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A SERBIAN FILM


Regie: Srđan Spasojević
Buch: Aleksandar Radivojević, Srđan Spasojević, Marija Stanošević
Darsteller: Sergej Trifunović, Srđan Todorović

Seit einer gefühlten Ewigkeit begegnen dem gewillten Filmfreund immer wieder Diskussionen zu einem skandalträchtigen kleinen Film der einige Grenzen des guten Geschmacks überschreitet und schon [mutmaßlich] als "brutalster Film aller Zeiten" gehandelt wird. Mit solchen Formulierungen weckt man natürlich schnell die Interesse einer [Horror-] Zielgruppe und versucht scheinbar am Erfolg von Genrekandidaten wie MARTYRS oder anderen Vetretern wie INSIDE oder HAUTE TENSION anzuknüpfen. Als sehr geschickt erweist sich hier das Marketing von A SERBIAN FILM, alleine die Beschreibung einiger Szenen, polariserte die Internetszene ungemein [Vergewaltigung, extreme Darstellung von Gewalt etc.] und löste Verhalten von vollständiger Ablehnung bis hin zu absoluter Begeisterung aus. Nun war es auf dem Filmfest in Hamburg [endlich!] möglich dieses heißdiskutierte Werk zu sehen.

Eine Geschichte von Sex und Gewalt

Der Plot um einen Ex-Erotikdarsteller der in die Fänge eines durchgeknallten Skandalregisseurs gerät und dabei in einen tiefen Abgrund von Perversion und Gewalt gezogen wird, hört sich auf dem Papier nach einer interessanten und kontroversen Geschichte a la Gaspar Noé an. Im Internet wurden sogar Vergleiche zum filmischen Werk David Lynchs herbeigezogen, daher ist die Erwartungshaltung auf diesen mutmaßlichen LA FIN ABSOLUTE DU MONDE sehr groß.

Viel Lärm um Nichts

Leider stellt sich recht schnell Ernüchterung ein: Der gesamte Plot wird schon im Trailer komplett heruntergekurbelt und der eigentliche Film füllt die Lücken nur noch mit einigen sehr grausigen und [pseudo-] provokativen Sex- und Gewaltszenen auf. Als Freund des kontroversen Kinos [offensichtliche Zielgruppe des Films] wird man maßlos enttäuscht, denn A SERBIAN FILM traut sich letztenendes doch zu wenig um wirklich ernst genommen zu werden, der psychologische Zustand des "Terrors" stellt sich beim Publikum niemals ein, allerlei Skurilitäten lösen höchstens eine unbequeme Verwirrung aus. Schon beim ersten Anblick des gigantischen "Gummigemächts" wird klar, dass der Film keinerlei Anspruch auf Authentizität bzw. "echten" Schrecken erhebt sondern jeglichen psychologischen Anspruch aussen vor lässt und stattdessen mit einer eher drögen "Direktheit" arbeitet. Aus diesem Thema hätte man wirklich ein kleines krankes Kinomonster der Marke ERASERHEAD machen können, stattdessen wirkt das Gesehene leider mehr wie ein schnelles Machwerk, nicht grundsätzlich schlecht, aber dramaturgisch viel zu inkonsequent, kein echter "Terrorfilm". An dieser Stelle verzichten [ähnlich geartete] Filme wie MARTYRS oder MENSCHENFEIND auf [unfreiwilligen!?] Humor und schaffen mit ihrer beklemmenden und nihilistischen Stimmung wahren Terror im Kopf des Zuschauers.

It's only a movie...

A SERBIAN FILM versucht gar nicht erst etwas im Kopf des Zuschauers zu erzeugen, sondern hält stets direkt mit der Kamera auf das wüste Geschehen und zeigt dabei alles. Leider entstehen hier des öfteren Szenen der unfreiwilligen Komik [unzulängliche Effekte, Gummikörperteile, gespielter Sex etc.] jegliche suggestive Komponente fehlt hier gänzlich. Die einzig gelungenen Momente des Filmes gehören den Auftritten des "Regisseurs", seine Figur deutet eine vage dämonische Komponente an, ähnlich wie Robert de Niros Charakter in ANGEL HEART. Kurz gesagt: Der Vergleich mit Genregrößen wie Lynch oder Noe war lediglich ein Marketinggag. A SERBIAN FILM ist ein eher schwacher Thriller und leider weitaus weniger skandalös als er eigentlich gerne wäre.

Ein Film an den sich in fünf Jahren niemand mehr erinnern wird!


3/10 angeklebten Gummidödeln

Die [noch lange andauernde] Geschichte um die Zensur dieses Filmes in den UK/USA wird wohl spannender als der Film selbst.



Hier noch ein lustiges kleines Detail, welches mir während dem ganzen Film durch den Kopf gegangen ist.