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Ein Filmabend mit Bruce Willis

In Zusammenarbeit mit Lars von filmlemmige.de haben wir ein kleines Crossover gestartet und uns einen älteren und einen neueren Film von Bruce Willis angeschaut und unsere Meinungen zu den eher unpopulären Filmen notiert, viel Spass beim Lesen.

THE LAST BOYSCOUT
[1991]


Regie: Tony Scott
Buch: Shane Black
Darsteller: Bruce Willis, Damon Wayans

Shane Black [Regie bei KISS, KISS, BANG, BANG] schrieb 1991 das Skript zu LAST BOYSCOUT, einem seinerzeit zu Unrecht verschmähten Buddymovie welches erst im Laufe seiner Heiminoauswertung Kultstatus erreichen sollte. Genaugenommen gehört der Film sogar zu den größten Flops aus der Karriere von Bruce Willis, aber wie oft so üblich haben Einspielergebnisse und die wahren Qualitäten eines Filmes soviel gemeinsam wie Uwe Boll und die Oscarverleihung.



Im Falle von LAST BOYSCOUT vereint Shane Black die besten Zutaten seiner LETHAL WEAPON-Scripts, was unter der Regie von Ex-Werbefilmer [und Bruder von Ridley Scott] Tony Scott in schweisstreibende Hochglanz-Bilder verpackt wurde. Die Sprüche sind mittlerweile legendär, der Name des Protagonisten ist Programm [Hallenback klingt wie "Hell and Back"] und auch der Rest dieser zugegeben nicht ganz klischeefreien Story sind ein gefundes Fressen für jeden Actionfan. Das Actiongewitter stellt filmgeschichtlich sozusagen das ideologische Ende der 80er Jahre dar, nach LAST BOYSCOUT wirkt jeder andere Actionstreifen diese Gattung nur noch brav und spiessig. In dieser Geschichte gibt es keinen sauberen Helden, der besoffene Hallenback bekommt ordentlich auf die Fresse [pardon] und wird dennoch nicht müde seine Gegenspieler zu provozieren - eine Tugend die Tony Scoots-Shootout-Orgie fast schon in das Licht des schmutzigen Italo-Westerns rücken.



Nach einer unterirdisch schlechten DVD bekommt der Film endlich eine würdige Bluray-Umsetzung spendiert, Bild und Ton sind Klasse, der Ton geht auch in Ordnung - eigentlich kein Grund sich diesen Klassiker nicht ins Haus zu holen. Zwar ist der Film immer noch ein fester Bestandteil der deutschen Index-Liste, kann aber günstig [und mit deutscher Tonspur] aus England importiert werden.

LAST BOYSCOUT ist schmutzig, gewalttätig, unmoralisch und ein hochgradig jugendgefährdendes Werk - Schund für die FSK, der perfekte Actionfilm für den wahren Filmfan!


10/10 nicht ganz objektiven Eisbrechern

PS: nach aktuellem Stand wird Drehbuchautor Shane Black die US-Realverfilmung zum Anime/Manga DEATH NOTE realisieren - das lässt definitv hoffen!

LUCKY NUMBER SLEVIN [2006]


Regie: Paul McGuigan
Buch: Jason Smilovich
Darsteller: Josh Hartnett, Bruce Willis, Morgan Freeman, Ben Kingsley

Eigentlich geht es gerade weiter unter der Kategorie "An der Kinokasse durchgefallen" - nur ein weiterer Beweis dafür, dass der Geschmack des Mainstreams irgendwie nicht so recht zu gebrauchen ist. Mit LUCKY NUMBER SLEVIN hat sich der schottische Regisseur Paul McGuigan [THE ACID HOUSE, GANGSTER NO.1] an einem Actionfilm versucht. Interessant ist hier die bekannte Ausgangsituatuion: im Prinzip handelt es sich um eine Variante von Akira Kuroswas YOJIMBO, bzw. Sergio Leone's FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR [der unter dem Titel LAST MAN STANDING schon einmal mit Bruce Willis neu aufgelegt wurde].



Auch in der prominent besetzten Gangstermär LUCKY NUMBER SLEVIN werden zwei Clans gegeneinander ausgespielt, was einen halsbrecherische und schweisstreibenden Handlungsverlauf zur Folge hat. Zwar hat Bruce Willis hier eher eine Nebenrolle, aber dennoch gehört er neben Josh Hartnett, Morgan Freeman und Ben Kinglsey zu den bemerkenswerten Gesichtern der Besetzung.



Hier wird mit vielen Zutaten des Genres gespielt, zahlreiche Filmklassiker werden zitiert und auch handwerklich spielt der Film in der obersten Liga. LUCKY NUMBER SLEVIN überzeugt durch seine spannende Geschichte, obwohl er sich selbst nie zu Ernst nimmt, der Held könnte zwar aus der Gattung des Film Noir entstammen, dennoch kommt der Humor hier niemals zu kurz. Bis zum Schluss geizt der Film nicht mit überraschenden Wendungen, großartig gemachten Actionsequenzen und knackigen Dialogen.

Da LUCKY NUMBER SLEVIN in den UK und den USA ein großer Flop war, entschied sich Constantin Film auf eine Kinoauswertung zu verzichten und brachte die Actionkomödie gleich auf DVD und später auf einer akzeptablen Bluray heraus.


9/10 knallharten Rabbis

Fazit: Gerade zwei der größten Flops dieses Schauspielers gehören zu seinen frischesten und charakteristischsten Werke seiner Laufbahn. LAST BOYSCOUT und LUCKY NUMBER SLEVIN stellen sozusagen das perfekte Double Feature für einen gelungenen Filmabend dar und sind eine absolute Bereicherung für jeden Action- bzw. Bruce Willis-Fan.

→ Hier könnt ihr lesen was Lars von filmlemminge.de zu den beiden Filmen meint.

Trailer zu LAST BOYSCOUT



Trailer zu LUCKY NUMBER SLEVIN

Kommentare:

  1. "eine Tugend die Tony Scoots-Shootout-Orgie fast schon in das Licht des schmutzigen Italo-Westerns rücken" - nunja, hoffentlich nur eine sprachliche Hyperbel;)

    Für mich war der Last Boyscout leider eine zu starke Kopie von den deutlich interessanteren Vorgängern Stirb Langsam 1 & 2.

    Ich kann verstehen, dass er für dich Overkill und Hommage ist, aber leider konnte ich keinen richtigen Spaß an der Sache finden, weil die Sprüche mir auf Dauer keinen Spaß bereitet haben und das ganze doch teilweise sehr aufgesetzt wirkte.

    Aber da scheiden sich dann die Gemüter.;)

    Mir war es jedenfalls auch eine Ehre! Der nächste Filmabend folgt hoffentlich bald...

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  2. Sehr nett geschrieben. Stimme so ziemlich mit deiner Meinung ueberein Herr Kurz.

    Ich weiß noch, dass ich vor zich Jahren, als ich noch ein kleiner Junge war und damals sicher schon ins Bett haette muessen, "Last Boy Scout" im TV entdeckt habe. Gluecklicherweise waren unsere Eltern nicht zu Gegen und Bruderherz und ich haben uns den Film angeschaut - ich glaube es war '99 oder so. Damals war ich bereits total begeistert, auch wenn ich mit ziemlich großer Sicherheit nichteinmal die Haelfte der Gags verstehen konnte - als 9-Jähriger.


    Jahre, JAHRE spaeter, mittlerweile einigermaßen Ahnung von Filmen, spuckte mir der Film immer wieder im Kopf herum. Irgendwann war es dann einfach so weit, dass ich mir den Film besorgt habe und mit einem Kumpel (großer "Die Hard"-Fan) angeschaut habe - erst da habe ich uebrigens erfahren, dass der Streifen damals als ich 9 war uebelst geschnitten war - nun denn, diesmal Uncut.
    War vermutlich noch mehr von den Socken als damals und heute habe ich den Film sicherlich schon 8x gesehen und werde mir demnaechst auch die BD importieren lassen.
    Das nur mal als kleine Anekdote und was ich so mit dem Film verbinden kann :]

    Zu Lucky # Slevin moechte ich jetzt nicht mehr allzu viel schreiben, außer vielleicht, dass meine Wertung auch 9/10 ist. ;)

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  3. @samploo danke für die tolle kindheits-schilderung, ging mir damals genauso - habe den film nur in (unbewusst)geschnittener fassung im tv gesehen und bin von der bösartigkeit der action und der dialoge förmlich dahingeschmolzen. heutzutage
    weiss man das gar nicht mehr so wirklich zu schätzen, dass man so einen film mal eben bei den engländern zum schnäppchenpreiss ergattern kann.

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