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OASIS [Lee Chang-Dong]


Regie: Lee Chang-Dong
Darsteller: Sol Kyung-Gu, Moon So-Ri

Der südkoreanische Ex-Kulturminister (!) Lee Chang-Dong ist zwar ein absoluter Ausnahmeregisseur, trotzdem wurde bisher kein einziger seiner Filme auf deutsch synchronisiert und hierzulande ins Kino gebracht. Um die südkoreanischen Schätze dieses Filmemachers zu würdigen werden nun einige seiner Filme im Palastmagazin besprochen, angefangen mit OASIS aus dem Jahre 2002.



Der einfältige Jong-Du [Sol Kyung-Gu aus PEPPERMINT CANDY, ANOTHER PUBLIC ENEMY und SILMIDO] wird aus dem Gefängnis entlassen. Der Zuschauer erfährt, dass er vor über zwei Jahren einen Mann bei einem Autounfall getötet haben soll. Jong-Du hat große Probleme Verantwortung in seinem Leben zu übernehmen und wird daher von seiner Familie aufgefordert ein "anständiges Mitglied der Gesellschaft" zu werden. Jong-Du versteht darunter, dass er sich bei Gong-ju, der Tochter des Opfers, entschuldigen muss. Gong-Ju [Moon So-Ri] ist allerdings schwerbehindert und wird von ihren Pflegern vernachlässigt bzw. mehr oder weniger ausgenutzt und vegetiert den ganzen Tag in einer kleinen Wohnung vor sich hin. Nach einem unbeholfenen, fast schon gewalttätigen Annäherungsversuch veliebt sich Jong-Du in Gong-Ju und die beiden müssen erfahren wie intolerant die Gesellschaft auf sie reagiert. Obwohl Beide an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, bauen sie sich eine kleine, private Oase in Gedanken auf.



Gleich Vorweg: OASIS ist ein Meisterwerk! Moon So-Ri in der Rolle der schwerbehinderten Gong-Ju produziert Gänsehaut und ganz große Ehrfurcht beim Zuschauer, selbst Daniel Day-Lewis' oscarprämierte Performance aus MEIN LINKER Fuß hat es schwer an diese brilliante Darbietung heranzureichen, aber auch Sol Kyung-gu als Jong-du spielt den einfältigen, zunächst unsympathischen, auf den zweiten Blick aber dennoch warmherzigen Aussenseiter mit einer beindruckenden Intensität. Regisseur Lee Chang-Dong verzichtet zwar weitgehend auf dramaturgische Ausschmückungen, dennoch zeigt er einige Sequenzen aus der Sicht der behinderten Jong-Du, was einen wunderbaren erzählerischen Kontrast und eine stellenweise fast schon märchenhafte Anmutung erschafft.



OASIS beschönigt nichts, entzückt aber mit einem zutiefst menschlichen und hoffnungsvollen Appell daran, dass Jeder das Recht auf Liebe und Zuneigung hat. Frei von Kitsch und Pathos erzählt dieser mutige Film eine märchenhaft-realistische Geschichte von zwei gesellschaftlichen Aussenseitern, welchen es unmöglich ist eine Beziehung miteinander zu führen, dennoch aber einen Weg zueinander finden. Schmerzhaft intensiv und herzzerreissend!


10/10 Tofuklumpen in der Magengrube

1 Kommentar:

  1. oh, das hört sich sehr gut an, von dem film hatte ich nur mal am rande gehört, hatte ihn aber gar nicht mehr auf dem radar...danke für den tipp!

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