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THE WARD


Regie: John Carpenter
Buch: Michael und Shawn Rassmusen
Darsteller: Amber Heard, Mamie Gummer, Danielle Panabaker, Laura-Leigh, Lyndsy Fonseca, Mika Boorem, Jared Harris

Nach zehnjähriger Leinwandabstinenz kehrt Horror-Legende John Carpenter [THE FOG, THE THING, HALLOWEEN] mit THE WARD zurück in die Kinosäle. Nach seinem von Kritikern eher mißgünstig aufgenommenen GHOST OF MARS begeisterte Carpenter mit CIGARETTE BURNS, einem Kurzfilmsegment der Horrorreihe MASTERS OF HORROR [Staffel 1]. Der Kurzfilm überzeugte durch eine innovative und referenzlastige Geschichte, einer sehr gelungenen Atmosphäre und einigen überzeugenden Schauspielern. Darauf folgte mit PRO LIFE ein weiteres, ebenfalls gelungenes, wenn auch nicht herausragendes Segement der MASTER OF HORROR-Sammlung [Staffel 2] - alle Zeichen deuten nun darauf hin, dass der Altmeister wieder zu seinen frühen Tugenden gefunden hat, aber kann er diese Erwartung mit THE WARD einlösen?

Der Oldschoolhorror beginnt...


Die Geschichte von THE WARD dreht sich um fünf Mädchen welche in einer Nervenheilanstalt von einem dämonenartigen Wesen heimgesucht werden. Inmitten dieses geisterhaften Treibens versucht die neue Insassin Kristen [Amber Heard] hinter das Geheimnis dieses Fluches zu kommen. Im Laufe der Geschichte werden die Hintergründe des Spuks und Kristens Vergangenheit schrittweise näher beleuchtet. Die Gespräche mit ihrem Therapeuten [stark gespielt: Jared Harris] lassen zunehmends vermuten, dass es in der Anstalt nicht mit rechten Dingen zugeht.

Gegen den Trend!


THE WARD schwimmt erfreulicherweise gegen die ausgelutschte und einfallslose TORTURE-PORN/CATIII-Welle, so präsentiert sich der Film recht blutarm, dafür aber atmosphärisch umso dichter. Insgesamt kann man Carpenters neuester Streich in seiner Machart als "klassisch" und auch "zeitlos" bezeichnen, die Spannung bezieht der Film durch ein Stakkato aus spannungsgeladenen Fluchtversuchen und geisterhaften Schockmomenten - stets im ausgewogenen Maße - Gore und Splatter sucht man hier [fast] vergebens. Amber Heard [ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE, THE INFORMERS] spielt ihre Rolle stark und bietet ausreichend Identifikationspotential, was bei einem Film mit diesem Setting von großer Bedeutung ist.

Starkes Handwerk!

Mit Kameramann Yaron Orbach hat Carpenter einen Glücksgriff gelandet, seine ästhetisch sehr steng konzipierten Bilder machen besonders die Verfolgungsjadgen zum Highlight des Besuchs in der Irrenanstalt. Zwar ist Carpenter dieses Mal nicht selbst für den Soundtrack zuständig, aber Mark Kilians Score kann trotzdem mit sehr atmosphärischen Klängen und nerventreibenden Schockpassagen überzeugen. Leider lässt THE WARD aufgrund des ausgetauschten Stammpersonals die sonst übliche Handschrift vermissen, aber vielleicht ist es auch besser, etwas neues auszuprobieren statt immer und immer wieder dieselben Stilmittel zu verwenden. Somit hebt sich Carpenter von abgestürzten Horrorlegenden á la Dario Argento [MOTHER OF TEARS] erfreulich ab und liefert einen sehr straighten, gut gemachten Genrefilm ab. Ob dieser fast schon altmodische Film beim reizüberfluteten Publikum punkten kann bleibt zwar fraglich, aber bei Freunden stimmungsvoller Geistergeschichten hat Carpenter definitiv einen Punkt gelandet.

THE WARD ist ein spannender und kurzweiliger Gruseltrip, der zum Ende hin auch mit einer gelungenen Wendung punkten kann.


7/10 Geistern unterm Bett