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CARLOS DER SCHAKAL


Regie: Oliver Assayas
Darsteller: Edgar Ramirez, Julia Hummer, Alexander Beyer, Anna Thalbach
Buch: Olivier Assayas, Dan Franck

Doku-Dramas leiden oft unter einer zähen Dramaturgie, die realistische Darstellung politischer Reibereien und konsequente Authentizität können einen Film wahrhaft ausbremsen. Nicht so bei CARLOS DES SCHAKAL, hier sind die spannendsten Momente oft genau diese kurzen Sequenzen, welche echte Nachrichtenaufzeichnungen der entsprechenden Ereignisse zeigen.

Wie ein guter Roman

Es ist beachtlich wie mitreissend ein 5,5 Stündiger Film sein kann, keine Szene wirkt zu lang oder deplaziert, man ist als Zuschauer dankbar, dass der Charakterentwicklung der einzelnen Figuren soviel Zeit eingeräumt wurde. Wenn der Abspann nach dieser gigantischen Informationsflut [und Abnutzung von Sitzfleisch] über die Leinwand läuft, hat man wirklich den Eindruck, dass sich Regisseur Oliver Assayas Zeit genommen hat um alle Seiten des Schakals zu beleuchten.

Eine zwiespältige Figur

CARLOS wird hierbei weder gefällig, noch besonders unsympathisch portraitiert, die Darstellung der zahlreichen Begebenheiten in seinem Leben, formen seine Gestalt und beleuchten umso mehr die Sinnlosgkeit von Terrorismus und kritisieren den damit einhergehenden Opportunismus. CARLOS ist gerade diesbezüglich nicht nur ein gelungenes Zeitdokument, sondern auch eine nachdenklich stimmende Parabel zur aktuellen Weltpolitik.

Liebe zum Detail

Besonders gelungen sind die Darstellungen der einzelen Zeitepochen, hier steckt in jeder Szene sehr viel Liebe zum Detail und lässt nur ansatzweise vermuten, wieviel Zeit in der Recherche zu diesem Werk gesteckt haben muss. Die Besetzung ist durchgehen gelungen, besonders Edgra Ramirez in der Rolle des CARLOS weiss zu überzeugen. Mit CALROS DER SCHAKAL ist Oliver Assayas ein sehr seltenes und umfangreiches Portrait eines schwer greifbaren Phantoms gelungen, das mit seiner Thematik auf die aktuellen Geschehnisse in der welt verweist. Unbedingt die Langfassung verschlingen!

Hinweis: Die Kinofassung des Filmes läuft ca. 140 Minuten während der Directors Cut ganze 336 Minuten dauert [für das franz. Fernsehen und dvd/BD Veröffentlichungen]


8/10 Anschläge auf den guten Geschmack

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