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SLEEPING BEAUTY


Regie: Julia Leigh
Darsteller: Emily Brown, Rachel Blake, Peter Caroll
Verleih: Capelight

„Du wirst einschlafen, aufwachen und es wird dir vorkommen, als hätten die Stunden zuvor niemals existiert"

Lucy finanziert sich ihr Studium durch ein breites Spektrum an Nebenjobs: Vom kellnern in einer Bar, über medizinische Experimente bis hin zur Prostitution kommt für sie Alles in Frage. Ihren mit Abstand lukrativsten Job bestreitet sie allerdings in einer "Dörnröschenkammer". ohmächtig und betäubt von Drogen lässt sie dort die Fantasien alter Herren regungslos über sich ergehen. Sex und Gewalt sind hierbei zwar absolute Tabus, dennoch plagt Sie bald die Neugier, was in diesen Nächten mit ihr geschieht.



SLEEPING BEAUTY ist einer der aufregendsten und ungewöhnlichsten Filme seit langer Zeit, das kontroverste Drehbuch befand sich einige Jahre auf einer sogenannten "Black List" [die besten unverfilmten Scripts des jeweiligen Jahres] und wurde nun endlich doch noch verfilmt.
In kühlen und nüchternen Bildern erschuf die Australierin Julia Leigh eine Geschichte von Ohmacht und Kontrollverlust, das Märchen vom jungen Dornröschen wird quasi invertiert erzählt, diese Prinzessin will von keinem Kuss geweckt werden, sie wandelt in einem schlafähnlichen Zustand und vegetiert in völliger Furchtlosigkeit vor dem Tod.



Dem Film gelingt es trotz [oder gerade wegen] seiner sehr monotonen und distanzierten Machart zu fesseln. Emily Browning erweist sich hier als absoluter Glücksgriff bei der Besetzung, denn ihre starke, oft verstörende Präsenz weckt die voyeuristische Neugier beim Zuschauer und treibt den Film merklich voran. SLEEPING BEAUTY ist völlig frei von vordergründiger Gewalt, stattdessen dominiert eine kühle, düstere und traumähnliche Atmosphäre. Mutig, verstörend und sehr Sehenswert!

SLEEPING BEAUTY erscheint im März auf Bluray: Bild und Tonqualität können bei dem Independentfilm sehr überzeugen, zwar befindet sich nur eine kurze Kollektion von Interviews auf der Disc, diese sind allerdings sehr aufschlussreich und vertiefen den ein oder anderen Aspekt des Filmes.

Vielen Dank an Capelight für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Kommentare:

  1. Hallo,

    der Film ist zwar gut, kommt aber bei weitem nicht an "Das Haus der schlafenden Schönen" heran. Die Perspektive ist zwar eine Andere, aber es ist die selbe Geschichte.
    "Sleeping Beaty" bedient nur mehr Klischees.
    Arme Studentin, Prostitution, neugierige Frau, geile alte Böcke, usw....

    Lustig, dass das Drehbuch auf der schwarzen Liste stand. "Das Haus der schlafenden Schönen" wurde 2005 in Deutschland gedreht.

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  2. Da muss ich leider widersprechen, Klischees findet man in SLEEPING BEAUTY eher selten.

    Das Klischee der "armen Studentin" wird hier schonmal nicht bedient,

    *Achtung Spoiler*

    Spätestens als Lucy das verdiente Geld verbrennt wird klar, dass sie dieser Tätigkeit aus anderen Gründen nachgeht (Sie lässt sich nicht von materiellem kontrollieren).

    Von "geilen alten Böcken" würde ich in diesem Fall auch nicht sprechen, diese Männer sind Schatten ihrer selbst (Frau verloren etc.) und folgen keinesfalls ihrer Sexualität, es geht ihnen um das Erfahren von Lebendigkeit. (Lucy versucht genau das Gegenteil zu erfahren)

    Sogar ihre "Lehrerin" ist erstaunlich facettenreich dargestellt und keine typisch "böse", "strenge" Chefin, welche sie ausnutz o.Ä. , besonders diese Figur hat mich sehr fasziniert.

    Aber vielen Dank für den Filmtipp: "Das Haus der schlafenden Schönen" werde ich mir baldmöglichst anschauen und darüber berichten.

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  3. Jetzt wüsste ich schon gerne, wie Sie "Das Haus der schlafenden Schönen" fanden.
    Es tut mir Leid, aber "Sleeping Beauty" wirkt auf mich sehr konstruiert. Ich empfinde sowohl Lucy als auch die "Gneisser" als sehr dekadent.

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