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Takeshi Kitanos OUTRAGE


Regie: Takeshi Kitano
Drehbuch: Takeshi Kitano
Darsteller: Takeshi Kitano, Renji Ishibashi, Ryô Kase, Sôichirô Kitamura

Ex-Komiker und Mitbegründer des modernen japanischen Kinos Takeshi "Beat" Kitano kehrt zurück vor [und hinter] die Kamera, und erneut dreht sich die irreversible Spirale der Gewalt. Alles fängt damit an, dass dem falschen bösen Buben buchstäblich in die Suppe gespuckt wird. Wer konnte schon ahnen dass ein unscheinbarer Zechpreller ausgerechnet zu einer der größten und einflussreichsten Yakuzafamilien gehört? Was nun folgt ist das bittere und extrem gewalttätige Kräftemessen zweier machtgieriger Yakuzaclans mit einem erwartungsgemäß unschönen Ausgang.



"Gewalt erzeugt Gegengewalt" - getreu diesem Motto fressen sich die Yakuzas selbst auf und am Ende dieser opferreichen Blutfehde verbleiben nicht Viele unversehrt. OUTRAGE erzählt hier keine wirklich neue Geschichte, im Gegenteil, er greift ein Thema auf, dem sich Filmemacher Johnny To [ELECTION, FULLTIME KILLER] schon längst ausführlich gewidmet hat. Takeshi Kitanos neuester Streich ist zwar eine vergleichsweise simple Schuld- und Sühnestory in der sich alles nur um Rache und Genugtuung dreht, hinter dieser Fassade deckt er jedoch mit einer trockenen, fast schon komischen Art die Skurrilität und auch die Naivität jener Machtspielchen auf.



Formal ist OUTRAGE zwar brilliant - sowohl die Schauspieler als auch die teilweise extrem blutgetränkten Bilder überzeugen vollends - lediglich der sonst so innovative Geist Kitanos blitzt nicht ganz so hell hervor wie gewohnt. Das Fehlen einer Identifikationsfigur erschwert den Einstieg in den Film, betont aber umso mehr die Unsympathie seiner Protagonisten, worin die eigentliche Aussage von OUTRAGE nur noch mehr unterstrichen wird. Aus diesem bewusst gewählten filmischen Stilmittel resultiert zuweilen eine gewisse Spannungsarmut, somit ist OUTRAGE eben "nur" ein guter Yakuzafilm, an dem Freunde von Martin Scorsesses Mafiaepen und Johnny To's Yakuzafilmen ihre helle Freude haben werden, nicht mehr und nicht weniger.



Capelight bringt OUTRAGE erfreulich rasch nach Deutschland - und dann auch noch in einer absolut vorbildlichen Form! Neben einer Standard-DVD-Ausgabe ehrt Capelight Takeshi Kitanos neuesten Streich mit einem edlen Mediabook, welches neben der DVD und Bluray des Filmes auch noch das frühe Kitano-Werk DAS MEER WAR RUHIG [A SCENE AT THE SEA] auf einer separaten Disk beinhaltet. Bei dem Frühwerk handelt es sich um die deutsche Erstveröffentlichung.

Extras: Das Bonusmaterial ist für einen japanischen Film sehr umfangreich geraten, so kann man auch nach Sichtung des Filmes weitere Stunden in der Welt Kitanos verbringen. Die Extras umfassen unter Anderem ein Interview mit Takeshi Kitano selbst, Behind the Scenes, Making Of, Cannes Premiere, Japan Premiere, Trailer und diverse Interviews [Four Shots].
Der tollste Bonus ist allerdings das Frühwerk DAS MEER WAR RUHIG, welches zum ersten mal hierzulande auf DVD erscheint.

Bild: Der brilliante Schwarzwert und die überzeugende Schärfe lassen OUTRAGE nach dem aussehen was er auch ist: einem aktuellen, optisch knackigen Film!

Ton: Es hat sich etwas getan, seit den katastrophalen Synchros asiatischer Filme aus den 90ern [man denke an frühere Kitanos oder John Woos] OUTRAGE überzeugt durch eine professionelle, gut gemachte Vertonung, welche auch von der technischen Seite zu überzeugen weiß. Besonders bei den rasanteren Szenen hat die Heimkinoanlage viel zu tun - zum Leid der Nachbarn. Sowohl die deutsche als auch die japanische Tonspur liegt in glasklarem DTS-HD Master-Audio vor und lässt keine Wünsche offen.

Fazit: Besonders im Mediabook ist OUTRAGE ein wahrer Augenschmaus, diese Bluray überzeugt sowohl durch ihr Äusseres, als auch durch ihr Inneres!


8/10 abgehackten Fingern

HEREAFTER


Regie: Clint Eastwood
Buch: Peter Morgan
Darsteller: Matt Damon, Cecile de France, Bryce Dallas Howard, Derec Jacobi

Clint Eastwoods neuer Film beginnt mit einem lauten Knall. Eine aufwändige Tricksequenz zeigt wie ein gigantischer Tsunami über Thailand hereinbricht und zahlreiche Opfer kostet. Diese Szene ist sowohl tricktechnisch als auch inszenatorisch vollends gelungen. Als Zuschauer im Kinosessel empfindet man die immense Kraft der Natur am eigenen Leib. Im Mittelpunkt dieser Naturkatastrophe steht Marie [Cecile de France], sie wird Opfer des Tsunamis und erlebt eine Nahtoderfahrung welche sie noch nachhaltig beinflussen wird. Parallel dazu wird die Geschichte von George [Matt Damon] erzählt, der nach einem Unfall in seiner Kindheit in der Lage ist mit Toten zu kommunizieren und unter den gesellschaftlichen Folgen dieser Gabe leiden muss. Der dritte Hauptcharakter dieses Filmes ist der junge Marcus, der nach dem Tod seines Zwillingsbruder wissen will, was den Menschen nach seinem Tod erwartet.

Was erwartet uns nach dem Tod?


HEREAFTER ist ein sehr mutiger Film: nach dem lauten und effekvollen Start schraubt er sein Tempo völlig zurück und erzählt drei berührende Geschichten über Erfahrungen mit dem Jenseits, deren Spannung auf emotionaler Ebene zwischen den Zeilen liegt. Eastwood setzt sich einerseits mit der Ungewissheit der Menschen auseinander, was nach dem Leben kommt, zeigt aber auch sehr schön die Folgen und Umstände dieser Suche. So versandet HEREAFTER niemals im Hollywoodkitsch, sondern entlarvt stattdessen zahlreiche Scharlatane, welche aus diesem menschlichen Wunsch nach Erkenntnis Profit schlagen wollen. Die einzelnen Episoden über Verlust, Trauer, Neugier und dem Wunsch nach Erkenntnis verschmelzen sehr schön zu einer organischen Einheit, wobei auch die Charaktere im Laufe der Geschichte geschickt zusammengeführt werden. HEREAFTER vermeidet jeglichen religiösen Touch und vermittelt eine Art spirituelles Gefühl statt auf Klischees zu setzen. Clint Eastwood selbst komponierter Soundtrack ist wieder einmal ein subtiles Highlight und fügt sich sehr gut in die ästhetischen aber völlig unaufdringelich fotografierten Bilder ein.

Ein subtiler und berührender Blick auf Menschen mit Jenseits-Erfahrungen

HEREAFTER sollte man unbedingt im Original sehen, da der Film in Thailand, Frankreich, England, Amerika und in der Schweiz spielt und die gesprochenen Sprachen und Akzente im Film sehr viel zur Atmosphäre beitragen. Durch diesen multikulturellen Touch fühlt sich HEREAFTER fast wie das Werk eines europäischen Filmemachers an, hier besteht die Welt nicht nur ausschliesslich aus Amerika [wie viele US-Blockbuster oft vermuten lassen]. Mit HEREAFTER ist Clint Eastwood ein ungewöhnlicher und zugleich hervorragender Genremix gelungen.


9/10 Stimmen aus dem Jenseits

SUMMER WARS


Produktion: MADHOUSE
Regie: Mamoru Hosada
Release: DVD und BluRay von Kazé

Für den jungen Schüler Kenji wird der Sommerurlaub schnell zum Albtraum, denn eine virusartige Künstliche Intelligenz gibt sich für ihn aus und bringt die Weltordnung durch Sabotage eines großen Netzwerks völlig durcheinander. Zunächst muss sich Kenji gegen die Vorwürfe der Datenkriminalität stellen, bald geht es jedoch um sehr viel mehr...

The [animated] Social Network

SUMMER WARS überzeugt durch seine gelungene Darstellung von "OZ" einem großen, weltumgreifenden Netzwerk - einer Art Facebook 2.0 - in dem mittlerweile alle Bewohner dieses Planeten agieren. Die reale und die digitale Welt sind hier schon völlig miteinander veschmolzen, wenn es Probleme in der einen Welt gibt, so beinträchtigt dies auch das Leben in der "anderen" Welt. Genau in der Darstellung dieser Abhängigkeit ist der Film besonders stark und bringt einige sehr bemerkenswerte Gedanken über unser gegenwärtiges soziales Zusammenleben in die unterhaltsame und locker erzählte Geschichte um den Elftklässler Kenji und seine Familie, welche gemeinsam die Welt retten. Das oft für Qualität bürgende Studio MADHOUSE [PARANOIA AGENT, DEATH NOTE] zeichnet sich für die Produktion dieses schönen Animes aus. Das Design und die Animationen sind in diesem Film von allererster Güte und stellen wohl momentan die Referenz bezüglich der Bildgestaltung der Gattung "Anime" dar, besonders die Darstellung von OZ zeugt von einigen sehr kreativen Köpfen hinter dem Konzepttisch.
2D- und 3D-Animationen verchmelzen hier zu einer organischen Einheit und sind optisch nicht voneinander zu unterscheiden - ein Fest für die Augen.

Nichts kommt von ungefähr

Regisseur Mamoru Hosada erregte schon großes Aufsehen durch den Blockbuster DAS MÄDCHEN, DAS DURCH DIE ZEIT SPRANG, mit SUMMER WARS füllte er letztes Jahr die Kinosäle Japans erneut und war damit sehr erfolgreich. Der Film war übrigens der erste Anime, der je beim Internationalen Filmfestival von Locarno aufgeführt wurde und schaffte es auch auf viele andere renommierte Festivals wie z.B. die Berlinale, Sitges oder das Leed International Filmfestival.

SUMMER WARS erschien unter dem Label Kazé in einigen tollen Editionen, welche einem die Kaufentscheidung nicht leicht machen. Neben der "Standart"-DVD gibt es ein sehr schön gestaltetes Digipack mit einem hübschen Booklet, einigen Aufklebern und interessanten Hintergrundinfos zum Film, dann wäre da noch die wirklich gelungene Bluray-Ausgabe, welche mit einer beindruckenden Bild- und Tonqualiät des in HD preoduzierten Animes aufwarten kann - Absolute Kaufempfehlung!


9/10 Durchgequalmten Tastaturen