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COLD FISH


Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono, Yoshitaki Takahashi
Darsteller: Mitsuru Fukikoshi, Denden, Asuka Kurosawa

Kalter Fisch - so umschreibt Regisseur Sion Sono [LOVE EXPOSURE, STRANGE CIRCUS] das Universum seiner Protagonisten: kalt, glatt und übelriechend - so geht das Leben mit den Menschen um. Shamoto [Mitsuru Fukikoshi aus TWILIGHT SAMURAI] betreibt einen kleinen Zierfischladen und muss sich mit seiner zweiten Ehefrau um seine zickige Tochter aus der ersten Ehe kümmern. Wie es der Zufall so will gerät der Ladenbesitzer eines Tages in die Fänge des charismatischen Geschäftsmannes Murata [exzellent: Denden aus UZUMAKI], der die Stärken und Schwächen seiner Mitmenschen sofort zu erkennen scheint. Durch eine skurille Ereignisskette wird Shamoto Komplize bei einem Mord den Murata begeht und gerät langsam aber sicher in die skrupellose Welt des eiskalten Soziopathen.



COLD FISH lässt sich stilistisch irgendwo zwischen Explotation und ernsthafter Charakterstudie ansiedeln - der Zuschauer weiss nie wirklich was ihn erwartet - krümmt er sich in einer Szene noch vor Lachen, so bleibt es ihm in der Folgenden geradezu im Halse stecken. Wäre Sam Peckinpah Japaner gewesen, hätte er seinen STRAW DOGS unter dem Titel COLD FISH drehen können. Die Hauptfigur Shamoto wird als lethargisch/passiver Charakter mit Ereignissen konfrontiert, welche ihn zunächst lähmen und anschliessend zum aktiven Mittäter machen. Diese Mutation vom zurückhaltenden Familienvater zum aktiven Choleriker scheint als würde man einem Fisch beim Schlüpfen aus einem schleimigen Laich zuschauen. COLD FISH unterliegt dabei einer sehr skurillen, nicht einfach zugänglichen Machart mit sehr direkten und ungeschönten Bildern.



Murata, der die sexuellen Bedürfnisse Shamotos Frau erkennt und sogar die Sympathie seiner problematischen Tochter gewinnt, wird zum Katalysator sämtlicher Ereignisse und Emotionen. Er verwandelt die soziale Kälte, welche anfangs auf den Figuren lastet, in heiße Gewalt und ausgelebte sexuelle Perversion. COLD FISH überzeugt durch seine durchweg brillianten Darsteller und seinen sehr kühlen, dennoch abgedrehten Stil. Voller schwarzem Humor, stellenweis extrem skurril und dabei schockierend gewalttätig, serviert Sion Sono seine Geschichte exakt so temperiert wie es der Titel vermuten lässt: Eiskalt!


9/10 dysfunktionalen Familien