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Das Kabinett des Dr. Parnassus


Regie: Terry Gilliam
Darsteller: Christopher Plummer, Heath Ledger, Tom Waits, Jude Law, Johnny Depp, Colin Farrell
Buch: Terry Gilliam, Charles McKeown

Terry Gilliam ist schon seit geraumer Zeit ein "Enfant Terrible" in Hollywood. Seine Filme gewähren oft nur einen eher sperrigen Einstieg in die Story [Twelve Monkeys] oder verweigern sich gleich komplett einer logischen Erzählstruktur [Fear and Loathing in Las Vegas]. Seinen letzten "echten" Film musste er Zugunsten der Vorstellungen der berühmt berüchtigten Weinsteins so umgestalten, infolge dessen er mit seinem Film weder bei den Fans noch bei den Kritikern gut ankam [The Grimm Brothers]. Gilliam scheint auch leider etwas vom Pech verfolgt zu sein, seine Adaption von DON QUICHOTE musste schon zwei Mal abgesagt werden, Naturkatastrophen und die Gebrechen des Hauptdarstellers machten ihm einen Strich durch die Rechnung. In seinem neuesten Film THE IMAGINARIUM OF DR. PARNASSUS [→Trailer] ist allerdings ein Supergau losgebrochen: Heath Ledger, Darsteller in diesem Werk, verstarb mitten während den Dreharbeiten.

Terry Gilliam, der Mann mit dem Plan!


Terry Gilliam ist ein Genie, er war es schon bei den Monty Phytons, bei seinen genialen Werken BRAZIL und TWELVE MONKEYS und auch bei DR. PARNASSUS beweist er, was er wirklich kann. Nach Ledgers Ableben wurde das Drehbuch wurde kurzerhand umgeschrieben und nun wird der Part abwechselnd von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell übernommen, was sich als absoluter Glücksgriff für die skurille Story erwiesen hat. Dr. Parnassus [Christopher Plummer] wandert mit seinen Schaustellern umher und sammelt nach einer mißlungenen Wette, Seelen für den Leibhaftigen höchstpersönlich [genial: Musiklegende Tom Waits]. Heath Ledgers Figur spielt dabei eine sehr mysteriöse Rolle, welche an dieser Stelle nicht verraten wird. Soviel kann allerdings gesagt werden: DR. PARNASSUS ist ein unglaublich kreativer, irrer und zugleich sperriger Film, der allerdings locker die Energie von zehn großen Blockbuster verinnerlicht hat. Das pitoreske Setdesign wirkt einer früher Monty Phyton Animation entliehen [für welche Gilliam damals verantwortlich war] und es stört nicht einmal, dass sich Parnassus' Parallelwelt sehr künstlich anfühlt, denn dies passt sehr gut in das verwobene Storykonstrukt. Gilliams Film versprüht den anarchistischen Charme seines TIME BANDITS und knüpft auch an dessen hervorragende Qualitäten heran.
Ein unglaublich wirres, versponnenes und dennoch wunderschön kreatives Werk welches man durchaus als Anti-Film verstehen darf.


8/10 ausgetricksten Seelen

Miramax am Ende


MIRAMAX, der Name eines Studios welcher viele Regiesseure wie Martin Scorsese und zahlreiche seiner Gefolgsleute in den Wahnsinn trieb, schloß am Dienstag seine Tore. Man staunte schon, dass die Weinstein-Brüder die Rechte für Robert Rodruigez' starbesetzten MACHETE [Danny Trejo, Robert De Niro, Steven Segal etc.] abgetreten haben, aber nun wird einiges klar. Harvey und Bob Weinstein hatten den Ruf, gerne mal einen Film nach ihren Vorstellungen umzuschneiden und diversen Regisseuren das Korsett angelegt zu haben, aber man darf nicht vergessen, dass es ohne MIRAMAX keinen Kevin Smith [DOGMA] oder Quentin Tarantino [PULP FICTION] gäbe, denn diese haben alle mal bei Miramax angefangen. Die letzten Erfolge des Studios waren die beiden großartigen Filme NO COUNTRY FOR OLD MEN und THERE WILL BE BLOOD. Zum Ende des Studios nocheinmal die größten Erfolge in einer kleinen Liste:

1 Chicago [2002] 306 Mio. US$
2 Shakespeare in Love [1998] 289 Mio. $
3 Scary Movie [2000] 278 Mio. $
4 Der englische Patient [1996] 231 Mio. $
5 Das Leben ist schön [1997] 228 Mio. $
6 Good Will Hunting [1997] 225 Mio. $
7 Aviator [2004] 213 Mio. $
8 Pulp Fiction [1994] 213 Mio. $
9 Master & Commander [2003] 210 Mio. $
10 The Others [2001] 209 Mio. $

[Quelle: The Wrap]

Das Palastmagazin auf dem iPad


Gestern wurde in den USA der neueste Streich von Steve Jobs Ideenschmiede Apple vorgestellt: Das iPad. Viele Verlage, erhoffen sich aus diesem Schritt eine kleine Revolution im Ebook-, bzw. Emag-Bereich. Das Ipad ist eine Art vergrößerte Version des Iphones, welche Ebooks liest, im Web surfen und auch zum Betrachten von Filmen verwendet werden kann. Apple geht einen bedeutenden Schritt und legt die Weichen des Ebookgeschäftes auf Erfolg. Es wird sicher nicht lange dauern, bis andere Hersteller vergleichbare Produkte auf den Markt bringen und es weitere Innovationen auf diesem Sektor gibt. Es wäre wünschenswert, dass Apple endlich eine Unterstützung für Flash anbietet, aber früher oder später wird dies [hoffentlich] stattfinden. Das iPad ist im Grunde genommen genau das richtige Gimmik auf dem das Palastmagazin präsentiert werden kann.

Review: Fall 39


Regie: Christian Alvart
Darsteller: Renee Zellweger, Bradley Cooper
Buch: Ray Wright

Selten ist es ein gutes Zeichen, wenn ein Kinostart ständig verschoben wird. Der deutsche Export-Regisseur Christian Alvart [ANTIKÖRPER] brachte sein nachfolgendes Werk PANDORUM sogar noch vor FALL 39 [→Trailer] in die deutschen Kinos, was man durchaus als schlechtes Vorzeichen gelten lassen könnte. In der Tat bietet Alvarts Film nicht sonderlich mehr als eine durchschnittliche Episode von Akte X.

Das Omen Teil 39


FALL 39 startet sehr vielversprechend, wir erleben Renee Zellweger [Cold Mountain, Bridget Jones] als Angestellte beim Jugendamt, welche ein Kind aus scheinbar ruinösen Familienverhältnissen befreit. Sie gewährt dem kleinen Mädchen Asyl, findet aber recht schnell heraus, dass sie sich den Teufel persönlich ins Haus geholt hat. Nach der recht spannenden ersten halben Stunde versinkt FALL 39 allerdings im grauen Genreeinheitsbrei mit allerlei Logiklöchern und sehr vielen ärgelichen Klischees. Es folgt eine Stunde lang 0815-Grusel-Hokuspokus mit allen Baukastensteinchen die das Genre so zu bieten hat: ein böses Mädchen mit langen schwarzen Haaren, CGI-Insektenangriffe, knarzende Telefonanrufe usw. Das Ende setzt dem ganzen Graus dann noch die Krone auf, denn es könnte plumper und spannungsarmer kaum sein.

Endlich: Der Abspann!

Man fragt sich warum solche Filme überhaupt gemacht werden, irgendjemand muss doch vorher das Drehbuch gelesen und festgestellt haben "Hey das gab es ja alles schon einmal, nur irgendwie viel besser". Wie schon bei PANDORUM bedient sich Alvart bei vielen Genrevorbildern [DAS OMEN, DER EXORZIST etc.] ohne dem Genre wirklich etwas Neues hinzuzufügen, geschweige denn deren Klasse zu erreichen. FALL 39 läuft im März in den deutschen Kinos an. Ein Termin, den man sich definitiv nicht freihalten muss!


3/10 mal zuviel gegähnt

Der Blog von Miguel Riveros


Allen Blogfreunden des guten Geschmacks, sei der Blog von Miguel Riveros nahegelegt. Der stilbewusste Illustrator und bekennende Filmfreund, rief den höchst lesenswerten Blog →millus.kulando.de ins Leben, der sich neben Film und Musik auch mit allerlei anderen Empfehlungen und besonders interessanten Geschenktipps aus den oben aufgeführte Genres auseinandersetzt. Derzeit erscheint UNHEIMLICH 3, das neue Comic von Miguel höchstpersönlich [→Leseprobe]
Absolute Empfehlung!

Review: DER INFORMANT


Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Matt Damon, Scott Bakula
Buch: Scott Z. Burns

Michael Mann schuf mit THE INSIDER einen modernen Archetypen in einem Filmgenre in dem es um die Aufklärung firmenpolitischer Skandale geht. Rein Faktisch behandelt DER INFORMANT [→Trailer] von Stephen Sodebergh [OCEANS 11, CHE etc.] exakt die gleiche Thematik. Lediglich in der Ausführung unterscheiden sich die beiden Filme wie Tag und Nacht. Der Angestellte einer gigantischen Firma [Matt Damon] arbeitet mit dem FBI zusammen und deckt über Jahre hinweg einige maßgebliche Firmenskandale auf. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich ein regelrechter Wahnwitz, der eigentlich kaum zu glauben wäre, würde der Film nicht tatsächlich auf realen Tatsachen basieren. Leider darf an dieser Stelle nicht thematisiert werden, um was für eine Wendung es sich handelt, aber eines ist gewiss:

Es ist Unfassbar!

So steht es auf dem Filmplakat in großen Lettern und es ist wahrlich nicht übertrieben. Matt Damon gibt sich als ebenso einfältiger wie auch pummeliger Angesteller der ein zweites Leben als Informant führt. Seine Darbietung ist köstlich und auch die gesamte Geschichte wird wunderbar unsentimental und fast schon plump erzählt, was von einem grandios übertrieben-fröhlichen Soundtrack untermalt wird. Die Tonspur ist hörbar von Woody Allens BANANAS inspiriert und rückt den Film mitunter in eine klar satirische Ecke. Alles in Allem ist THE INFORMANT ein gelungener Film, leider werden dennoch einige Möglichkeiten verspielt, so wird nicht wirklich auf die restlichen Figuren eingegangen und auch das Familienleben wird völlig ausser Acht gelassen. Nichts destotrotz liefert Soderbergh eine erfrischend leichte erzählte Politsatire, die letztenendes wie ein steinharter Kloß im Magen liegt und gerade durch diese Kontroverse zu überzeugen vermag.


7 von 10 pummeligen und unloyalen Angestellten

Review: TEETH


Regie: Mitchell Lichtenstein
Darsteller: Jess Weixler, Hale Appleman, John Hensley
Buch: Mitchell Lichtenstein

Die Idee klingt so dämlich, dass man fast schon wieder einen guten Film erwarten könnte: Ein pubertierendes Mädchen findet heraus, dass sich in ihrer Vagina ein fest verwachsenes Gebiss befindet und sofort zubeisst, sobald etwas unrechtbmäßig eingeführt wird. Der Mythos einer Vagina Dentata existiert tatsächlich in vielen Kulturen, was aber nicht bedeutet, dass daraus ein guter Film entstehen muss. In THEETH [→Trailer] regnet es geradezu abgeschnittene Glieder und es wird wahrlich nicht vor einer drastischen Darstellung Selbiger gescheut.

Schnipp, Schnapp!

Prinzipiell erwartet man eine statirische Version von THE VIRGIN SUICIDES oder dem [pardon, auch schon grottigen] DAY OF THE WOMAN, es bieten sich doch viele Möglichkeiten eine Art Coming-of-Age-Story mit satirischen Elementen zu füllen. Die Pubertät ist für die meisten Menschen [respektive Frauen] eine Zeit in der sie ihren Körper entdecken und mitunter vor der ein oder anderen geschlechtlichen Identitätskrise stehen. In TEETH findet all das nicht statt. Bedeutungsschwanger hält die Kamera auf das schlecht in das Bild kopierte Atomkraftwerk in der Wohnsiedling des Mädchens, damit auch jeder Volltrottel kapiert, dass es sich um eine Mutation handelt. Das einzig Positive an dem Film ist die gelungene Überzeichnung der amerikanischen Werte, was Reinheit und Keuscheit angeht, doch diese Darstellung einer prüden Teeniegruppe mit Tendenzen zur Sekte und der plump rebellierende Bruder reichen leider auch nicht mehr zu einem gelungenen Film. Machen wir es kurz: Teeth ist völlig humorlos, langweillig und zudem handwerklich einfach fade.


2/10 Bisspuren am... ihr wisst schon!