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HEREAFTER


Regie: Clint Eastwood
Buch: Peter Morgan
Darsteller: Matt Damon, Cecile de France, Bryce Dallas Howard, Derec Jacobi

Clint Eastwoods neuer Film beginnt mit einem lauten Knall. Eine aufwändige Tricksequenz zeigt wie ein gigantischer Tsunami über Thailand hereinbricht und zahlreiche Opfer kostet. Diese Szene ist sowohl tricktechnisch als auch inszenatorisch vollends gelungen. Als Zuschauer im Kinosessel empfindet man die immense Kraft der Natur am eigenen Leib. Im Mittelpunkt dieser Naturkatastrophe steht Marie [Cecile de France], sie wird Opfer des Tsunamis und erlebt eine Nahtoderfahrung welche sie noch nachhaltig beinflussen wird. Parallel dazu wird die Geschichte von George [Matt Damon] erzählt, der nach einem Unfall in seiner Kindheit in der Lage ist mit Toten zu kommunizieren und unter den gesellschaftlichen Folgen dieser Gabe leiden muss. Der dritte Hauptcharakter dieses Filmes ist der junge Marcus, der nach dem Tod seines Zwillingsbruder wissen will, was den Menschen nach seinem Tod erwartet.

Was erwartet uns nach dem Tod?


HEREAFTER ist ein sehr mutiger Film: nach dem lauten und effekvollen Start schraubt er sein Tempo völlig zurück und erzählt drei berührende Geschichten über Erfahrungen mit dem Jenseits, deren Spannung auf emotionaler Ebene zwischen den Zeilen liegt. Eastwood setzt sich einerseits mit der Ungewissheit der Menschen auseinander, was nach dem Leben kommt, zeigt aber auch sehr schön die Folgen und Umstände dieser Suche. So versandet HEREAFTER niemals im Hollywoodkitsch, sondern entlarvt stattdessen zahlreiche Scharlatane, welche aus diesem menschlichen Wunsch nach Erkenntnis Profit schlagen wollen. Die einzelnen Episoden über Verlust, Trauer, Neugier und dem Wunsch nach Erkenntnis verschmelzen sehr schön zu einer organischen Einheit, wobei auch die Charaktere im Laufe der Geschichte geschickt zusammengeführt werden. HEREAFTER vermeidet jeglichen religiösen Touch und vermittelt eine Art spirituelles Gefühl statt auf Klischees zu setzen. Clint Eastwood selbst komponierter Soundtrack ist wieder einmal ein subtiles Highlight und fügt sich sehr gut in die ästhetischen aber völlig unaufdringelich fotografierten Bilder ein.

Ein subtiler und berührender Blick auf Menschen mit Jenseits-Erfahrungen

HEREAFTER sollte man unbedingt im Original sehen, da der Film in Thailand, Frankreich, England, Amerika und in der Schweiz spielt und die gesprochenen Sprachen und Akzente im Film sehr viel zur Atmosphäre beitragen. Durch diesen multikulturellen Touch fühlt sich HEREAFTER fast wie das Werk eines europäischen Filmemachers an, hier besteht die Welt nicht nur ausschliesslich aus Amerika [wie viele US-Blockbuster oft vermuten lassen]. Mit HEREAFTER ist Clint Eastwood ein ungewöhnlicher und zugleich hervorragender Genremix gelungen.


9/10 Stimmen aus dem Jenseits

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