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BROTHERS


Regie: Jim Sheridan
Darsteller: Tobey Maquire, Jake Gyllenhall, Natalie Portman, Sam Shepard
Buch: David Benioff nach einem Drehbuch von Anders Thomas Jensen

Der Verlust der Freiheit kann einen Menschen verändern, schlimmstenfalls sogar zerstören. Im Film BROTHERS von Jim Sheridan werden zwei Geschwister durch Gefangenschaft verändert, der eine durch eine Gefängnisstrafe, der andere durch Geiselnahme und Folter im Irakkrieg. Jake Gyllenhall spielt Tommy den Bruder von Sam [Tobey Maquire], der sich um seine Frau Grace [Natalie Portman] kümmert, als Tommy scheinbar im Irak gefallen sei. Während sich ein leises Knistern zwischen den beiden anbahnt, stellt sich allerdings heraus, dass Sam gar nicht gestorben ist. Nach verhaltener Freude ändert sich die Stimmung rasch, als klar wird, dass der Krieg Sam unwiderruflich verändert hat.

Das Schicksal eines Heimkehrers

Nach IM NAMEN DES VATERS und MEIN LINKER FUSS kehrt der irische Filmemacher Jim Sheridan endlich wieder zurück in die Kinosäle. Das Thema ist dem gelungenen BADLANDS [2006] nicht sehr unähnlich, es scheint, als ob nun eine ähnliche filmische Aufarbeitung des Kriegsheimkehrerschicksals stattfindet, wie seinerzeit nach dem Vietnamkrieg. Damals waren es JACKNIFE, DEER HUNTER, GEBOREN AM VIERTEN JULI und heute wird diese Reihe mit BADLANDS, IN THE VALLEY OF ELAH und eben BROTHERS fortgesetzt. Schon am Anfang des Filmes spürt man eine gewisse Spannung in der Geschichte, man fühlt förmlich die sich anbahnende Tragödie. Bei Sam Shepard, der den Vater der beiden Brüder spielt, handelt es sich ebenfalls um einen Kriegsheimkehrer, allerdings aus dem Vietnamkrieg. Seine Weltanschauung verkörpert das Ideal der amerikanischen Mittelklasse. Die Ideologie "Etwas für sein Land zu tun" und der Trugschluss, dadurch zu einem "guten" Menschen zu werden, soll in den folgdenden 90 Minuten vehement widerlegt werden. Sheridians Film hat einen großen Vorteil durch seine starke Besetzung, allen voran Tobey Maquire, dem man den Wahnsinn des Krieges förmlich an den Augen ablesen kann. Das Schöne an BROTHER ist seine Behutsamkeit, es handelt sich um kein moralisierendes Lehrstück, sondern um ein subtil erzähltes, sehr intimes Drama zwischen den Protagonisten. Insgesamt ist BROTHERS ein sehr gut inszeniertes, spannendes Stück Schauspielerkino, welches man sich nicht entgehen lassen sollte.

Dänische Delikatessen...


Der Film basiert übrigens auf dem dänischen Film BROEDERS von Susanne Bier [NACH DER HOCHZEIT, THINGS WE LOST IN FIRE] und Anders Thomas Jensen [ADAMS ÄPFEL, DÄNISCHE DELIKATESSEN], der schon 1996 in Deutschland auf DVD erschienen ist. BROTHERS hingegen hat noch keinen deutschen Start, während in England schon eine Bluray erhältlich ist.


9/10 Kriegsheimkehrern

HOT TUB TIMEMACHINE


Regie: Steve Pink
Darsteller: John Cusack, Crispin Glover, Chevy Chase

Tut man sich heutzutage einen Film aus den 80ern wie BACHELOR PARTY [mit dem jungen Bübchen Tom Hanks!] an, so kann man eigentlich nur den Kopf schütteln, was in den 80ern so alles an schlechtem Humor verbrochen wurde. Lässt man sich allerdings bewusst auf den naiven Charme dieses "80s-Flick" ein, so kann man dem albernen Vorbild von HANGOVER einiges abgewinnen.

Ein kleine Zeitreise...

Wir schreiben das Jahr 2010, die Geschmacksverirrungen der 80er liegen schon einige Jährchen zurück und der schlechte Geschmack erreicht uns mittlerweile in ganz anderen mutierten Formen. Mit THE HOT TUB TIME MACHINE kommt ein kleines Geschenk für all diejenigen, die gerne wieder einen Schritt rückwärts in die Zeit des guten alten Rick Moranis, John Candy, Bill Murray oder Chevy Chase [der hier übrigens tatsächlich mitspielt] schreiten wollen. Die Truppe rund um John Cusack springt mittels einer Whirlpool-Zeitmaschine [!] zurück in die Zeit der schrägen Frisuren und geschmacklosen Fabrkombinationen. Das Geplänkel um diese Zeitreise erweist sich als relativ belanglos und wurde mit teils mehr oder weiniger lustigen Gags angereichert. Leider begibt sich der Film in recht niveaulose Abgründe und wird genau dann unwitzig, während ein paar gelungene Running-Gags [Crispin Clovers Arm und Die vermeindliche Mutter] wirklich sehr amüsant sind. Die HOT TUB TIME MACHINE haucht tatsächlich den Geist der 80er, man sollte allerdings kein John Hughes-Niveau erwarten [FERRIS BUELLERS DAY OFF] sondern sich eher in Richtung Neil Israel [BACHELOR PARTY] orientieren. HOT TUB TIMEMACHINE ist nicht schlecht, verspielt aber dennoch seine Chancen, daraus hätte man wesentlich mehr machen können. Wer wieder einmal über einen Film lachen will, der kräftig unter die Gürtellinie schlägt, darf hier gerne einen Blick riskieren, allen Anderen sei dringendst abgeraten.

John Cusak hat diesen Zirkus übrigens auch produziert!


6/10 geföhnten Vo-ku-hi-las