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MELANCHOLIA


Regie: Lars von Trier
Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Charlotte Rampling, Kiefer Sutherland, John Hurt

Bereits ab der ersten Filmminute ist klar: Lars von Trier lässt die Welt mit Anmut und Schönheit untergehen, kein Weg führt daran vorbei, dieser Ausgang ist unaufhaltsam und endgültig. In MELANCHOLIA herrscht keine Massenpanik, diese Menschen sind alleine und mit ihren Ängsten auf sich gestellt. Lars von Trier scheint nach ANTICHRIST, seiner Hommage an Andrei Tarkovskij's DER SPIEGEL [MIRROR], ein weiteres Mal vom russischen Meister inspiriert worden sein, denn MELANCHOLIA fühlt sich wie das nihilistische Gegenstück zu OPFER [SACRIFICE] an. Sowohl das Setting als auch die Ausgangssituation beider Filme sind sich sehr ähnlich, in ihrer Aussage hingegen völlig verschieden.



Während bei Tarkowskij das Opfer eines Einzelnen Hoffnung für die gesamte Menscheit bringt, hilft in von Triers Apokalypse kein Märtyrer, Gott scheint diesen Planeten schon lange verlassen zu haben, was sich unter anderem aus dem Charakter von Claires Mutter ablesen lässt. Der Planet MELANCHOLIA und das einhergehende Fegefeuer sind nicht nur unausweichlich, sie scheinen förmlich herbeigesehent. So etwas schafft kein Roland Emmerich und schon gar kein Michael Bay, denn ein glaubwürdiger Weltuntergang braucht weder Explosionen noch gigantische Wirbelstürme. Die apokalyptischen Bilder erzeugen eine bedrückende Endzeitstimmung auf höchst ästhetische Art und Weise. Emotional geht die Welt tatsächlich schon lange vor dem physischen Ende unter, der finale Knall wirkt eher wie das Nachwehen sämtlicher Emotionen und Gefühlszustände der Protagonisten.



Hier sind wir auch schon bei den Schauspielern: Lars von Trier hat eine phänomenale Besetzung zusammengetrommelt, sowohl Kirsten Dunst als auch Charlotte Gainsbourg tragen den Film mit ihren Blicken und Gesten. Kiefer Sutherland beweist nach seiner 24-Dauerschleife, dass er tatsächlich schauspielern kann und ebenso der der Rest der Besetzung lässt einige Nebenrollen nachhaltig in Erinnerung verweilen [allen voran Charlotte Rampling]. Während in der ersten Hälfte ein ideologischer Weltuntergang sämtlicher Konventionen und Emotionen stattfindet, kracht in der zweiten Hälfte tatsächlich das manifestierte Unheil auf unseren Planeten herab. MELANCHOLIA ist eine bildgewaltige, atemberaubende und dennoch sehr intime Endzeitvision, wie es sie in die dieser Form noch nie gegeben hat und wahrscheinlich nie wieder geben wird.


9/10 Planeten auf Kollisionskurs


1 Kommentar:

  1. Bin grad im Kino gewesen. Großartiger Film!
    Mir stieß zwar die atheistische Grundhaltung von Dunsts Figur erst sauer auf, aber erwies sich im Gesamtkonzept als äußerst passend um die Stimmung des Films zu tragen. Ein starkes Bild für unsere Zeit, eine passende Momentaufnahme für den Zustand und das, was mit unsereren Gesellschaften Weltweit momentan passiert - vor allem dem Finanzsystem. Etwas altes stirbt. Unerbittlich. Das von Trier ein so scheinbar negativen und konsequenten Schlussstrich zieht hat mir sehr zugesagt. Nichts sonst hätte das Publikum im Kino so reagieren lassen können (Minutenlange absolute Stille) wie dieses Ende. Es lässt mich mit der Frage zurück: will ich das? Was will ich stattdessen?

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