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THE MAN FROM NOWHERE


Regie: Lee Jeong-beom
Darsteller: Won Bin, Kim Sae-ron, Kim Tae-hoon, Lee Jong-pil, Song Yeaong-chang

Eigentlich ist es "nur" ein Flickenteppich aus altbekannten Versatzstücken: Ein Mann will seine Vergangenheit hinter sich lassen, muss aber aus gegebem Anlass erneut hinter die Waffen. Der eigentlich Plot dreht sich um die Befreiung eines jungen Mädchens aus den Händen völlig überzeichneter Gangster wie aus dem Bilderbuch. Tatsächlich wirkt THE MAN FROM NOWHERE wie eine bunte Melange aus OLDBOY, MAN UNDER FIRE und TAKEN, allerdings punktet diese Rachegeschichte mit einem phänmenalen Spannungsbogen und perfekt gemachter Action.

Im Osten nichts Neues

Beispiel: In THE MAN FROM NOWHERE springt der Protagonist durch eine Scheibe aus einem Gebäude, er steht auf, rennt die Straße entlang und wird in eine Schiesserei verwickelt, dabei klebt die Kamera die ganze Zeit hier ihm [inklusive der Sprungsequenz!] hier entsteht ein hypnotischer Bildersog der die Action umso spürbarer macht. Neben der packenden Action überzeugt der harte Thriller auch auf emotionaler Ebene, zwar wirken die Bösewichte wie Abziehbilder aus einem Comicheft, dennoch fesselt die emotionale Bindung zwischen dem Hauptprotagonisten und dem entführten Mädchen - was die eigentliche Killerhatz überhaupt erst spannend macht.

Ein Gedicht für jeden Actionfan

Sicher gibt es viele Löcher in der Handlung und einige moralischen Konsequenzen wirken etwas fragwürdig, aber THE MAN FROM NOWHERE schafft ein rundes, in sich geschlossenes Universum weitab von der Realität, in welchem der Zuschauer sogar die problematische Selbstjustiz in einer gewissen Art und Weise akzeptieren kann. Der kühle Rachethriller war in Korea der erfolgreichste Film 2010 und machte Hauptdarsteller Won Bin über Nacht zum Superstar. Fans großer Action werden sich sofort in diesen Film verlieben, aber auch abseits des cineastischen Infernos weiß THE MAN FROM NOWHERE zu überzeugen.

Die Bluray: Das Bild überzeugt durch hohe Schärfe, tolle Farben und einen guten Schwarzwert. Der Ton in DTS-Master Audio 5.1 bringt das Heimkino zum Glühen und wird dem handwerklich überragenden Thriller mehr als gerecht. Bei den Extras befindet sich ein zweiteiliges Making of, ein Musikvideo und eine umfangreiche Trailershow.


9/10 brennenden Leinwänden

TRIAGE


Regie: Danis Tanovich
Darsteller: Colin Farell, Christopher Lee, Kelly Reilly, Paz Vega

"Triage" ist ein aus der Militärmedizin herrührender Begriff für die – ethisch schwierige – Aufgabe, bei einem Massenanfall von Verletzten oder anderweitig Kranken darüber zu entscheiden, wie die knappen Mittel auf sie aufzuteilen seien.

Eine Jagd nach Krieg und Sensationen

Oscarpreisträger Danis Tanovic [NO MAN'S LAND] erzählt die niederschmetternde Geschichte des Kriegsfotografen Mark [Colin Farrell] der mit seinem besten Freund David im Irak nach brauchbarem Bildmaterial jagd. Die Wege der Beiden trennen sich und Mark wacht schwerverletzt und ohne klare Erinnerungen in einem Lazarett auf. Als er die moralischen Probleme des dort behandelnden Arztes erkennt, verändert sich Marks Sichweise auf den Krieg und er erträgt sein Umfeld nicht mehr länger. Zuhause angekommen versucht der Psychiater Morales [Christopher Lee] Marks Erinnerungen zu entschlüsseln um mehr über den Verbleib von David zu Erfahren, dabei stößt er auf eine schreckliche Wahrheit in Marks Erinnerungen...

Die moralische Kehrtwende

Das ergreifende Drama TRIAGE zeigt seine Schlachtfelder unverblümt - es sind nicht nur Menschen welche sich mit Gewehren bekämpfen, es ist vielmehr der moralische Kampf in den Köpfen der Beteiligten. Colin Farell schafft es sein Trauma über die Leinwand hinaus spürbar zu machen und den Zuschauer am Kragen zu packen. TRIAGE ist kein gefälliger Film, er ist ein sehr realistischer Spiegel dessen, was auch in diesem Moment in den ganzen Krisengebieten dieser Welt stattfindet. Der ständige Verlust von Menschlichkeit im Kriegsalltag ist leider ein stets aktuelles Thema, von dem im seltensten Fall berichtet wird und genau hierfür ergreift TRIAGE eine Stimme - und diese ist wirklich kräftig.

Die Bluray: Das Bild ist sehr gelungen, Schärfe und Kontrast entsprechen den Anforderungen lediglich der Schwarzwert ist nicht überragend aber akzeptabel, Tonspuren liegen in DTS-HD Master Audio [Deutsch, Englisch] vor. Das Bonusmaterial ist knapp aber infomativ gehalten [Div. Interviews, Making Of, Deleted Scenes, Trailer]


9/10 moralischen Zwickmühlen

Burke & Hare


Regie: John Landis
Darsteller: Simon Pegg, Andy Serkis, Isla Fisher, Tim Curry, Tom Wilkinson

1827 existierten tatsächlich zwei Mörder namens William Burke und William Hare in Edinburgh, dieser Film basiert allerdings nur sehr [sehr!] lose auf einigen wahren Begebenheiten. Regisseur John Landis [AMERICAN WEREWOLF] inszenierte mit BURKE AND HARE eine Komödie, ja fast schon eine Groteske der geschmackloseren Art.

Blut und Spiele

Im Ansatz klingt die Idee dieser Geschichte sehr interessant: Burke und Hare, sozusagen die fleischgewordenen Cousins von Abott und Costello, entdecken eine makabre Marktlücke: Sie verkaufen Leichen an einen Arzt welcher anhand dieser den menschlichen Körper erforschen will. Natürlich übersteigt die Nachfrage bald das Angebot, was zu einer fragwürdigen Vorgehensweise der beiden Geschäftsmänner führt. Amüstante Anspielungen auf die Entdeckung der Fotografie, die Entwicklungen in der Medizin und die Wunder der Aufklärung machen diese Hommage an die frühen Tage des Kinos zwar amüsant - aber nicht vollends gelungen.

Fehler in der Regie

Mit Simon Pegg und Andy Serkis hat John Landis definitiv ein Leinwandduo mit zündender Chemie auserkoren, leider fehlt es hier an Führung - zu oft wuseln die beiden unkontrolliert über die Leinwand und nur selten entrinnt der Film seiner fahlen physischen Komik. Prinzipiell fehlt es dem Film an kinematografischer Finesse, da hilft auch kein Cameo der Stop-Motion-Legende Ray Harryhausen [JASON UND DIE ARGOINAUTEN]. [Andere Cameos werden an dieser Stelle nicht verraten] Der Ansatz ist gut, lediglich die Umsetzung ist nicht Konsequent genug - Schauspieler werden verheizt und gute Ideen wurden nicht zuende gedacht. Trotz der stimmigen Kulissen wirkt die Kamera viel zu statisch und es fehlt an spannenden Bildkompositionen, auch hier wird viel Potential verschenkt. BURKE AND HARE ist eine makabre, manchmal auch witzige, oft aber belanglose Groteske für Fans der beiden Hauptdasteller.

Die Bluray: Der Ton in DTS und 5.1 [jew. deutsch und englisch] weiss zu überzeugen, lediglich das Bild enttäuscht mit schwachem Schwarzwert und durchscnittlicher Schärfe. Insgesamt entsteht nur im seltensten Fall wirklichen "HD-Feeling".
Die Extras sind hingegen ein absoluter Hingucker, besonders die Interviews mit Regisseur und Darsteller. Die Outtakes lassen vermuten, wieviel Spass das Team beim Dreh dieser Komödie hatten.


6/10 nicht mehr ganz so frischen Leichen

THE WARD


Regie: John Carpenter
Buch: Michael und Shawn Rassmusen
Darsteller: Amber Heard, Mamie Gummer, Danielle Panabaker, Laura-Leigh, Lyndsy Fonseca, Mika Boorem, Jared Harris

Nach zehnjähriger Leinwandabstinenz kehrt Horror-Legende John Carpenter [THE FOG, THE THING, HALLOWEEN] mit THE WARD zurück in die Kinosäle. Nach seinem von Kritikern eher mißgünstig aufgenommenen GHOST OF MARS begeisterte Carpenter mit CIGARETTE BURNS, einem Kurzfilmsegment der Horrorreihe MASTERS OF HORROR [Staffel 1]. Der Kurzfilm überzeugte durch eine innovative und referenzlastige Geschichte, einer sehr gelungenen Atmosphäre und einigen überzeugenden Schauspielern. Darauf folgte mit PRO LIFE ein weiteres, ebenfalls gelungenes, wenn auch nicht herausragendes Segement der MASTER OF HORROR-Sammlung [Staffel 2] - alle Zeichen deuten nun darauf hin, dass der Altmeister wieder zu seinen frühen Tugenden gefunden hat, aber kann er diese Erwartung mit THE WARD einlösen?

Der Oldschoolhorror beginnt...


Die Geschichte von THE WARD dreht sich um fünf Mädchen welche in einer Nervenheilanstalt von einem dämonenartigen Wesen heimgesucht werden. Inmitten dieses geisterhaften Treibens versucht die neue Insassin Kristen [Amber Heard] hinter das Geheimnis dieses Fluches zu kommen. Im Laufe der Geschichte werden die Hintergründe des Spuks und Kristens Vergangenheit schrittweise näher beleuchtet. Die Gespräche mit ihrem Therapeuten [stark gespielt: Jared Harris] lassen zunehmends vermuten, dass es in der Anstalt nicht mit rechten Dingen zugeht.

Gegen den Trend!


THE WARD schwimmt erfreulicherweise gegen die ausgelutschte und einfallslose TORTURE-PORN/CATIII-Welle, so präsentiert sich der Film recht blutarm, dafür aber atmosphärisch umso dichter. Insgesamt kann man Carpenters neuester Streich in seiner Machart als "klassisch" und auch "zeitlos" bezeichnen, die Spannung bezieht der Film durch ein Stakkato aus spannungsgeladenen Fluchtversuchen und geisterhaften Schockmomenten - stets im ausgewogenen Maße - Gore und Splatter sucht man hier [fast] vergebens. Amber Heard [ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE, THE INFORMERS] spielt ihre Rolle stark und bietet ausreichend Identifikationspotential, was bei einem Film mit diesem Setting von großer Bedeutung ist.

Starkes Handwerk!

Mit Kameramann Yaron Orbach hat Carpenter einen Glücksgriff gelandet, seine ästhetisch sehr steng konzipierten Bilder machen besonders die Verfolgungsjadgen zum Highlight des Besuchs in der Irrenanstalt. Zwar ist Carpenter dieses Mal nicht selbst für den Soundtrack zuständig, aber Mark Kilians Score kann trotzdem mit sehr atmosphärischen Klängen und nerventreibenden Schockpassagen überzeugen. Leider lässt THE WARD aufgrund des ausgetauschten Stammpersonals die sonst übliche Handschrift vermissen, aber vielleicht ist es auch besser, etwas neues auszuprobieren statt immer und immer wieder dieselben Stilmittel zu verwenden. Somit hebt sich Carpenter von abgestürzten Horrorlegenden á la Dario Argento [MOTHER OF TEARS] erfreulich ab und liefert einen sehr straighten, gut gemachten Genrefilm ab. Ob dieser fast schon altmodische Film beim reizüberfluteten Publikum punkten kann bleibt zwar fraglich, aber bei Freunden stimmungsvoller Geistergeschichten hat Carpenter definitiv einen Punkt gelandet.

THE WARD ist ein spannender und kurzweiliger Gruseltrip, der zum Ende hin auch mit einer gelungenen Wendung punkten kann.


7/10 Geistern unterm Bett