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DELIVER US FROM EVIL


Regie: Ole Bornedal
Buch: Ole Bornedal
Darsteller: Lasse Rimmer, Lene Nystrøm, Jens Andersen

"Schuld und Sühne" ist ein oft wiederkehrendes Thema, welches sowohl in der Literatur als auch im Film immer wieder Verwendung findet. Schon in Sam Peckinpahs ähnlich geartetem Film STRAW DOGS - WER GEWALT SÄT drehte sich unweigerlich eine Spirale der Gewalt bis die Geschichte einen fast unerträglichen Spannungsgrad erreicht.

Der Schrecken unter der Oberfläche

Der Schwede Ole Bornedal [VERFLUCHTES AMSTERDAMM] erzählt mit DELIVER US FROM EVIL eine ähnlich zermürbende Geschichte: Unter der Oberfläche eines kleinen Dörfchens schlummert ein großes Gewaltpotential, hervorgerufen durch Frustration, Einsamkeit und Neid. Eine unglückliche Ereigniskette bringt die Zündschnur dieser Bombe schliesslich zum entflammen und ein unerträgliches Inferno der [psychischen und physischen] Gewalt lodert nachts über dem kleinen Ort.

Im Kreislauf der Gewalt

Bornedals Thriller schafft es von Anfang an die Spannung kontinurierlich steigern zu lassen und nimmt dabei sehr unbequeme Formen an - man kann fast schon nicht mehr hinsehen! Die Geschichte wird in sehr düstere und ästhetische Bilder verpackt, die den starken Kontrastfilter gar nicht nötig gehabt hätten. So sieht der Film oft etwas prätentiös und gekünstelt aus, ein authentischer Look hätte hier wohl besser gepasst, darüber kann man aber hinwegsehen. Auf der Tonspur kann der Film hingegen durchweg überzeugen, selten ging gezeigte Handlung und psychologische Spannung durch die Einheit von Bild und Ton so gekonnt einher.

Eiskalt und Schonunglos

Schade dass der Film dramaturgisch zum Ende hin etwas nachlässt und seine Konflikte mehr oder minder einfach fallen lässt, dennoch weiss DELIVER US FROM EVIL zu überzeugen. Ein Film der von Verzweiflung, Fremdenfeindlichkeit und hoffnungsloser Einsamkeit erzählt. Ein Filmtipp!


8/10 Nägeln durch die Tür gejagt

CARLOS DER SCHAKAL


Regie: Oliver Assayas
Darsteller: Edgar Ramirez, Julia Hummer, Alexander Beyer, Anna Thalbach
Buch: Olivier Assayas, Dan Franck

Doku-Dramas leiden oft unter einer zähen Dramaturgie, die realistische Darstellung politischer Reibereien und konsequente Authentizität können einen Film wahrhaft ausbremsen. Nicht so bei CARLOS DES SCHAKAL, hier sind die spannendsten Momente oft genau diese kurzen Sequenzen, welche echte Nachrichtenaufzeichnungen der entsprechenden Ereignisse zeigen.

Wie ein guter Roman

Es ist beachtlich wie mitreissend ein 5,5 Stündiger Film sein kann, keine Szene wirkt zu lang oder deplaziert, man ist als Zuschauer dankbar, dass der Charakterentwicklung der einzelnen Figuren soviel Zeit eingeräumt wurde. Wenn der Abspann nach dieser gigantischen Informationsflut [und Abnutzung von Sitzfleisch] über die Leinwand läuft, hat man wirklich den Eindruck, dass sich Regisseur Oliver Assayas Zeit genommen hat um alle Seiten des Schakals zu beleuchten.

Eine zwiespältige Figur

CARLOS wird hierbei weder gefällig, noch besonders unsympathisch portraitiert, die Darstellung der zahlreichen Begebenheiten in seinem Leben, formen seine Gestalt und beleuchten umso mehr die Sinnlosgkeit von Terrorismus und kritisieren den damit einhergehenden Opportunismus. CARLOS ist gerade diesbezüglich nicht nur ein gelungenes Zeitdokument, sondern auch eine nachdenklich stimmende Parabel zur aktuellen Weltpolitik.

Liebe zum Detail

Besonders gelungen sind die Darstellungen der einzelen Zeitepochen, hier steckt in jeder Szene sehr viel Liebe zum Detail und lässt nur ansatzweise vermuten, wieviel Zeit in der Recherche zu diesem Werk gesteckt haben muss. Die Besetzung ist durchgehen gelungen, besonders Edgra Ramirez in der Rolle des CARLOS weiss zu überzeugen. Mit CALROS DER SCHAKAL ist Oliver Assayas ein sehr seltenes und umfangreiches Portrait eines schwer greifbaren Phantoms gelungen, das mit seiner Thematik auf die aktuellen Geschehnisse in der welt verweist. Unbedingt die Langfassung verschlingen!

Hinweis: Die Kinofassung des Filmes läuft ca. 140 Minuten während der Directors Cut ganze 336 Minuten dauert [für das franz. Fernsehen und dvd/BD Veröffentlichungen]


8/10 Anschläge auf den guten Geschmack

TWO WORLDS 2 [XBOX 360]



Die ersten Schritte in Antaloor...
Während ich die wunderschöne Aussicht einer weiten Steppe geniesse stellt sich mir ein großes Nashorn in den Weg, doch bevor ich mich dem Koloss nähern kann, werde ich von einem Rudel Affen angegriffen, welches ich mit meinem Schwert sogleich in die Büsche zurückjage. Das klingt zwar nach JENSEITS VON AFRIKA auf Adrenalin, beschreibt aber das Gameplay des ersten Kapitels des neuen Rollenspiels TWO WORLDS 2. Keine Angst, das Spiel beschränkt sich nicht auf ein pures Wüstensetting, es verschlägt den Helden in asiatische Gefilde, dicht bewachsene Wälder und düstere Sümpfe, doch dazu später mehr.



Der Status Quo
Seit OBLIVION aus dem Jahre 2005 den Genrethron erklommen hat, war es ruhig im Fantasy-RPG-Genre. Großartige Genrebeiträge wie FALLOUT 3 oder MASS EFFECT 1+2 boten zwar eine weitläufige Welt mit tollen Quests, spielten aber ausschliesslich im Endzeit-/Sci-Fi-Setting. Der "klassische" Rollenspieler saß lange auf dem Trockenen, Spiele wie GOTHIC 3+4 oder RISEN lagen allesamt hinter den Erwartungen, lediglich TWO WORLDS sorgte vor einiger Zeit für einen Tropfen auf dem heissen Stein. Die größten Kritikpunkte an diesem dennoch nicht ganz perfekten Titel waren die langen und belanglosen Reisen zwischen den Quests, die eher schwache Story und die durchschnittliche Portierung für die Konsolen.



Gameplay:
Gleich vorweg: Reality Pump hat sich sehr vorbildlich den Kritikpunkten des Vorgängers angenommen und schuf mit TWO WORLDs 2 einen sehr ambitionierten Anwärter auf den Genrethron. Das Spiel bietet eine spannende (und besonders umfangreiche!) Hauptquest, welche den Spieler über mehrere Inseln einer gigantischen Welt schickt. Abseits dieses Haupterzählstrangs birgt die Welt von Antaloor sehr viele Möglichkeiten sich als Abenteurer zu bewähren. Man kann z.B. den Bewohnern eines ärmlichen Dorfes dabei helfen durch die anhaltende Dürreperiode zu kommen, zahlreiche Botengänge erledigen oder einfach mit Schwert und Rüstung bewaffnet in die weite Welt ziehen und sich auf Questsuche begeben. TWO WORLDS 2 ist eindeutig ein Spätzünder, die Reise beginnt mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten auf einer Tutorialinsel und weitet die Welt langsam auf eine mittelgröße Wüsteninsel aus, die Gespräche wirken etwas hölzern inszeniert, die Wege trotz der großen Umgebung seltsam beengt, erst im Laufe vieler Spielstunden öffnet sich die "wahre" Welt von Antaloor und lädt zu atemberaubenden Erkundungstouren ein. Das RPG-typische Punktesystem wurde sehr schön umgesetzt, man muss sich am Anfang des Spiels für keine Charakterklasse entscheiden, sondern erhält die Möglichkeit im Verlauf des Spieles Schwerpunkte zu setzen. Ein sehr fortschrittliches und offenes System, wie wir finden. Zahlreiche Waffen, Rüstungen und sonstige Gegenstände können in ihre Bestandteile zerlegt werden und zur Aufbesserung bereits vorhandener Waffen verwendet werden. Ebenso ist es möglich, verschiedene Zaubersprüche zu kombinieren und durch Experimente zu völlig neuen Ergebnissen zu Gelangen. Diese angenehme Offenheit macht TWO WORLDS 2 zu einem sehr individuellen Erlebnis, welches jeder Spieler anders erfahren wird. Die Fortbewegung durch die gigantische Welt von Antaloor findet via Teleporter, Segelschiff, Pferd oder ganz klassische per pedes statt. Dungeons, Tempel und andere Räumlichkeiten gibt es auf den Inseln zahlreich, äusserlich imposant,im Interieur ab und an etwas generisch zusammengebastelt, was aber in OBLIVION auch nicht anders war. Ein sehr positiver Aspekt ist die Tatsche, dass die Gegner in dem Spiel NICHT mitleveln, somit wird man besonders zu Beginn des Spiels des Öfteren in die Schranken verwiesen, eine Eigenschaft, die leider nicht mehr oft den Weg in aktuelle RPGs finden kann.



Grafik:
TWO WORLDS 2 ist das CRYSIS der Rollenspiele, jedes der völlig unterschiedlichen Szenarien hat seinen ganz eigenen und besonderen Flair und wurde mit enorm viel Liebe zum Detail umgesetzt. Innenräume überzeugen oft mit schönen Ornamenten, realistischen Oberflächen und sehr schönen [in Echtzeit berechneten] Lichteffekte. Die Landschaften ziehen einem sofort in ihren Bann und laden zu einer abenteuerlichen Reise ein. Architektonisch überzeugen die unzähligen Tempel, Burgen, Dörfer etc., die NPC sehen ebenfalls sehr schön aus, lediglich die Animationen sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit [was aber aufgrund der unfassbaren Größe und Detaildichte der Welt nicht sonderlich stört] Die Weitsicht und die gelungene Flora und Faune erwecken das Reich von Antaloor auf beindruckende Art und Weise zum Leben.



Sound:
Schöne Melodien und eine atmosphärische Klangkulisse begleiten einem auf die Reise durch Antaloor. In den Dungeons fühlt man sich wunderbar unbehaglich, während auf der Weltkarte selbst motivierende Orchesterstücke dominieren. Stellenweise wiederholen sich einige Melodien etwas zu häufig, was aber nicht schwer ins Gewicht fällt. Die deutsche Synchronfassung ist wahrhaft vorbildlich, im Laufe des Spieles tauchen einige sehr prominente Stimmen auf, welche der Story glaubhaft Leben einhauchen.



Atmosphäre:
Egal ob wir uns in einer Savanne, einem Dschungel oder einer Schwarzwald-ähnlichen Forstlandschaft befinden, es fühlt sich stets an, als ob wir uns in einem Fantasyroman befinden. In den Dörfern und Städten entsteht eine wundervoll authentische Stimmung durch die zahlreichen Martkschreier, das Getuschel der Bewohner und passenden Nebengeräusche. Einziger Kritikpunkt wäre hier, dass die vielen verschiedenen Szenarien oft etwas auseinanderbrechen und nicht wirklich eine Einheit ergeben.



Steuerung:
Mit einem Wort: Komplex! Es bedarf einiger Stunden, wirklich ALLES zu kontrollieren zu können, die enorme Vielfalt in allen Belangen erkauft sich das Spiel eben dadurch, dass sich der Spieler viele Schritte im Handling des Inventarmenüs erarbeiten muss. Insgesamt gelungen, lediglich der Gaul streikt gelegentlich [verhält sich aber dennoch harmonischer als das Felltaxi aus OBLIVION]



Fazit:
TWO WORLDS 2 braucht seine Zeit um in Fahrt zu kommen, wir sprechen hier sicher von 7-10 Stunden, in denen man sich unbeirrt durch die Welt Antaloors kämpfen sollte. Sobald aber das zweite Kapitel eröffnet wird gibt es kein zurück mehr, die gigantische, wunderschöne Welt lässt einem so schnell nicht mehr los - die Quests sind fast ausnahmslos mitreissend und perfekt mit der Hauptstory verzahnt - wirklich ein episches Erlebnis. Zwischen den aktuellen RPGs FALLOUT:NV, FABLE 3, DRAGON AGE, GOTHIC4 und RISEN sticht TWO WORLDS 2 deutlich heraus und ist definitiv sein Geld wert, wenn man dem kleinen Meisterwerk die notwendige Zeit einräumt um sich zu entfalten.

Zusammenfassung:

Was uns an TWO WORLDS 2 gefallen hat:
+Tolle Grafik/beindruckende Kulisse
+Gigantische/enorm abwechslugsreiche Welt
+Nebenstory/Quests: großartig
+Gelungenes Skillsystem
+Experimentieren möglich
+Enorm abwechslungsreiche Haupt- und Nebenquests
+Stimmige Atmosphäre
+Perfekte Synchronisation mit zahlreicher Prominenz [z.B. Stimme von Daniel Craig]
+Übertrifft OBLIVION in fast allen Belangen
+Sauberer Konsolenport [xbox360]

Was uns an TWO WOLRDS 2 nicht gefallen hat:
-Ihre sozialen Kontakte werden unter diesem Spiel leiden!
-Die unterschiedlichen Welten verschmelzen selten zu "einer" Welt
-Hauptstory: schwach
-Etwas viel HDR und Motionblureffekte
-Schwache Mimik/Gestik insbesondere in Gesprächen
-Steuerung auf dem Pferd nur suboptimal


9/10 dunklen Herrschern

Vielen Dank an Topware für die freundliche Bereitstellung eines Testexemplares!