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NEVER LET ME GO


Regie: Mark Romanek
Buch: Alex Garland
Darsteller: Andrew Garfield, Keira Kinghtly, Carey Mulligan

Kazuo Ishiguros [Remains of the Day] Roman NEVER LET ME GO ist ein genialer Blick in die Zukunft, eine entmenschlichte Gesellschaft züchtet humanoide Erstatzteillager, welche parallel zur "normalen" Gesellschaft "gezüchtet" und "erzogen" werden. Die Geschichte überzeugt durch seine emotionale Tiefe aber zugleich auch durch die hohe Glaubwürdigkeit ihres dystopischen Ansatzes.

Kann man eine Seele züchten?

Regisseur Mark Romanek [ONE HOUR PHOTO] setzt den Fokus seiner Verfilmung auf eine recht unspektakuläre Dreiecksbeziehung und verliert dabei den gesellschaftskritischen Grundtton der Vorlage vollkommen aus dem Blick. Es scheint als habe sich Drehbuchautor Alex Garland [THE BEACH] gar nicht für den Sci-Fi-Überbau der Geschichte interessiert, sämtliche interessanten Aspekte und moralische Fragen aus Ishiguros starkem Roman wurden auf eine banale Liebesgeschichte heruntergebrochen. Die Schauspieler bleiben dabei allesamt sehr blass und wirken recht führungslos, allen voran Keira Knightley deren Rolle überhaupt keine Tiefe erreicht und sogar neben Carey Mulligans bemühten Hundeblick untergeht.

LOGANS RUN mit angezogener Handbremse

Da hilft leider auch keine [unorganische] Aufschlüsselung in Rückblenden, der Versuch einer aufgesetzten erzählerischen Klammer vermag hier keine Substanz oder gar Anspruch herbeizuzaubern. Für die Einleitung und den Epilog versuchte Romanekt nicht einmal die richtigen Bilder zu finden, stattdessen wird der Zuschauer mit schnöden Texttafeln konfrontiert. Ein trauriger Umstand, denn gerade in den Bildern liegt die [einzige] Stärke dieses Filmes. Insgesamt ist NEVER LET ME GO weder Fisch noch Fleisch, einerseits fehlt es ihm an Tiefe und dystopischer Kraft, auf der anderen Seite vermag auch die schlichte Lovestory nicht wirklich zu fesseln. Was bleibt ist ein eleganter Bilderbogen mit wunderschöner Musik. Eine Art Arthausversion von LOGANS RUN oder THE ISLE in Zeitlupe und ohne die Substanz der großartigen Vorlage. Dem Roman wurden sozusagen seine Organe operativ entfernt, was übrig bleibt ist eine schöne, dennoch leere Hülle.


3/10 operativ entfernten Herzen


Kommentare:

  1. endlich kritisiert mal jemand diesen film ernsthaft, die allg. postive resonanz der presse zu diesem einschläfernden machwerk kann ich ganz und gar nicht verstehen, ich mag das buch wirklich sehr aber wie in dieser kritik schon festgestellt wurde gibt es beim film bloss schöne bilder und sonst nichts. wirklich eine schande!

    danke für die info mit dem regisseur, one hour foto hat mir damals eigentlich sehr gut gefallen, kann nicht verstehen wie der gute man SOWAS leisten kann.

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  2. Es scheint wirklich sehr gegensätzliche Meinungen zu diesem Film zu geben. Auf meinem Blog findet sich eine Gastkritik, die viele der Aspekte die du genannt hast letztendlich doch als positiv hervorhebt. In gewisser Weise kann ich beide Meinungen nachvollziehen, aber ich werde mir wohl bei Gelegenheit einen eigenen Eindruck verschaffen. One Hour Photo hat mir damals ganz gut gefallen, wenngleich ich den Film als sehr depressiv in Erinnerung habe.

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  3. ONE HOUR PHOTO hat mich auch wirklich überzeugt, auch wenn ich mit Robin Williams in ernsten Rollen eher ein Problem habe...
    ANATOMIE EINER ENTFÜHRUNG ist übrigens auch von Mark Romanek - recht spannender Thriller mit Helen Mirren und Robert Redford

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