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BRONSON


Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Tom Hardy, Matt King, Kelly Adams
Buch: Nicolas Winding Refn

Ein Soziopath verhält sich entgegengesetzt zur Gesellschaft. "Verrückt" wäre im Falle des sich selbst als "Charles Bronson" bezeichnenden Gefängnisinsassen eindeutig die falsche Bezeichnung. Nicolas Wining Refn [PUSHER, VALHALLA RISING] trennt den seelischen Zustand seines Protagonisten in einer Szene ganz klar von den Leiden eines seelisch kranken Menschen ab. Bronsons beobachtet angewidert und staunend einen verwirrten Gefangenen, der sich selbst mit seinem Kot beschmiert. Hier wird klar, dass BRONSON nicht aus geistiger Verwirrtheit handelt, nein im Gegenteil, er spielt ganz bewusst den aggressiven, nicht zu bändigenden Stier um die höchstmögliche Aufmerksamkeit zu erhalten und zum Rockstar unter den Gefangenen zu mutieren. Der Film unterlegt den "Einmarsch" des "Helden" mit pathetischen und heroisierenden Opernklängen des Rheingoldes und der Götterdämmerung, was die Intention von Bronson um so mehr verdeutlicht.

Genial: Tom Hard als "Charlie Bronson"


Tom Hardy spielt diese Rolle geradezu makellos, den antrainierten englischen Akzent beherrscht er perfekt und die zahlreichen Gewaltausbrüche vollführt er mit der unfassbaren Energie einer Dampfwalze aber trotz dieser monströsen Präsenz gibt es einige Momente, in denen der Zuschauer sehr viel aus dem Gesichtsausdruck Hardys lesen kann.

Düstere Einblicke in Bronsons Welt

Es gab schon einige Filme dieser Art, man erinnere sich an CHOPPER mit Eric Bana, der quasi die gleiche Geschichte erzählte. Lediglich ein kleiner, aber dafür umso wirksamerer Unterschied macht BRONSON zu dem was er ist. BRONSON schildert seine Geschichte aus dem Off, er spricht zu einem imaginären Publikum von einer Bühne und man kann ihm dabei stets in die Augen Blicken. Diese fehlende Distanz gibt dem Zuschauer einen ungefilterten Einblick in BRONSONS Kopf und läßt ihn den ganzen Film durch seine Augen sehen. Diese direkte Konfrontation ist für den Betrachter teileweise sehr schwer zu ertragen, da man sich sozusagen in eine grausame Welt ohne gesellschaftliche Konventionen begibt.

Ein polarisierender Film

Refn betreibt in diesem Film keine Ursachenforschung, er gibt nur Charlie Bronsons Geschichte wieder. An dieser Stelle gilt es natürlich zu hinterfragen, ob solch ein Film überhaupt seine Daseinsberechtigung hat, oder ob man selbsternannten soziopathischen "Superhelden" a la BRONSON damit nur weiter unterstützt, sozusagen Öl in die Flamme gießt. Gerade diese Fragen machen den Film extrem sehenswert und wecken ungemeine Neugier. Es verhält sich wie bei einem Unfall, man will nicht hinsehen, aber man kann sich der Faszination des Grausamen dennoch kaum entziehen. Kontroveses Kino allererster Güte, großartig inszeniert!


9/10 F'cking C'nts

GENTLEMEN BRONCOS


Regie: Jared Hess
Darsteller: Michael Angarano, Sam Rockwell, John Baker, Jennifer Coolidge
Buch: Jared Hess, Jerusha Hess

Es sind die hoffnungslosen Nerds, die Jared Hess an sein Herz gewachsen sind. Schon NAPOLEON DYNAMITE erzählt die Geschichte eines menschlichen Kuriosums, welche in einer Welt angesiedelt ist, die ausschliesslich von hoffnungslosen Nerds bevölkert wird. Genau genommen muss man sich sogar fragen, ob er überhaupt eine Geschichte erzählt oder im Lebowkski'schen Sinne "einfach nur" [bewusst in Klammern gesetzt] das Portrait eines schrägen Kopfes darstellt - schräg im Sinne der Raumverzerrung eines schwarzen Loches. Wie dem auch sei, mit NACHO LIBRE setze Hess diese Tradition fort und lies Jack Black in den Ring der Kuriositäten steigen. Ganz ohne Kritik kam er dabei aber nicht weg, man warf ihm vor, den schrägen Humor seines Erstlingswerkes mit Kalkül zu kopieren um seinen [damalas bahnbrechenden] Erfolg noch einmal zu übertreffen. Ob dies tatsächlich der Fall war/ist muss jeder selbst urteilen, Fakt ist, dass beide Werke einen unwiderstehlichen, aber auch unfassbar dämlichen Charme verströmen.

Nach 42 Filmminuten immer noch keine Antwort in Sicht...


GENTLEMEN BRONCOS folgt diesem Trend in Jared Hess' Filmographie und widmet sich einer zugleich interessanten aber auch schrägen Subkultur: Den Autoren von Trash-Science-Fiction-Romanen. Im Ansatz überzeugt Hess mit einer interessanten Story über einen jungen Autor, dessen Werk plagiiert und gleichzeitig durch eine trashige Verfilmung total zerstört wird. Anstatt den Fokus auf diesen interessanten Aspekt zu legen, nerven die aufgesetzten schrägen Charaktere, allen voran der übertrieben nerdig gespielte Regisseur des Sci-Fi-Trashepos. An anderen Stellen vermag der Film zu überzeugen, wenn z.B. Sam Rockwell im paralell erzählten Plot des Buches ausserirdische Zyklopen in einem [nach Douglas Adams-Prinzip] epochalen Feuerwerk bekämpft.

Von Goldbarren vergewaltigt...

So wechslen sich die unterschiedlichsten Gefühle beim Genuss der GENTLEMEN BRONCOS ab: Man will den Film einerseits für seine liebevoll-trashige Umsetzung lieben, verflucht aber auf der anderen Seite die aufgesetzten schrägen Elemente. Etwas authentischer und weniger abgelutscht in der Charakterdarstellung der Nebenfiguren und die BRONCOS hätten den Kinozuschauer tatsächlich zum Pangalaktischen Donnergurgler im Restaurant am anderen Ende des Universums einladen können, so reicht es allerdings höchstens für die bizarren Verse eines Vogonendichters.


5/10 Deep Thoughts