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CONFESSIONS - Geständnisse


Regie: Tetsuya Nakashima
Buch: Tetsuya Nakashima [nach KOKUHAKU von Kanae Minato]
Darsteller: Takaku Matsu, Yoshino Kimura, Masaki Okada, Yukito Nishii, Kaoro Fujiwara

Mit CONFESSIONS kreiiert Regisseur Tetsuy Nakashima [MEMORIES OF MATSUKO] ein surreales, hermetisch abgeschlossenes kleines Universum. Eine Lehrerin gesteht ihrer Klasse dass sie einen Racheakt an ihnen vollziehen wird, da sich zwei Schüler für den Tod ihrer jungen Tochter zu verantworten haben. Sie will keinen der Täter töten oder körperliche Schmerzen zufügen, sie will die beiden stattdessen psychologische Qualen erleiden lassen, ihr Umfeld manipulieren und das zerstören, was ihnen wirklich wichtig ist. Quälend lange, dennoch wunderschöne Einstellungen in Zeitlupe stehen im harten Kontrast zur Jugend, welche in Nakashimas Welt in einem Wimpernschlag zu vergehen scheint.



Nakashima kreiiert einen atemberaubenden Bildersturm von einer unbändigen Kraft und einer intensiven Schönheit. Trotz der komplexen Ästhetik dieser bizarren Bilderwelt überzeugt CONFESSIONS auf emotionaler Ebene, sämtliche Charaktere wirken glaubwürdig und der Film verkommt nie zu einem simplen Revenge-Movie. In CONFESSIONS sterben nur die Unschuldigen, Täter und Mittäter bekommen ihre Strafen auf weit subtilere Art und Weise verordnet.



Wie wertvoll das Leben ist und was für einen Druck ein Mensch auf sich nimmt um Anerkennung von seinen Liebsten zu erlangen, sind nur einige interessante Gedanken und Beweggründe, welche Nakashimas filmischen Albraum mit einem philosphischen Hauch und auch unterschwelliger Kritik am japanischen Schulsystem füllt. Zum Ende hin könnte man dem Werk zwar vorwerfen, dass er nicht aus seiner kühlen Bilderwelt heraus findet und sich seine Stilmittel wiederholen, auf der anderen Seite verstärkt dies aber umso mehr die Auswegslosigkeit seiner Figuren. CONFESSIONS ist ein direkter Sturmangriff auf die Synapsen und emotional absolut berührend. RAPIDEYE MOVIES zeigt dieses Juwel ab dem 28.7.11 in ausgewählten Kinos.


9/10 suspekten Milchtüten

13 ASSASSINS


Regie: Takashi Miike
Buch: Daisuke Tengan
Darsteller: Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki

Takashi Miike, cineastisches Enfant Terrible und Massenfilmer zugleich, präsentiert mit 13 ASSASSINS seine Version des gleichnamigen Samurai-Klassikers von Eichi Kudo aus dem Jahre 1963. Kudos Film musste sich seinerzeit den Vorwurf gefallen lassen, eine Kopie von Kurosawas DIE SIEBEN SAMURA zu sein. Ein Vorwurf der nicht wirklich begründet scheint, denn wo Kurosawa auf eine ausführliche Einführung seiner Charaktere setzt, war Kudos Samurai-Epos vielmehr ein Schwertkampf-Fest, das sich mehr auf die Schauwerte seiner Kampfkünste konzentrierte.



Miikes Variante aus dem Jahre 2011 treibt diesen Ansatz stellenweise auf die Spitze: Die Erste Hälfte des Filmes zieht sich teilweise quälend dahin wie Kaugummi, auf eine ausführliche Einführung der 13 Samurai wird leider verzichtet, stattdessen werden wir immer wieder daran erinnert was für ein böser Bube der fiese Samuraifürst doch ist. Hier verpasst der Film die Möglichkeit eine echte Bindung an die [vom Ansatz interessant konzipierten] Samurai zu schaffen. Dieser kleine Durchhänger sei Takashi Miike allerdings verziehen, denn das grandiose Actionfeuerwerk, welches er in der zweiten Hälfte zündet, entschädigt für einige Momente der Langweweile. Glaubwürdige(!) Schwertkämpfe von gnadenloser Härte, toll gemachte Massenkämpfe und brilliante Kampfstrategien machen 13 ASSASSINS zum absoluten Hochgenuss für jeden Freund gut gemachter Actionfilme.



Eine Straffung der Exposition, bzw. eine Einführung der Charaktere hätten Miikes Actionoper zwar noch etwas optimiert, aber so handelt es sich eben um einen ungeschliffenen Rohdiamenten, der nach einem zähen Einstieg mit einer wahren Blutfontäne überzeugt. Das Remake und das Original sind qualitativ in etwa gleich zu bewerten, während das Original durch einen ruhigeren, eher nostaligischen Samurai-Film-Charme zu überzeugen weiss, bombadiert uns Takashi Miike im Remake mit einer ungleich härteren Version. Der eine Film hat Herz, der andere Blut.


7/10 brennenden Ochsen

Ascot Elite bringt das Original von Eichi Kudo auf einer gut gemasterten DVD, während Miikes Remake sowohl auf DVD als auch auf Bluray mit tollem Bild veröffentlicht wird. Hier sei die Originalfassung mit Untertitel empfohlen, denn die deutsche Synchronfassung raubt dem Action-Exoten Einiges an Atmosphäre.

P.S.: Dank dem Hinweis von Samploo musste ich leider auch feststellen, dass die dt. Bluray und DVD des Remakes auf einer um 16 Minuten (!) gekürzten Fassung basieren. Nachzulesen im ausführlichen Schnittbericht bei Schnittberichte.com. Vielen Dank noch einmal für den wichtigen Hinweis!

Trailer zum Remake [2011]


Trailer zum Original [1963]

Ein Filmabend mit Bruce Willis

In Zusammenarbeit mit Lars von filmlemmige.de haben wir ein kleines Crossover gestartet und uns einen älteren und einen neueren Film von Bruce Willis angeschaut und unsere Meinungen zu den eher unpopulären Filmen notiert, viel Spass beim Lesen.

THE LAST BOYSCOUT
[1991]


Regie: Tony Scott
Buch: Shane Black
Darsteller: Bruce Willis, Damon Wayans

Shane Black [Regie bei KISS, KISS, BANG, BANG] schrieb 1991 das Skript zu LAST BOYSCOUT, einem seinerzeit zu Unrecht verschmähten Buddymovie welches erst im Laufe seiner Heiminoauswertung Kultstatus erreichen sollte. Genaugenommen gehört der Film sogar zu den größten Flops aus der Karriere von Bruce Willis, aber wie oft so üblich haben Einspielergebnisse und die wahren Qualitäten eines Filmes soviel gemeinsam wie Uwe Boll und die Oscarverleihung.



Im Falle von LAST BOYSCOUT vereint Shane Black die besten Zutaten seiner LETHAL WEAPON-Scripts, was unter der Regie von Ex-Werbefilmer [und Bruder von Ridley Scott] Tony Scott in schweisstreibende Hochglanz-Bilder verpackt wurde. Die Sprüche sind mittlerweile legendär, der Name des Protagonisten ist Programm [Hallenback klingt wie "Hell and Back"] und auch der Rest dieser zugegeben nicht ganz klischeefreien Story sind ein gefundes Fressen für jeden Actionfan. Das Actiongewitter stellt filmgeschichtlich sozusagen das ideologische Ende der 80er Jahre dar, nach LAST BOYSCOUT wirkt jeder andere Actionstreifen diese Gattung nur noch brav und spiessig. In dieser Geschichte gibt es keinen sauberen Helden, der besoffene Hallenback bekommt ordentlich auf die Fresse [pardon] und wird dennoch nicht müde seine Gegenspieler zu provozieren - eine Tugend die Tony Scoots-Shootout-Orgie fast schon in das Licht des schmutzigen Italo-Westerns rücken.



Nach einer unterirdisch schlechten DVD bekommt der Film endlich eine würdige Bluray-Umsetzung spendiert, Bild und Ton sind Klasse, der Ton geht auch in Ordnung - eigentlich kein Grund sich diesen Klassiker nicht ins Haus zu holen. Zwar ist der Film immer noch ein fester Bestandteil der deutschen Index-Liste, kann aber günstig [und mit deutscher Tonspur] aus England importiert werden.

LAST BOYSCOUT ist schmutzig, gewalttätig, unmoralisch und ein hochgradig jugendgefährdendes Werk - Schund für die FSK, der perfekte Actionfilm für den wahren Filmfan!


10/10 nicht ganz objektiven Eisbrechern

PS: nach aktuellem Stand wird Drehbuchautor Shane Black die US-Realverfilmung zum Anime/Manga DEATH NOTE realisieren - das lässt definitv hoffen!

LUCKY NUMBER SLEVIN [2006]


Regie: Paul McGuigan
Buch: Jason Smilovich
Darsteller: Josh Hartnett, Bruce Willis, Morgan Freeman, Ben Kingsley

Eigentlich geht es gerade weiter unter der Kategorie "An der Kinokasse durchgefallen" - nur ein weiterer Beweis dafür, dass der Geschmack des Mainstreams irgendwie nicht so recht zu gebrauchen ist. Mit LUCKY NUMBER SLEVIN hat sich der schottische Regisseur Paul McGuigan [THE ACID HOUSE, GANGSTER NO.1] an einem Actionfilm versucht. Interessant ist hier die bekannte Ausgangsituatuion: im Prinzip handelt es sich um eine Variante von Akira Kuroswas YOJIMBO, bzw. Sergio Leone's FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR [der unter dem Titel LAST MAN STANDING schon einmal mit Bruce Willis neu aufgelegt wurde].



Auch in der prominent besetzten Gangstermär LUCKY NUMBER SLEVIN werden zwei Clans gegeneinander ausgespielt, was einen halsbrecherische und schweisstreibenden Handlungsverlauf zur Folge hat. Zwar hat Bruce Willis hier eher eine Nebenrolle, aber dennoch gehört er neben Josh Hartnett, Morgan Freeman und Ben Kinglsey zu den bemerkenswerten Gesichtern der Besetzung.



Hier wird mit vielen Zutaten des Genres gespielt, zahlreiche Filmklassiker werden zitiert und auch handwerklich spielt der Film in der obersten Liga. LUCKY NUMBER SLEVIN überzeugt durch seine spannende Geschichte, obwohl er sich selbst nie zu Ernst nimmt, der Held könnte zwar aus der Gattung des Film Noir entstammen, dennoch kommt der Humor hier niemals zu kurz. Bis zum Schluss geizt der Film nicht mit überraschenden Wendungen, großartig gemachten Actionsequenzen und knackigen Dialogen.

Da LUCKY NUMBER SLEVIN in den UK und den USA ein großer Flop war, entschied sich Constantin Film auf eine Kinoauswertung zu verzichten und brachte die Actionkomödie gleich auf DVD und später auf einer akzeptablen Bluray heraus.


9/10 knallharten Rabbis

Fazit: Gerade zwei der größten Flops dieses Schauspielers gehören zu seinen frischesten und charakteristischsten Werke seiner Laufbahn. LAST BOYSCOUT und LUCKY NUMBER SLEVIN stellen sozusagen das perfekte Double Feature für einen gelungenen Filmabend dar und sind eine absolute Bereicherung für jeden Action- bzw. Bruce Willis-Fan.

→ Hier könnt ihr lesen was Lars von filmlemminge.de zu den beiden Filmen meint.

Trailer zu LAST BOYSCOUT



Trailer zu LUCKY NUMBER SLEVIN