder auf einige helfenden Hände stößt. Diese Lichtblicke wirken im Kontrast zum grausamen Schicksal von Precious noch viel stärker und ziehen den Zuschauer in einen Sog aus Emotionen. Leider hatte es der Film in Deutschland sehr schwer einen Verleih zu finden, was man der mäßigen Synchronisation nur allzusehr anmerkt. Um die volle Authetizität zu erleben, sollte man sich dieses Filmjuwel tätsächlich im O-Ton ansehen.

Der Härteste Film seit MENSCHENFEIND, aber zugleich fast so schön wie DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE.


9/10 aufgegebenen Träumen

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Kommentare:

  1. Tja und unter anderem wegen des englischen Originaltons warte ich lieber auf die DVD.

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  2. gute entscheidung! am 24.5. erscheint der film übrigens in den uk schon auf dvd/bd.

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